Die Geschichte beginnt in einem bedeutungsschwangeren Zimmer. Im Laufe des Romans werden noch oft Zimmer auftauchen und obwohl es nie dasselbe Zimmer ist, wird es beinahe von einer platonischen Idee beherrscht: das Zimmer a priori; so wie alle Städte schlussendlich Babylon sind. Ich gehe in diesem Roman davon aus, dass Babylon die Uridee einer Stadt ist. Es gibt eine Menge Städte, die wesentlich älter sind, darunter auch Jericho - aber um eine Kalenderfrage ging es mir grundsätzlich nicht. Auch möchte ich hier noch gar nicht über die Städte des Romans reden.
Bevor das Zimmer für Adam eine bedeutende Rolle spielen sollte, kann man es - sinnigerweise - in der Erzählung DIE STADT - zum erstenmal bestaunen. Diese Erzählung wurde in den Acheron aufgenommen und fristet dort ein etwas seltsames Dasein. Die Geschichte wurde hinein genommen, wieder herausgestrichen und kurz vor Drucklegung schließlich wieder aufgenommen. Nicht etwa, um eine gewisse Seitenzahl zu erreichen, DIE STADT macht dort nur wenig aus und bringt dem Buch selbst keine nennenswerte Bereicherung, sondern, weil ich diese Erzählung als elementar für mein Schaffen selbst erachte. Wir finden dort den BUS, DIE STADT, DAS ZIMMER, DEN WÄCHTER DER ZEIT, DEN GÄNSEHÜTER, JOHANNA (eine der modernen Nornen) sowie DAS JAGDSCHLOSS erwähnt, ausnahmslos Artefakte, die im Acheron nicht die geringste Rolle spielen, umso mehr aber in COI.
Allerdings schrieb ich diese Geschichte nicht unter der Voraussetzung eines weiteren Romans und ich habe mich auch später nicht an dieser Geschichte orientiert, als es darum ging, die Klamotten für die neue Reise zusammenzusuchen.
In Zimmer 1 wird dem namentlich nicht näher bezeichneten Ich-Erzähler (den man dort selbstverständlich für Richard hält) eine Tür geöffnet, hinter der Johanna sitzt und einen Pullover strickt.
In einem Schaukelstuhl saß eine Mumie von einer alten Frau und häkelte einen Pullover, der bereits den ganzen Boden überzog. Nichts an ihr bewegte sich, außer ihren Händen.
„Wie lange tut sie das schon?“ wollte ich wissen.
„Seit dreiundachtzig Jahren häkelt die schöne Johanna diesen Pullover für ihr totes Kind“, zischelte der wächserne Junge.
Dieses Zimmer befindet sich, wie ebenfalls Zimmer 2 in einem JAGDSCHLOSS; neben dem ZIMMER und DER STADT wird das ein weiteres Analogiekonstrukt sein, das es in unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten in wechselnden Funktionen zu bestaunen gibt. Überhaupt hat es mit der Zeit, das muss ich eigentlich nicht gesondert erwähnen, eine besondere Bewandtnis.
Zimmer 2 wird aufgetan und dahinter sitzt Ardolfo, der Wächter der Zeit.
Der Gänsehüter öffnete die Tür, die neben der Johannas lag. Im Innern hing eine Kuckucksuhr, die still stand und an einem alten Herd krümmte sich ein alter Mann in Filzpantoffeln und erhitzte Wasser in einem Tiegel. Als er uns bemerkte, begann er zu lächeln und sein Gesicht zog sich in Falten.
Nun bitte. Das nächste Artefakt taucht auf. Es ist selbstredend DIE KUCKUCKSUHR.
Lassen wir das alles einmal beiseite. Diese kurze Abschweifung diente lediglich dazu, in etwa zu erhellen, dass nichts, das irgendwo in meinen Erzählungen steht, umsonst da steht.
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