Babylon

Michael Perkampus
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Streichung 224

Juni 18, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: gestrichenes Noch keine Kommentare →

(Gestrichen aus: Die Geschichte des Uhrenträgers)

Es ist nicht richtig, was Augustinus sagt. Dass die Zeit zugleich mit der Welt geschaffen wurde, und es ist nicht richtig, was Tillich sagt. Dass die Schöpfung mit der Zeit anzugeben ist, wenn auch, ja, wenn auch er nahe dran war; und Barth, der sagte, dass die Zeit vor der Schöpfung schon gewesen sei. Die Wahrheit ist: die Schöpfung ist immer noch im Gange und wir können sie solange dem Höhepunkt zustreben sehen, wie die Planeten immer weiter auseinander driften, sozusagen: sich verlassen.
Oh weh! Wenn das aber alles mal zurückdrängt! Alles rückwärts läuft! Oder gar nicht mehr da ist, weil es (noch schlimmer, aber nicht für uns!) noch einmal einen Knall geben wird, um etwas noch größeres zu formen.

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Schriften zur Romantik VIII

Februar 09, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: journal 1 Kommentar →

Mallarmé hat das Lesen immer wieder in ganz prägnanter Weise zum Thema gemacht. Er hat für die Poesie demonstrativ ein Geheimnis reklamiert und ihre Rezeption einer Extensivierung und Beschleunigung der Lektüre gegenübergestellt. (more…)

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Wirklichkeit und Gegenteil

Januar 31, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: psychologie Noch keine Kommentare →

Wenn wir von Zeit reden, reden wir auch von der Wirklichkeit. Wir können sagen, Wirklichkeit ist das, was wirkt – und hätten damit nichts gesagt, wir hätten einfach nur auf eine banale Faktizität verwiesen.
Wirklichkeit ist vielmehr das, was auf die richtige Weise geschieht und das setzt voraus, dass es einen bereits geschehenen Akt erneuert. Natürlich will ich auf den Mythos hinaus. Die richtige Weise kann nur eine zeitübergreifende Gültigkeit meinen, Wiederholung ist demzufolge ein Ritual. Wiederholung ist jedoch nur dann ein Ritual, wenn die damit verbundene Aktion einen klar umrissenen Sinn aufweist, sich also auf ein mythologisches Vorbild beruft. (more…)

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Herr Uhre

Januar 19, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: babylon 2 Kommentare →

Ein Diamanganheptoxid explodierte unter violetter Flammenbildung zu bräunlichen Flocken, und der Sinnenzauber ließ eine zwergenähnliche Gestalt aus dem Gebüsch hüpfen, nicht grösser als ein vierjähriges Kind mit einem eisgrauen Gesicht. Franz-Anton erschrak so heftig, dass er sein Blut nicht mehr in den Zehen spüren konnte.
„Na, was glaubst du? Dass du der einzige bist, der hier durch die Wälder herumzuscharmutzieren hat? Das glaubst du nicht, oder?“
Der Zwerg keckerte, nahm seine Mütze ab und schlug sie sich um den Leib, um so zu tun, als würde er den Staub von sich klopfen müssen. (more…)

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Die zugrundeliegende Geschichte

November 19, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: babylon Noch keine Kommentare →

Die Geschichte, die den Verlauf des Romans markiert, ist sehr einfach wiederzugeben:
Adam verliebt sich als elfjähriger Junge in ein Gesicht, das die Wolken für ihn zusammensetzen und ist von diesem Tage an entschlossen, dieses herzallerliebste Bildnis zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass es besagte Dame zwar einmal gab (wenn man von seinem Standpunkt des 21. Jahrhunderts ausgeht), allerdings ist ihr Wandeln auf Erden schon 6000 Jahre lang vorbei. Nun möchte man Adam gerne zur Seite nehmen und ihm sagen: “Das wirst Du vergessen, mein Lieber… ein Gesicht in den Wolken! Du wirst schon sehen, die Welt ist voller anmutiger Frauen - sicher, wenn sich ein Knirps wie Du in ein Wölkchen versieht, so scheint mir daran nichts beunruhigendes, aber… bleibe Er mir lieber auf dem Teppich irdener Wonnen!”
Ich selbst, und ein, zwei Leser mit mir - werden vermuten, dass dies alles gar nichts hülfe, gäbe es einen derart gestalteten Rat; das Schicksal ist besiegelt, Adam ist verknallt in eine Wolke (das Antlitz einer babylonischen Tempeldienerin der Ishtar) und schleicht fortan über das erdene Rund, mit nichts anderem beseelt als dem Wunsch, besagtes Fräulein heim zu führen (wobei heim freilich sein Herz meint, denn wie wir noch sehen werden, ist Adam ein eher ruheloser Geselle, der außer einem Plastiknapf nicht sehr viel besitzt; kein Prinz, noch nicht einmal ein Frosch, den man küsswandeln könnte - eine liebende Seele aber, die nun daherspaziert (und er tut es recht gleich, noch ehe sich die angebetete Wolke ins übrige Ozon verliert) und fortan alle, die ihm gefallen könnten, besonders ausgiebig mustert, so dass gerade noch fehlte, dass er riefe: “Sag, bist Du eine Wolke; besser: warst Du schon einmal eine Wolke?”
Um somit zu beginnen, was, er ahnt es ja noch nicht, der junge Mensch, an sich für eine Tragödie genügt: ein Leben in der Annahme, dass er bereits lange bevor er als geboren, als überhaupt gezeugt, gelten kann, nämlich vor 6000 Jahren, schon verlassen wurde.

Hier führt die Geschichte, die dem Roman zugrunde liegt in einen der zahlreichen Plots.

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Das Zimmer in der Ewigkeit

November 16, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: babylon Noch keine Kommentare →

Die Geschichte beginnt in einem bedeutungsschwangeren Zimmer. Im Laufe des Romans werden noch oft Zimmer auftauchen und obwohl es nie dasselbe Zimmer ist, wird es beinahe von einer platonischen Idee beherrscht: das Zimmer a priori; so wie alle Städte schlussendlich Babylon sind. Ich gehe in diesem Roman davon aus, dass Babylon die Uridee einer Stadt ist. Es gibt eine Menge Städte, die wesentlich älter sind, darunter auch Jericho - aber um eine Kalenderfrage ging es mir grundsätzlich nicht. Auch möchte ich hier noch gar nicht über die Städte des Romans reden.

Bevor das Zimmer für Adam eine bedeutende Rolle spielen sollte, kann man es - sinnigerweise - in der Erzählung DIE STADT - zum erstenmal bestaunen. Diese Erzählung wurde in den Acheron aufgenommen und fristet dort ein etwas seltsames Dasein. Die Geschichte wurde hinein genommen, wieder herausgestrichen und kurz vor Drucklegung schließlich wieder aufgenommen. Nicht etwa, um eine gewisse Seitenzahl zu erreichen, DIE STADT macht dort nur wenig aus und bringt dem Buch selbst keine nennenswerte Bereicherung, sondern, weil ich diese Erzählung als elementar für mein Schaffen selbst erachte. Wir finden dort den BUS, DIE STADT, DAS ZIMMER, DEN WÄCHTER DER ZEIT, DEN GÄNSEHÜTER, JOHANNA (eine der modernen Nornen) sowie DAS JAGDSCHLOSS erwähnt, ausnahmslos Artefakte, die im Acheron nicht die geringste Rolle spielen, umso mehr aber in COI.

Allerdings schrieb ich diese Geschichte nicht unter der Voraussetzung eines weiteren Romans und ich habe mich auch später nicht an dieser Geschichte orientiert, als es darum ging, die Klamotten für die neue Reise zusammenzusuchen.

In Zimmer 1 wird dem namentlich nicht näher bezeichneten Ich-Erzähler (den man dort selbstverständlich für Richard hält) eine Tür geöffnet, hinter der Johanna sitzt und einen Pullover strickt.


In einem Schaukelstuhl saß eine Mumie von einer alten Frau und häkelte einen Pullover, der bereits den ganzen Boden überzog. Nichts an ihr bewegte sich, außer ihren Händen.
„Wie lange tut sie das schon?“ wollte ich wissen.
„Seit dreiundachtzig Jahren häkelt die schöne Johanna diesen Pullover für ihr totes Kind“, zischelte der wächserne Junge.

Dieses Zimmer befindet sich, wie ebenfalls Zimmer 2 in einem JAGDSCHLOSS; neben dem ZIMMER und DER STADT wird das ein weiteres Analogiekonstrukt sein, das es in unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten in wechselnden Funktionen zu bestaunen gibt. Überhaupt hat es mit der Zeit, das muss ich eigentlich nicht gesondert erwähnen, eine besondere Bewandtnis.

Zimmer 2 wird aufgetan und dahinter sitzt Ardolfo, der Wächter der Zeit.

Der Gänsehüter öffnete die Tür, die neben der Johannas lag. Im Innern hing eine Kuckucksuhr, die still stand und an einem alten Herd krümmte sich ein alter Mann in Filzpantoffeln und erhitzte Wasser in einem Tiegel. Als er uns bemerkte, begann er zu lächeln und sein Gesicht zog sich in Falten.

Nun bitte. Das nächste Artefakt taucht auf. Es ist selbstredend DIE KUCKUCKSUHR.

Lassen wir das alles einmal beiseite. Diese kurze Abschweifung diente lediglich dazu, in etwa zu erhellen, dass nichts, das irgendwo in meinen Erzählungen steht, umsonst da steht.

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