Babylon

Michael Perkampus
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Früher war Paris sehr fremd

Juli 05, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: journal Noch keine Kommentare →

Unsere Romantiker waren nicht so gut auf die französische Metropole zu sprechen. In seiner “Reise nach Frankreich” notiert Friedrich Schlegel:

In Paris findet man alles für die Sinnlicheit, aber nichts für die Phantasie.

Verwundern darf das nicht; auch nicht, dass Kleist etwas Ästhetisches vermerkt, denn in der Großstadt zeigten sich anscheinend Entfremdung und psycho- wie soziopathische Zustände des modernen Menschen und seiner zweiten, von der Zivilisation deformierten Natur besonders krass.

Die Gasbeleuchtung gab es erst am 1817, die Boulevards waren ebenfalls noch nicht erbaut. Haußmann hatte das geniale Paris noch nicht geschaffen.

Was Kleist, Tieck und Eichendorff jedoch als Gemeinplatz in ihre Schriften einfließen ließen, war ja nicht zuletzt die Klage gegen die vorgefundene Dominanz des kalten Verstandes über die Empfindungen.

Eine Parallele zu heute hieße: vor lauter Pornographie entdecken wir den Körper nicht mehr. Wir fühlen uns frei, nach Herzenslust zu vögeln - jeder Körper ist austauschbar. Doch unter dem Schein dieser angeblichen Freiheit ist die Sinnlichkeit gänzlich abwesend und die Unzufriedenheit nimmt gefährliche Züge an.

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Werk in Bewegung

Februar 13, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: apercus Noch keine Kommentare →

Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja, das ist ihr eigentliches Wesen, dass sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann.
- Friedrich Schlegel

Nun sind wir bei der Unterschreibung der Veranda, dem Werk in Bewegung. (more…)

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Schriften zur Romantik VIII

Februar 09, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: journal 1 Kommentar →

Mallarmé hat das Lesen immer wieder in ganz prägnanter Weise zum Thema gemacht. Er hat für die Poesie demonstrativ ein Geheimnis reklamiert und ihre Rezeption einer Extensivierung und Beschleunigung der Lektüre gegenübergestellt. (more…)

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Schriften zur Romantik V

Januar 29, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: journal Noch keine Kommentare →

(Über die Selbstreflexivität)

Mit dem bereits erwähnten Athenäum-Fragment Nr. 116 setzt der Begriff der „progressiven Universalpoesie“ ein. Gemeint ist damit die Entgrenzung literarischer Gattungen, das vollkommen Wirken anhand der Aufhebung jeglicher Grenzen. Hier wird bereits einer Ganzheit vorgearbeitet, die sich bis in die heutige Naturheilkunde und die sogenannte Alternativmedizin hinein etablieren konnte, denn die Poetisierung des Lebens macht vor den durch den Rationalismus aufgebauten Grenzen im Alltäglichen nicht halt. (more…)

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Schriften zur Romantik IV

Januar 15, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: journal Noch keine Kommentare →

Was heute von der Unterhaltungsindustrie als romantisch, als Synonym für Kitsch, Konsum und Werbung umkleistert wird, trägt zu einer Verdinglichung des außer der Romantik starken Begriffst, der Liebe, bei. Zu deren eigentlichen Sinnentleerung kommt die Deformation der „Romantik“ hinzu, die in ihren zeitgenössischen Varianten auf eine Biedermaier-Beschaulichkeit reduziert, beziehungsweise damit verwechselt wird. In dieser Form, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, haben heute die meisten Zeitgenossen und Zeitgenossinnen eine Vorstellung von Romantik, sobald man sie erwähnt. Als Strategie für die Optimierung von Warenabsatz und Einschaltquoten, trivialisiert auf ein Candellight-Dinner und sonstigen Schmotz. (more…)

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Schriften zur Romantik III

Januar 14, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: journal Noch keine Kommentare →

(Exkurs über die Schönheit)
Das Werk in Bewegung, wie es die Veranda überschreibt, resultiert aus folgender Betrachtung im Disput zwischen den „Antiken“ und den Romantikern über die Schönheit.
Beginnen wir die Begrifflichkeit des Schönen bei Kant, dann sehen wir darin eine Form der Zweckmäßigkeit des Gegenstands, sofern sie ohne Zweck wahrgenommen wird. Daraus resultiert die berühmte Definition der Empfindung des Schönen als „interesseloses Wohlgefallen“. (more…)

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Die romantische Idee

November 11, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: apercus Noch keine Kommentare →

Die entscheidende Schwellenüberschreitung zur Überwindung der rationalistischen Beschränkungen wurde von Herder und Hamann geleistet. Auf ihren Theorien fußten dann wiederum Schlegels Sprachstudien, der somit zum Begründer der modernen Sprachbetrachtungen wird. Ohne die Konzeption Hamanns jedoch ist die romantische Idee, die Sprache erzeuge ihre Objekte, die Bestimmung des Dichters als Schöpfer einer höheren Realität nicht zu verstehen. (more…)

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Lucinde

März 25, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: apercus 1 Kommentar →

Wenn Friedrich Schlegel 1799 mit seiner Lucinde nicht nur künstlerische, sondern ebenfalls soziale Tabus brechen wollte, wenn er, anstatt theoretische Aperçus zur Roman-Theorie zu Papier zu bringen, selbst daran macht, das Muster eines romantischen Romans zu schreiben, dann ist zu sagen: daß jemand, der zu dieser Zeit den Roman eines Romans schreibt, ein außerordentlich moderner Kopf zu nennen ist. Viele Jahrzehnte also, bevor die eigentliche Moderne beginnen sollte, die in einem fulminanten Aufbegehren innerhalb der kürzesten Zeit stakkatoartig Expressionismus, Neoromantik, Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus, Futurismus und eine Menge mehr Manifestationen schuf und wieder überholte, bis der europäischen Avantgarde 1939 der Atem stockte und sich alles in ein Chaos verwandelte: Die Moderne endete nach dem ersten Schlachthaus nun in einem weitaus unbegreiflicheren Gemetzel. Wenn man es genau betrachtet, endet hier die Zivilisation, die im ersten Weltkrieg schwankte und deren Dichter alle Moral und Ethik, schlicht alle gängigen Werte nicht nur in Frage stellten, sondern sie voller Ekel anklagten.

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