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Michael Perkampus
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Tendenzen 22 - Thompson

November 16, 2007 Von: andre thom Kategorie: tendenzen Noch keine Kommentare →

tendenzenIn “Angst und Schrecken in Las Vegas” von Hunter S. Thompson findet sich eine besonders amüsante Szene, die leider im gleichnamigen Film nicht zu finden ist. Die beiden irrsinnigen Drogen-Abenteurer haben gerade den Polizeikongreß verlassen um an der Bar ein paar Drinks zu nehmen, dabei werden sie eben auch für Polizisten gehalten und es entwickelt sich folgender, aus Zeitmangel leider nur teilweise wiedergegebener, Dialog:

Mein Anwalt war unten in der Bar und redete mit einem sportlich aussehenden Bullen um die Vierzig, auf dessen Plastik-Namensschild zu lesen stand, dass er ein Bezirksstaatsanwalt irgendwo aus Georgia war. „Ich für meinen Teil bin ein Whiskey-Typ“, sagte er gerade. „Dort, woher ich komme, haben wir keine großen Probleme mit Drogen.“
„Das wird noch kommen“, sagte mein Anwalt. „Eines Nachts werden sie aufwachen und erleben, dass ein Fixer Ihnen das Schlafzimmer auf den Kopf stellt.“ „Neee!“, sagte der Mann aus Georgia. „In meiner Gegend niemals!“
Ich gesellte mich zu ihnen und bestellte ein großes Glas Rum mit Eis. „Sie sind wohl auch einer von diesen kalifornischen Jungs“, sagte er. „Ihr Freund hier hat mir gerade von den Drogen-Süchtigen erzählt.“ „Die sind überall“, sagte ich. „Keiner ist vor ihnen sicher. Und erst recht nicht im Süden. Warmes Klima mögen sie besonders.“
„Sie arbeiten zu zweit“, sagte mein Anwalt. „Manchmal auch in Banden. Die klettern ins Schlafzimmer und setzen sich einem auf die Brust. In der Hand haben sie ein lange Bowie-Messer.“ Er nickte ernst zur Bestätigung. „Manchmal setzen sie sich auf die Brust von deiner Frau und rammen ihr die Klinge in die Kehle.“
“Allmächtiger Gott“, sagte der Mann aus dem Süden. „Was zum Teufel geht in diesem Land vor?“ „Sie würden es nicht für möglich halten“, sagte mein Anwalt, „aber in Los Angeles ist alles außer Kontrolle. Zuerst waren’s die Drogen, jetzt ist es die Schwarze Magie.“
„Schwarze Magie? Scheiße, das kann doch nicht angehen!“
„Lesen sie doch mal die Zeitungen“, sagte ich. „Mann, in echten Schwierigkeiten sind Sie erst, wenn ´ne Bande von diesen Süchtigen über Sie herfällt, weil sie auf Menschenopfer aus sind.“
„Nee, sagte er. „Sowas gibt’s nur in Science Fiction-Büchern.“
„Nicht, wo wir arbeiten“, sagte mein Anwalt. „Verdammt, allein in Malibu bringen diese verdammten Satan-Anhänger jeden Tag sechs oder acht Leute um.“ Er hielt inne, um an seinem Drink zu nippen.
[...]
Der Barmixer schüttelte betreten den Kopf. „Hab ich mir’s doch gedacht“, sagte er. „Solche Gespräche hab ich nämlich noch nie in der Bar gehört. Herr Gott! Wie haltet ihr Leute solche Arbeit nur durch?“
Mein Anwalt lächelte ihn an. „Uns gefällt’s“, sagte er. „Ist doch ´ne Schau.“

Hunter S. Thompson - Angst und Schrecken in Las Vegas, Heyne Verlag, 2005

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