Babylon

Michael Perkampus
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Die Erfindung

Januar 10, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: philosophey 7 Kommentare →

In einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der ‚Weltgeschichte‘.

Von Erfindung spricht Nietzsche, wenn er nicht Ursprung sagen will.

Erfindung der Religion
Erfindung der Poesie
Erfindung der Ideale

Die Erfindung ist einerseits ein Bruch, andererseits etwas, das einen kleinen, engstirnigen, uneingestandenen Anfang besitzt. Der Erhabenheit des Ursprungs ist daher nach guter historischer Methode die unsägliche Kleinheit dieser Fabrikationen, dieser Erfindungen entgegenzusetzen. Die Erkenntnis ist erfunden worden = sie ist kein Bestandteil der menschlichen Natur, nicht der älteste Trieb des Menschen; sie ist nicht keimhaft in seinem Verhalten, seinen Strebungen und Trieben. Die Erkenntnis ist das Ergebnis der Konfrontation und der Verbindung des Kampfes und des Kompromisses zwischen den Trieben. Weil die Triebe aufeinander stoßen, miteinander kämpfen und schließlich zu einem Kompromiss gelangen entsteht etwas. Und dieses Etwas ist die Erkenntnis. Sie gleicht dem Funken zwischen zwei Schwertern, der ja auch selbst nicht aus Eisen ist. Es gibt keine vorgängige Übereinstimmung oder Affinität zwischen der Erkenntnis und den zu erkennenden Dingen. Das ist der große Bruch mit der Tradition der abendländischen Philosophie. „Der Gesamtcharakter der Welt ist Chaos, nicht im Sinne einer fehlenden Notwendigkeit, sondern der fehlenden Ordnung, Gliederung, Form, Schönheit, Weisheit.“, die Welt versucht keineswegs, den Menschen nachzuahmen; sie kennt keinerlei Gesetz. Die Erkenntnis hat mit dieser Welt zu kämpfen. Für die Natur ist es keineswegs natürlich, erkannt zu werden. Erkenntnis kann den zu erkennenden Dingen nur Gewalt antun.

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Ein philosophischer Kreis

Januar 12, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: philosophey Noch keine Kommentare →

Das Quaken wir auch schon seit 450 vor Zeit: es gibt keine allgemein gültigen, objektiven Wahrheiten. Protagoras sagte das und wäre damit der Moderne verpflichtet gewesen, mehr noch der Neuen Moderne.

Antiphon erklärt, man darf das Gesetz ruhig übertreten, nur darf es niemand sehen. Nationale Bindung hält er für nichtig, da alle Menschen gleich seien.

Kritias hält die gesamte Religion für die Erfindung eines klugen Kopfes, um damit die Menschen einzuschüchtern, damit sie die Staatsgesetze einhalten, auch wenn keine Polizei in der Nähe ist.

Der Modernste doch von allen, denen man heute noch Wahrheit stielt, war Heraklit. Man nannte ihn den Dunklen, der sich von den Massen fernhielt.
“Einer gilt mir zehntausend, falls er der Beste ist”, schreibt er in seinem Fragment 49.
Es darf uns daher nicht verwundern, dass die moderne Lebensphilosophie ala Nietzsche oder Klages sich auf Heraklit beruft. Nietzsche nahm vermutlich den “Krieg als Vater der Dinge” an, Klages stürzte sich auf den “Fluss”, der uns alles durch die Finger rinnen lässt, was wir ergreifen, leere Worte, denen keine Wirklichkeit entspricht.
So weit sind wir heute wieder in der Zeit des Postismus.
Man könnte nun behaupten, Heraklit sei Nominalist, dann verwechselte man ihn mit den Herakliteern, wie zB. Kratylos einer war. Ein absolutes Werden hatten sie im Auge, in jenem Sinne nämlich, als dass es überhaupt nichts Gemeinsames mehr gäbe. Ich glaube also, dass die moderne Lebensphilosophie in Wahrheit nicht Heraklit als Ahnherr hat, sondern dessen Verwerter.

Da komme ich also mit mir überein, dass es das, was man begehrt, gar nicht geben kann. Man begehrt eben nicht, was man sieht, sondern, was man nicht sieht, aber denkt.
Mag man sagen: aber ich sehe doch den anderen Menschen, den ich als Folge dann begehre; will ich erwähnen, dass des anderen Auftreten nur das Bild entfacht, dass man im Denken bereits stets begehrte, vor allem Auftauchen jener Person, auf die man sein Begehren stützt.

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