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Michael Perkampus
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Hermann Bahr, Modernist

April 22, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: polemiken Noch keine Kommentare →

Etwas darstellen, das ist stets und immer schlechte Literatur. Man muss schon ein Empfinden bewältigen können, dann darf Literatur auch eine Clownerie sein, um sie jedem realistischen Geschwulst überlegen zu machen.

Gedanken an Hermann Bahr, dem Überwinder des Naturalismus und Wegbereiter der Wiener Moderne.
Oh wie ich die Franzosen beneide! Sie haben ein Publikum, sie haben eine Presse! Bei ihnen darf man Talent haben, man darf sogar ein Genie sein. Deutschland ist im Vergleich eine geistig für alle Ewigkeit verstorbene Nation,

schreibt er im Januar 1889 an den Vater. Wie erstaunlich ich das auffassen muss, dürfte klar sein, wenn man weiß, was ich von Deutschland halte.

Als wesentlichen Zug der Moderne begreift Bahr die Polarisation zwischen unerbittlicher Lebenswahrheit und reinem Traum. Unter dem Einfluss französischer Autoren und Theoretiker entwickelte er sein persönliches Programm der Moderne als einer Nervenkunst, mit dem er in Wien Anfang 1890 für großes Aufsehen sorgte. Seine Artikel über Literatur blieben nicht ohne Wirkung auf Hofmannsthal oder auch Peter Altenberg.

Ich bin modern. Daher kommt es, dass ich ganz anders bin als all die anderen. Modern - das heißt, ich hasse alles, was schon dagewesen ist, jedes Vorbild, jede Nachahmung und lasse kein anderes Gesetz gelten in der Kunst als das Gebot meiner augenblicklichen künstlerischen Empfindung.

(Bahr: Tagebücher Skizzenbücher Notizhefte Bd. 1)

Ich musste natürlich mit der Wimper zucken, und ich musste sogar lachen; das liegt jedoch an der Zeit, die zwischen damals und jetzt liegt.
Die literarische Moderne, der Modernist wäre in der heutigen Zeit ein Altertümler. Er mag zwar etwas Neues inaugurieren, aber gar nicht reflektieren, dass ein allzugrosser Sprung keine Freude mehr macht, sondern Entsetzen, vorausgesetzt er wäre überhaupt möglich, woran ich nicht glaube. Da mag man der Zeit voraus erscheinen, in Wahrheit aber ist man in seiner Zeit stets nur mutiger als andere. Die Entwicklung kann nur heissen, sich zu vermischen und zu vermengen. Der Modernist scheut sich nicht, neuartig dastehen zu wollen, doch das ist nicht der Kern. Der Kern ist stets, einen Fluss nicht aufhalten und begradigen zu wollen. Der Unterschied liegt also darin, modisch mit authentisch zu verwechseln. Der Moderne ist nur modern, wenn er das zu allen Zeiten sein wird. Als Beispiel ziehen wir den ewigen Shakespeare heran. Selbst Joyce ist nicht so modern wie Shakespeare. Wohl aber gab es eine Zeit, da war er der Modernste von allen.

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