Babylon

Michael Perkampus
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Neu in der Edition

April 28, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: edition neue moderne Noch keine Kommentare →

Heute in der EDITION NEUE MODERNE erschienen:

Benjamin Stein - Ein anderes Blau

sowie

Michael Perkampus - Die Geschichte des Uhrenträgers, 2. Auflage

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Hervorbrechend keine Worte findet

Februar 19, 2008 Von: markus a. hediger Kategorie: rio rumble 2 Kommentare →

rio rumble

1

Diese Kolumne hatte ich Mário, meinem Portugiesischlehrer im Gymnasium, widmen wollen. Ihm und seinem dunkelblauen VW-Käfer, Jahrgang 1967. Ich hatte über seine Lehrmethode schreiben wollen, über seine Jeans und Turnschuhe, seine desaströsen Liebesaffären und sein plötzliches Verschwinden. Auch über das letzte, zufällige und befremdende Treffen auf einer Rolltreppe in der U-Bahn von São Paulo, Jahre später. (more…)

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Februar, Acht, Acht

Februar 08, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: edition neue moderne 9 Kommentare →

Voraussichtlich ab Juni 2008:

cyanus-klein1.jpg

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Reaktionen zur Heidelberger Vorlesung ANHs

Dezember 18, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: netz Noch keine Kommentare →

Die aufgrund der ersten Heidelberger Vorlesung ANHs anstehenden Diskussionen.

Fallen im Kopf (Turmsegler)

mit Bezug des Kommentars von ANH auf Der Menschenfeind

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Tendenzen

Juni 19, 2007 Von: andre thom Kategorie: tendenzen Noch keine Kommentare →

Von nun an jeden Freitag wird hier die Kolumne „Tendenzen“ von André Thom präsentiert. Eine Kolumne zeichnet für gewöhnlich eine gewisse Aktualität bzw. thematische Nähe zum Zeitgeschehen aus, das wird nur bedingt, aber auch, der Fall sein. Es werden unter Anderem Themen aus „in progress“ der vergangenen Woche aufgegriffen, Kuriositäten, absurde Nachrichten, interessante Sinnlosigkeiten, literarische Fundstücke oder was auch immer sonst meine Aufmerksamkeit fesseln mag, präsentiert. Der Titel „Tendenzen“ lässt vermuten, dass eine gewisse Richtung gewählt, „neues“ vorgestellt wird oder allgemein eine Zielstrebigkeit vorhanden sei. Dies soll nur bedingt der Fall sein. Es wird keinen abgegrenzten Themenbereich geben, alles kann hier Platz finden, solange es nur irgendeinen Unterhaltungswert besitzt ohne niveaulos zu sein.
Der Fokus liegt natürlich hauptsächlich auf der Literatur, da ich aber Soziolgie und Psychologie in Leipzig studiere, kann es durchaus mal vorkommen, dass aus diesen Bereichen interessante Dinge vorgestellt werden.

Fangen wir auch gleich an, mit einem Text, den ich geschrieben habe und einer deren Hauptfigur nicht zufällig der Betreiber dieses Blogs ist: Michael Perkampus höchstpersönlich darf darin das Privileg haben eine Figur aus Becketts Stück „Warten auf Godot“ zu verprügeln. War es mir zu Beginn (denn der Text entstand in 2 Teilen im Abstand eines Jahres etwa), ein Anliegen Paul Valery sich selbst begegnen zu lassen, entwickelte sich das Ganze schnell als illustre Runde mir wichtiger Autoren, wobei freilich nicht alle auftreten konnten, es wäre vielleicht noch nett gewesen, wenn Jorge Luis Borge, Julio Cortazar oder der Marquis de Sade vorbei geschaut hätten, aber sie waren aus verschieden, mir unbekannten Gründen unpässlich. Frechheit.
Der Text findet sich auch in meinem Blog, wird hier aber vermutlich mehr Leser finden und passt eben aufgrund der Figuren gut hierher.
Die Auswahl der verschiedenen Zitate geschah halbzufällig, d.h. ich schlug in den ausgewählten Büchern eine Seite auf und suchte einen passenden Satz, fand ich keinen schlug ich eine nächste zufällig ausgewählte Seite auf usw. Während des „Schreibens“ aß ich einen nicht mehr ganz frischen Pfirsich und trank Kaffee, später Wein. Lecker.
Um ihnen die Kuriosität bzw. interessante Anekdote dieses Mal nicht schuldig zu bleiben hier noch ein kurzer Absatz, den ich in Boris Vians Biographie von Philippe Boggio (Bruckner & Thünker Verlag 1993) fand:

„Einer von Yvonnes Brüdern [Mutter Boris Vians], Fernand, macht beim Roulette derartige Schulden, daß er mit zwanzig Jahren sich selber zu Ehren ein Fest im Park des Casinos von Monte-Carlo gibt und sich vor den Augen der geladenen Gäste erschießt.“
S. 10

Das Treffen

Als ich die Straße entlang ging und eine Sonne hinter Giebeldächern hervor kriechen sah und das Blech der Motorhauben blitzte, ja geradezu entflammte, und in mir Gedanken empor schossen über den Schweiß in meinen Achselhöhlen und den Durst in meinem Rachen kam mir die alles entscheidende Idee: ich nahm eine Zigarette aus der Schachtel in meiner Hosentasche und sprach den erstbesten Passanten an:

ICH: Ich bitte sie um Feuer
ERSTER: Indem sie mich um Feuer baten, haben sie vielleicht diese paar belanglosen Worte auf Kosten seiner begrenzten Bedeutung angenommen.
ICH: Sie haben mich verstanden.
ERSTER: Ich habe ihre Worte verstanden, denn, ohne auch nur darüber nachzudenken, habe ich ihnen hingehalten, was sie verlangten, dieses bisschen Feuer.
ICH: Und doch ist die Angelegenheit damit noch nicht beendigt.
ERSTER: Seltsam: der Ton und gleichsam die Figur ihres kleinen Satzes kehrt in mir zurück, wiederholt sich in mir; als gefiele es ihm in mir; gern höre ich mir zu, wie ich ihn nachspreche, diese kleinen Satz, der seinen Sinn beinahe verloren hat, der aufgehört hat zu dienen und der dennoch weiterleben will, aber mit einem ganz anderem Leben.
ICH: Ich spreche zu ihnen, und wenn sie meine Worte verstanden haben, sind diese Worte null und nichtig.
ERSTER: Damit befinden wir uns schon auf der Schwelle des dichterischen Zustandes.
ICH: Sie sind Paul Valéry.
ERSTER: Letzten Endes hat man in sich selbst keinen Namen.
ICH: Setzen sie sich doch, ich habe viel Zeit.
ERSTER sich auf den Gehweg setzend: Ich greife auf gut Glück zum Beispiel das Wort Zeit heraus.
ICH: Dieses Wort war absolut durchsichtig, präzis, anständig und treu in seinem Dienst.
ERSTER: Solange es seine Rolle als Teil einer Rede spielte oder von jemand ausgesprochen wurde, der etwas sagen wollte.
ICH: Aber jetzt ist es ganz allein, so bei den Flügeln genommen.
ERSTER: Es rächt sich.
ICH: Es macht uns glauben, dass es mehr Bedeutung habe, als es Funktionen hat.
ERSTER: Es war nur ein Mittel und jetzt ist es zum Selbstzweck geworden.
ICH mehr flüsternd, als sprechend: Es verwandelt sich in ein Rätsel, in einen Abgrund, in eine Marter des Denkens…
ERSTER: Oft genug stellt man den Begriff Dichtkunst in Gegensatz zu dem des Denkens.
ICH: Wie man gut und böse sagt, Laster und Tugend, heiß und kalt.
ERSTER: Diese Simplizität legt mir den Verdacht nahe, dass sie von den Schulmeistern stammt.
Eine weitere Person tritt aus einer schweren hölzernen Eingangstür auf die Straße, mit großen hektischen Schritten kommt sie heran und bleibt stehen, starrt Valery auf den weißen Scheitel. Einige Sekunden spricht keiner, dann beginnt der fremde.
ZWEITER: Der Beginn der dichterischen Eskapaden liegt stets im Dunkel der Inspiration.
ERSTER: Ist es dies, was man vom Dichter verlangt?
ICH: Diese aus der Erregung entsprungenen Ausdrücke?
ZWEITER: Der Dichter wird zum Demiurgen, der aus dem Unbewussten neue Welten schafft.
ICH: Sie sind Michael Perkampus.
ZWEITER: Letzten Endes hat man in sich selbst keinen Namen.
Pozzo und Lucky treten auf. Pozzo führt Lucky am Strick vor sich her. Lucky trägt einen schweren Handkoffer, einen Klappstuhl, einen Vorratskorb und, überm Arm, einen Mantel; Pozzo hat eine Peitsche.
POZZO: Vorsicht! Er ist bissig. Bleibt stehen. Sie sind aber doch menschliche Wesen. Er setzt seine Brille auf. Soweit ich sehe. Er nimmt die Brille ab. Von derselben Gattung wie ich. Er lacht schallend. Von derselben Gattung wie Pozzo! Göttlicher Abstammung!
ERSTER: Eine derartige Wahrheit ist ein Grenzwert der Welt.
ICH: Es ist nicht erlaubt darin zu wohnen.
ZWEITER dem Pozzo die Peitsche aus der Hand reißend, Lucky und Pozzo um die Ecke jagend: Wir wissen nichts von der Welt! Das ist der Ausgangspunkt!
ERSTER: Wir wissen nichts und wir wollen sehen, wie viel sich herausfinden lässt.
ZWEITER zurückkehrend, erschöpft: „Sublimation“ bedeutet wörtlich übersetzt „etwas erhöhen“ oder „etwas veredeln“.
ICH theatralische Geste: Oh, Wollust!
ZWEITER sich auf der Motorhaube eines Wagens niederlassend: Ja, Wollust ist nämlich gedacht…
ERSTER: … als ein Ort der Auflösung…
ICH händeklatschend zum Rhythmus eines vorbei tanzenden Musikanten: Ja, ja, weiter!
ZWEITER: … des Körperlichen und des Geistigen, als dieses Phänomen nimmt sie einen einzigartigen Platz in der Konditionierung alles Lebendigen ein.
POZZO um die Ecke schauend, ängstlich: Wie spät ist es?
ZWEITER ärmelhochkrempelnd schnellen Schritts auf ihn zu: Die Realität war gestern. Heute ist der Traum.
POZZO: Ist es Abend?
ERSTER: Das Leben hat keine andere Form des Ablaufs.
ZWEITER auf Pozzo einschlagend: Bist du bald fertig? Willst du wohl still sein, du Mistvieh! Pozzo befreit sich unter Schmerzenschreien, kriecht davon.
ICH: Ob ich mal zu ihm rüberkrieche?
ERSTER: Lass mich nicht allein!
ICH: Oder mal nach ihm Rufe?
ERSTER: Lass nur. Pause. Das ist die ganze Menschheit. Schweigen. Sieh mal, die kleine Wolke.
ZWEITER zurückkehrend: Die Flügel bin ich los wenn ich doch habe meinen Flug.
ERSTER: Der Dichter erwacht im Menschen durch ein unerwartetes Ereignis…
ZWEITER: An scheinbar belanglosen Situationen entzünden sich entscheidende Stellen.
ERSTER: … einen äußeren oder inneren Anlass: einen Baum, ein Gesicht, ein „Thema“, eine Erregung, ein Wort.
Ein weiterer Mann kommt hinzu, Mantel, Brille, Halbglatze, er wirkt etwas irritiert und mischt sich ohne zu zögern ins Gespräch.
DRITTER: Jetzt ist es Herbst. Ich wurde hierher geschickt aus einem Grunde, den ich noch nicht klar erkannt habe. Ich habe kein Geld, keine Zuflucht, keine Hoffnungen. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Und dies hier? Dies ist Schmähung, Verleumdung, Diffamierung eines Charakters. Dies ist eine fortwährende Beleidigung, ein Maul voll Spucke ins Gesicht der Kunst, ein Fußtritt für Gott, Menschheit, Schicksal, Zeit, Liebe, Schönheit… was man will.
ICH: Sie sind Henry Miller.
DRITTER: Letzten Endes hat man in sich selbst keinen Namen.
ERSTER: Eines Tages belehrte mich jemand, dass Lyrik Enthusiasmus sei und dass die Oden der großen Lyriker ohne Korrekturen geschrieben seien, im gleichen Tempo wie die Stimme des Deliriums und der stürmisch brausende Geisteswind…
DRITTER: Ich bin nur geistig tot. Körperlich bin ich lebendig. Moralisch bin ich frei. Die Welt, die ich verlassen habe ist ein Zwinger. Die Dämmerung bricht an über einer neuen Welt, einer Dschungelwelt, in der die mageren Geister mit scharfen Klauen umherstreifen. Wenn ich eine Hyäne bin, so eine magere und hungrige: ich ziehe aus um mich zu mästen.
Auf allen Vieren wie ein Raubtier davon laufend.
ZWEITER: Muss ich geistige Regionen bemühen, wenn ich im Schlamm saß?
DRITTER: aus der Ferne: Ich werde für euch singen, vielleicht ein bisschen falsch, aber ich will singen.
ZWEITER sich niedersetzend, im Herbstlaub blätternd: Das Herz eines Dichters muss stets gebrochen sein, die Wunde darf nicht heilen.
ERSTER: Wie das vollkommene Vakuum und wie der tiefste Temperaturstand nicht erreicht werden können und nur um den Preis einer anstrengenden Progression der Leistungen nahezubringen sind, so verlangt die letzte Reinheit unserer Kunst so lange und so harte Selbstüberwindung…
ICH nachflüsternd: Selbstüberwindung!
ERSTER: … dass sie fast die ganz natürliche Freude, Dichter zu sein, aufzehren und am Ende nur den Stolz übriglassen, niemals befriedigt zu sein.
ICH: Den meisten jungen Leuten, die mit dem dichterischen Instinkt begabt sind, ist diese Strenge unerträglich.
ZWEITER: Ein Mensch, der sich von der Jugend verabschiedet hat, kann kein Künstler sein, das ist völlig ausgeschlossen. Sich auf dem Boden legend, Blick himmelwärts. Aber er wird sie nicht erhalten, bis er von kompetenter Seite den Sinn der Schöpfung erklärt bekommt, also nie.
ERSTER: Also nie.
ICH: Also nie.
Das Orchester der Straße beginnt zu spielen, schwillt an, lässt alles erbeben bis die ganze Kulisse in Trümmern darnieder liegt.

Quellen:
Paul Valéry „Zur Theorie der Dichtkunst“, Insel Verlag Frankfurt am Main 1962
Henry Miller „Wendekreis des Krebses“, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1979
Samuel Beckett „Warten auf Godot“ in Samuel Beckett „Drei Stücke“, Suhrkamp taschenbuch, 2005
Michael Perkampus „Aperçus zu einer neuen Literatur“, unveröffentlicht

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