Babylon

Michael Perkampus
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Tendenzen 19 - Geo & Luther

Oktober 26, 2007 Von: andre thom Kategorie: tendenzen Noch keine Kommentare →

Zunächst möchte ich etwas voranstellen: ich bin ein begeisterter GEO-Leser. Um die Wahrheit zu sagen ist es die einzige deutschsprachige Zeitschrift, die ich wirklich lese. Das liegt vor allem an den wissenschaftlichen Artikeln, sowie durchaus interessanten, ausführlichen und gut geschriebenen Berichten von Expeditionen, Kulturkreisen, usw.
Ich hatte schon einmal vor einen Artikel aus dieser Zeitschrift zu zitieren, in dem es um Gerichtsverfahren im Mittelalter gegen Tiere ging, zum Beispiel gegen Ratten, die ein Feld verwüsteten und sogar einen Anwalt gestellt bekamen und ein Schwein, das ein Kind zu Tode brachte, allerdings ging mir die Ausgabe verloren.

In der diesjährigen Novemberausgabe findet sich ein Artikel über Martin Luther, vornehmlich über die Genese seiner Überzeugungen bzw. Lehren und deren Ausformungen in Bezug auf wissenschaftliche Entdeckungen und Denkentwicklungen des 20. Jahrhunderts.
Letztlich kann ich mir allerdings nicht sicher über diesen Artikel sein, das sei voran gestellt, weil ich mich nie ernsthaft mit Luther auseinandergesetzt habe und im folgenden eben nur aus diesem Artikel und keinen anderen Quellen schöpfen kann.
Zunächst etwas über Luthers „Offenbarung im Turm“ (die ihm, wie er selbst einmal andeutete, womöglich auf der „cloaca“, dem Abort, überkam; das ist aber in keiner Weise gesichert): Gottes Gerechtigkeit sei kein Verdienst, den man erreichen könne, sondern ein Geschenk. Sie ist einfach da. Allein durch den Glauben werde der Mensch selig.
Dort beginnt natürlich der große Bruch mit dem Katholizismus, der zu jener Zeit gerade seine Ablassbriefe zu verkaufen sucht.
Nun gut, ich möchte hier keine Abhandlung über Luthers Lehren veranstalten, dazu bin ich gar nicht befähigt (und habe letztlich auch gar nicht den Wunsch mich allzu umfassend mit ihm zu beschäftigen), auch möchte ich nicht den Inhalt des Artikels wiedergeben, sondern lieber etwas aus dem Artikel zitieren, was mit besondere Freude machte und sicher dem einen oder anderem auch.
So heißt es in dem Artikel:

„Der Mensch wird, so stellt schon Luther fest, beherrscht von seiner Libido: „Denn ohne Fleisch wären wir nicht und könnten nicht wirken, noch könnten wir ohne die Fleischeskraft dasein und wirken.“ Die „brünstige, natürliche Neigung zum Weib“ dürfe deshalb auch „nicht durch Gelübde und Gesetz verhindert werden“. Sinnlos und gefährlich, Keuschheit erzwingen zu wollen – da ein unbefriedigter Sexualtrieb den Menschen so gründlich vergifte, „dass es besser wäre tot zu sein.“ [...] So ist der Zölibat für Luther der nackte Frevel. Ebenso gut, ruft er den katholischen Glaubenshütern hinterher, hätten sie „das scheißen verboten haben“ können.
[...]
Schließlich sind alle Verbote, alle Moral und alle Dogmen für Luther nichts als Listen des Bösen, das dem Menschen einflüstern will, er könne durch sittliche Anstrengung Gottes Wohlwollen erlangen.“

„Luther dagegen igelt sich ein in seiner Zelle, weigert sich Täter zu werden [Anmerkung meinerseits: gemeint ist der Aufbau einer weltlichen Kirche/Organisation seiner Lehren, wie sie durch Ulrich Zwingli und Johannes Calvin entstehen]: „Wir sind narren und elende humpler mit unserm thun und kunst.“ Mit 57 Jahren wird er die Essenz seines Lebens so zusammenfassen: „2 stund gekackt, 3 stund gegessen und 4 stund mussig gegangen.“

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Plastik

Januar 12, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: notizen & wirrnisse Noch keine Kommentare →

In der Ursuppe verwandeln wir uns alle in Plastikscheiße.
Martin Luther spielt Eishockey in der Küche, auf deren Herd die Suppe brodelt. Eine Kernseife fliegt wie ein Puck ins Schaufenster des Universums hinein. Küchen haben keine Schaufenster? Diese hat!
Dahinter föhnen sich die Puppen ihr güldenes Haar. Ihre Androgynität läßt sie verzweifeln.
Sie haben keine Schweißdrüsen, dafür aber bunte Augen, mit denen sie ein Lied für die Ewigkeit klimpern.
Die Ewigkeit dankt es ihnen und verwandelt uns alle zurück. Bis auf Martin Luther. Der spielt weiter Eishockey. Diesmal mit einer Taschenausgabe der Bibel.

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