Babylon

Michael Perkampus
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Der Magische Realismus

Februar 14, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: apercus, autoren und werke Noch keine Kommentare →

Wenn Massimo Bontempelli, der die italienische Literatur in den 20iger Jahren geprägt hat, seine ersten magisch-realistischen Werke vorlegt, wird er einer jener Pioniere sein, die einen bisher nicht fest umrissenen Begriff in die Literaturwelt einführen, der sich irgendwo zwischen phantastischer Literatur, Surrealismus und Neuer Sachlichkeit bewegt. (more…)

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Ulysses, Subskriptionsausgabe

Januar 28, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: poetakas Noch keine Kommentare →

Joyce schreibt ausschliesslich mit der Hand und korrigiert seine ausufernden Texte, wie Balzac und Proust, auf den Druckfahnen, wobei er es nicht unterlässtt, alles neu anzuordnen. Der Drucker Darantjére versteht kein Englisch, wobei fraglich bleibt, ob er das, was Joyce da niederschrieb, auch mit Kenntnis dieser Sprache verstanden hätte. Allein beim Circe-Kapitel, das bekanntlich in einem Bordell spielt, versagen neun Sekretärinnen, andere werfen das Manuskript völlig entnervt oder heulend zu Boden oder gar ins Feuer.
Sylvia Beach sucht Zuflucht in Subskriptionen und alle unterschrieben: Hemingway, André Gide, Ezra Pound, W.B. Yeats. Nur Bernhard Shaw schrieb folgenden Brief:
“In Irland macht man Katzen zimmerrein, indem man ihre Schnauze im eigenen Unrat reibt. Mr. Joyce versucht das nämliche beim menschlichen Geschlecht. Hoffentlich hat er Erfolg.”
Die erste Auflage, die damals (Subskriptionspreis) 150 Franc betrug (und heute etwa bei 30.000 Euro liegt) beträgt 750 Exemplare, dickes Oktav, kartoniert, 732 Seiten, 1 1/2 Kilo. Und da Joyce wegen seiner schlechten Augen unfähig war, selbst Korrektur zu lesen, mit einem halben Dutzend Druckfehler pro Seite.

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Ulysses

Januar 28, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke Noch keine Kommentare →

Über diesen Roman ist (wie überhaupt über die grossen Romane zu schreiben ein beinahe kopistisches Verfahren bedeutet) kaum etwas Neues herauszufinden und anzubieten. Das trifft auf den Ulysses, den jeder Literaturinteressierte gelesen hat, noch viel stärker zu als vergleichsweise bei Cortázars Rayuela. Gerade weil der Ulysses eines der Standartwerke der modernen Literatur ist und auch als erstes da war, kann man heute berichten, dass es kein zweites Buch gibt, das ein grösseres Aufsehen erregt hat, obwohl wir heute sagen können: Der Roman schafft sich zwar Neues, hält allerdings daneben auch trotz aller Auflösung noch an entscheidenden überkommenen Aufbauformen des Romans fest, so vor allem an der konstruktiven Erzählhaltung, die erst der Noveau Roman aufgeben wird. Mag diese auch vom Stofflichen überschwemmt werden, sie bleibt doch stets im Grunde gegenwärtig und ist aus jedem beliebigen Satz, nehmen wir die Anakoluthe und die blossen Reihungen, eine wörtliche Rede oder den inneren Monolog davon aus, zu erkennen.

Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass dieser Roman, den Joyce ursprünglich als Erzählung seinen Dubliners beifügen wollte, wie die Wissenschaft jener Zeit, die Macht erlangte, das Weltall zu ordnen, seine Aspekte, seine Widersprüche in einer grandiosen, endgültigen Synthese aufzulösen.
Von 1914 bis 1921 wuchs die Novelle und so sehr Joyce bis dato für sein Werk hatte kämpfen müssen (wie übrigens jeder “wirkliche” Literat), so mühelos fiel ihm nun ein von Skandal gefärbter Ruhm zu. Die New Yorker Post verbrannte, ganz in der Gesinnung weltumspannender Faschisten, zweitausend Exemplare, der Zoll beschlagnahmte, das Prädikat, der Roman sei
“so obszön, unzüchtig, lasziv, nichtswürdig, anstössig und widerlich, dass eine genaue Beschreibung das Gericht beleidigen müsse (Summer, 1920 im Namen einer puritanischen Liga)
machte die Runde und: freilich, die Intelligenza war begeistert: trotzig brachte Sylvia Beach im Februar 1920 die Erstauflage heraus.

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