Babylon

Michael Perkampus
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Anekdote um Keller

Mai 05, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: poetakas Noch keine Kommentare →

Auch die Schweiz hatte ihren Trunkenbold unter den Literaten. Vornehmlich war das Gottfried Keller (Der grüne Heinrich). Sein bürgerlicher Realismus ist natürlich eine ganz schlimme Sache, so wie alle Bürgerlichkeit einem sensitiven Menschen das kalte Grausen beschert.
Eines Abends, so geht eine der Legenden, sei Keller mit einem Freund über den See nach Küsnacht gerudert, um den dort vorzüglichen Wein zu verkosten. Nach Mitternacht bestiegen die beiden Zecher wieder ihr Boot. Abwechselnd ruderten sie stundenlang vor sich hin. Als der Morgen graute, hatten sie das andere Ufer immer noch nicht erreicht - und als es Vormittag, bald Mittag wurde, ging der Wirt von Küsnacht zum Landungssteg hinunter und erblickte dort zwei emsig bemühte Ruderer, eben Keller und seinen Freund. Erstaunt rief er ihnen zu, warum sie denn um Gotteswillen den Kahn nicht von der Leine nähmen.

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