Babylon

Michael Perkampus
Subscribe

Das Leben ist nicht immer ein Fest (3)

August 22, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: alte notizen Noch keine Kommentare →

Mein zimmer lag im obersten stock eines musikcafes, neben den räumen stationierter amerikaner mit ihren frigiden amerikanischen frauen. Sie hätten alle so einen fetten arsch, weil man sie als kleinkinder auf den bauch legt, hatte Tom zu mir gesagt. Die amerikaner züchten ihre frauen in gewisser weise selbst, nicht ohne dabei an das wirtschaftsinteresse der fattabsaugindustrie zu denken. Sie sind ja schließlich ein land, das land schlechthin, da ziehen alle an einem strang, sogar die Neger, die polizeiarbeit versprechen. Schuldige, wo immer man sie braucht, sparringpartner in den zeiten der not. Sie sehen immer wehrlos aus, diese Schwarzen, aber wenn man sie nicht zu sechst mit einem knüppel verbläut, kommt man bei ihnen nicht durch. Sie sind hart im nehmen, sogar die unscheinbaren.
Die amerikaner dürfen es nicht wie die hunde treiben, ohne lebenslänglich zu bekommen. Wegen dieser soziopathischen prüderie gäbe die natur die dicken ärsche aus, um jeden mann in versuchung zu führen, amerikanische männer, versteht sich, sich in das feiste fleisch zu stemmen.
- Stell dir das einmal vor! Der schönste und formvollendete Parmaschinken, von schweinen, die nur mit gerste gemästet wurden und die nur parmesanmolke tranken, mit meersalz eingerieben und mit der fünfzackigen krone gebranntmarkt, wedelt mit seinem nussduft vor deiner nase herum, wo du doch ansonsten nur wasser und brot zu essen bekommst. Wenn du deine nasenspitze auch nur einen einzigen zentimeter nach vorne bewegen willst, bist du erledigt. Du riechst die würze des herbariums der lust, du würdest blindwütig deinen kopf im nächstbesten mastdarm versenken, der in dieser tiefen schlucht liegen muss. Du würdest alles tun, um dieses leiden endlich zu beenden. Deine zähne würden selbständige schnappgeräusche von sich geben, deine ketten (denn du bist natürlich angekettet) würden zerreißen unter dem existentiellen spiel deiner muskeln, die du gar nicht mehr wiedererkennst. Wie ein halbirrer gorilla würdest du aus dem dschungel brechen, die rute blutig geschlagen und dann stößt du zu wie ein aufgezogener presslufthammer, wobei deine unterkiefer mit den verbliebenen karriesstiften immer wieder stücke aus dem schinken reißen. Du verrenkst dich zu einer grotesken skulptur, die sich verbissen hat wie ein kojote. Du fickst und fickst diesen reichlichen arsch, bis dein pint glüht, brennt und schließlich explodiert. Du willst nur dieses einemal, du versprichst es der luft, und danach das pflichtbewusste leben eines methodisten führen, du wirst dich deines falsetts gar nicht schämen, aber da fällt dir ein, dass du amerikaner bist, also beugst du dich wieder über das barbecue und löscht es mit Budweiser ab!
Wahrscheinlich meinte er es ernst. Ich wusste nichts über die amerikaner, außer dass sie kaugummi kauten und am liebsten krieg in armen ländern führten und dass die amerikaner in den filmen nicht die amerikaner waren, die ich zu sehen bekam.
Am abend saßen sie im flur, die stationierten, und sangen Wish yo were here von Pink Floyd, wozu sie Jim Beam tranken, während von unten herauf der Blues nach oben quoll wie der reisbrei aus dem goldenen topf. Wir nannten sie der einfachheit halber Zupfer; die amis, das waren immer nur die Zupfer. Die magersüchtige journalistin, die gleich neben mir ein zimmer hatte, saß meistens bei ihnen. Ich kam aus meinem zimmer und stolperte die treppe hinunter an ihnen vorbei, um noch mehr schnaps zu besorgen. Bei mir sah es aus wie in einem glasflaschenentwerter, der boden war nicht mehr zu sehen vor lauter kümmerlingflaschen. Heute abend schob ich keine pizzableche in den durchgeschmorten hochofen, schnitt keinen salat, schlug keine schweinefilets und musste kein angetrocknetes mehl abkratzen, heute versoff ich das geld, dass ich gestern verdient hatte (ich wurde jeden tag bar ausgezahlt) mit irgendwelchen leuten, die ich nicht kannte und die aus irgendeinem grund in meinem zimmer saßen, auf stühlen, die ich mir geborgt hatte, genauso wie den tisch, den wir eigentlich gar nicht benötigten, weil wir alles auf den boden schmissen. Ich setzte mich an die theke und bekam ein bier von diesem unnahbaren objekt meiner begierde, mit diesen augen wie Bambi und ihrem lüsternen körper. Ich kam nicht dazu, die üblichen anspielungen zu machen, ich war betrunken und saß in diesem rauchigen universum voller Woodstock-Anhänger, veganer, fleischfresser und hippies, in dem ich lebte, meinen unterhalt bestritt, fickte, soff, fraß und am frühen morgen vom stuhl fiel. In der regel zumindest.

Tags: • • • •