Babylon

Michael Perkampus
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H-Milch

März 22, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: hahn auf dem mist Noch keine Kommentare →

Dieser völligen und endgültigen Welt schien ich ausgeliefert, dieser ein-für-allemal-Unbeständigkeit, diesem Hervorbrechen der Ungewissheit, des steten Wandels, Gylfaginning nennt es die Edda, χάος nannten es die Griechen in ihrer alten Sprache, die heute nur noch ein leeres Gefäß bedeutet und an die Zeit der humanistischen Bildung erinnert, an Schulpforta, dem Gotischen Haus, dem Neugotischen Haus und dem einstigen Kälberstall. In dieser Welt ruhst du nun aus, oh mein Haupt, tat tvam asi, schaust der endgültigen Welt etwas in die umherschweifenden, das heißt, irren Augen, und freust dich und labst dich am Bach dort an der Mutterbrust – eine Weile zumindest, bis du groß und stark wie eine vollgesogene Zecke von alleine abfällst. Du findest darin Calcium, Makrophagen, Wasser, Spurenelemente, Lipasen, Phosphor und Kohlehydrate. Das ist mehr als dich später erwartet, wenn die H-Milch erfunden wird.

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Über den Zufall

Januar 15, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: psychologie 10 Kommentare →

Die Künste versuchen, den Zufall auf immer neue Weise an einen wichtigen Platz im ästhetischen Gefüge zu stellen, weil sie ihn brauchen. Im Laufe der Geschichte verschiebt er sich sehr deutlich. Im aufklärerischen 18. Jahrhundert befindet er sich noch immer außerhalb des Ästhetischen und lieferte einen Stoff, mit dem die Literatur hantiert, um bewusste Absichten zu realisieren. (more…)

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Die Erfindung

Januar 10, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: philosophey 7 Kommentare →

In einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der ‚Weltgeschichte‘.

Von Erfindung spricht Nietzsche, wenn er nicht Ursprung sagen will.

Erfindung der Religion
Erfindung der Poesie
Erfindung der Ideale

Die Erfindung ist einerseits ein Bruch, andererseits etwas, das einen kleinen, engstirnigen, uneingestandenen Anfang besitzt. Der Erhabenheit des Ursprungs ist daher nach guter historischer Methode die unsägliche Kleinheit dieser Fabrikationen, dieser Erfindungen entgegenzusetzen. Die Erkenntnis ist erfunden worden = sie ist kein Bestandteil der menschlichen Natur, nicht der älteste Trieb des Menschen; sie ist nicht keimhaft in seinem Verhalten, seinen Strebungen und Trieben. Die Erkenntnis ist das Ergebnis der Konfrontation und der Verbindung des Kampfes und des Kompromisses zwischen den Trieben. Weil die Triebe aufeinander stoßen, miteinander kämpfen und schließlich zu einem Kompromiss gelangen entsteht etwas. Und dieses Etwas ist die Erkenntnis. Sie gleicht dem Funken zwischen zwei Schwertern, der ja auch selbst nicht aus Eisen ist. Es gibt keine vorgängige Übereinstimmung oder Affinität zwischen der Erkenntnis und den zu erkennenden Dingen. Das ist der große Bruch mit der Tradition der abendländischen Philosophie. „Der Gesamtcharakter der Welt ist Chaos, nicht im Sinne einer fehlenden Notwendigkeit, sondern der fehlenden Ordnung, Gliederung, Form, Schönheit, Weisheit.“, die Welt versucht keineswegs, den Menschen nachzuahmen; sie kennt keinerlei Gesetz. Die Erkenntnis hat mit dieser Welt zu kämpfen. Für die Natur ist es keineswegs natürlich, erkannt zu werden. Erkenntnis kann den zu erkennenden Dingen nur Gewalt antun.

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Kladdengaul

Januar 24, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: notizen & wirrnisse Noch keine Kommentare →

Wenn er in das Zeilengefüge eindringt und sich vordenkt, was er schreiben wird, die brandige Schrift schön zu führen weiss, Schrift verkladdet, drängt er hin zur Harmonie, alles draussen lassen, was der Tinte, wie geartet, ein Verlaufen zu ermöglichen sich potenzieren könnt.
Selbst der Unordentliche hat Sehnsucht nach dem grösstmöglichen Arrangement: dem Chaos.
Nicht kann man das Ambraser Heldenbuch noch einmal niederzwingen.

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