Babylon

Michael Perkampus
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Für einen neuen Roman (1)

Februar 23, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: apercus 1 Kommentar →

Einen neuen Roman wird man in erster Linie gerne als einen Anti-Roman bezeichnen wollen, insofern nämlich, als man den alten Roman „abtut“, ihn für nicht mehr relvant erklärt. Doch er tritt ja nur die Gegenerschaft zu einer für heutige Begriffe völlig falschen Erzählweise an und nicht die Gegnerschaft zum Roman an sich. Wir können sogar so weit gehen und sagen: Der neue Roman, der uns vorschwebt, ist der eigentliche Roman, ist der Roman, der er von Anfang an hätte sein wollen, befreit von seinen finsteren und linearen, konstruktiven Ketten. (more…)

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Adolfo Bioy Casares - Morels Erfindung

Februar 07, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke Noch keine Kommentare →

“Bioys Themen sind nicht kosmisch, sondern metaphysisch. Die Liebe ist eine privilegierte Form der Wahrnehmung, die umfassendste und klarsichtigste, nicht nur der Unwirklichkeit unserer Welt, sondern unserer eigenen Unwirklichkeit. Wir laufen Schatten hinterher, aber wir selbst sind gleichfalls Schatten,” sagte der grosse Octavio Paz über den Mann, der fünfzig Jahre mit Borges befreundet war und mit diesem dann auch drei Bücher zusammen schrieb: Bioy Casares. Diese Bücher sind: Das Buch von Himmel und Hölle, Zwielicht und Pomp und natürlich Mord nach Model. (erschienen in der Werkausgabe Jorge Luis Borges’ und übersetzt vom überragenden Gisbert Haefs)
Morels Erfindung nun ist sein eigenes und es ist ein moderner Klassiker, der 1940 erschien und jetzt ebenfalls von Gisbert Haefs übersetzt, neu aufgelegt wurde.
Natürlich taucht auch hier und da der allgegenwärtige Borges erneut auf: In der Widmung sowie im Vorwort, wo er dieses Werk mit “perfekt” adjektiviert.
Ein Mann, der von der Justiz verfolgt wird, sucht Zuflucht auf einer verlassenen Pazifikinsel. Dort wird er mit dem Merkwürdigsten konfrontiert, was sein angespannter Geist erdenken kann: Er ist in die technische Verwirklichung eines Traumes geraten, den Menschen träumen seit sie den schönen Augenblick festhalten möchten. Ein Traum von grosser Sogkraft.
Und dann lese ich daraus folgenden wunderbaren Satz:
“ich glaube, wir verspielen die Unsterblichkeit, weil die Resistenz gegen den Tod sich nicht entwickelt hat; Ansätze zur Vervollkommnung beschränken sich auf die erstbeste, rudimentäre Idee: den ganzen Körper am Leben zu erhalten. Dabei müsste man nur die Bewahrung dessen anstreben, was für das Bewusstsein von Interesse ist.”
ETA Hoffman, Poe und Potocki haben die Phantastik begründet, aber die lateinamerikanische Literatur mit ihrem Borges, Cortàzar, Casares, Marquez, Asturias, Quiroga, Oktavio Paz hat mit ihrem magischen Realismus, mit ihrem Surrealité die Realität der Phantastik erneuert und sie zum Inbegriff der Literatur überhaupt werden lassen.

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Borges und die philosophische Phantastik (4); Schluss

Januar 24, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke Noch keine Kommentare →

Das Abenteuer

Kafka ist stets als einer der Paten für die wohl bekannteste eigenständige Literaturströmung des 20. Jahrhunderts im La Plata-Raum genannt worden: für die „phantastische Literatur“ der Gruppe um Jorge Luis Borges, der, fleissiger Leser von Berkeley, Hume und Schopenhauer, versucht, sowohl in der Form des Gedichts, als auch in Erzählung und Essay die Konsequenzen des dieser Philosophie zugrundeliegenden radikalen Zweifel als Gedankenexperiment durchzuspielen. (more…)

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Borges und die philosophische Phantastik (1)

Januar 16, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke Noch keine Kommentare →

Behandelte Bücher:

Jorge Luis Borges, Fiktionen
Jorge Luis Borges, Das Aleph
Jorge Luis Borges, Niedertracht und Ewigkeit
Adolfo Bioy Casares, Morels Erfindung

Borges

Einleitung

Wenn wir heute von der Literatur des 20. Jahrhunderts sprechen, dann ist es nicht möglich, nicht sofort an Jorge Luis Borges zu denken, den Mann, dem seit vielen Jahrzehnten alle Schriftsteller der nachfolgenden Generationen bis heute die grössten Bahnbrechungen der Literatur verdanken.
Sein Erzählband „Fiktionen“ löste in den 40iger Jahren eine Revolution aus und gilt bis heute als das wichtigste einzelne Buch hispanischer Prosa des 20. Jahrhunderts – für viele das wichtigste seit Don Quijote. Mit seinen Erzähltechniken brachte Borges die hispanische Novelistik zur Weltgeltung: kühl kalkulierte Kunst statt biederen Dahinschreibens, Präzision und lakonische Tiefenschärfe statt breiter Auswalzung, eine Vielzahl von Erzählperspektiven statt des ewigen „allwissenden Autors“. Witz und disziplinierte Phantasie, dazu perfektes Handwerk lassen diese vielschichtigen Erzählungen nie akademisch erstarren; sie sind nach allen Seiten offen und immer ein Lesevergnügen. Borges Fiktionen sind der Ursprung des gesamten modernen „Magischen Realismus“. Ohne diesen Band wäre vieles nicht denkbar, was heute mit grossen Namen verbunden ist, Umberto Eco macht nicht mal einen Hehl daraus, wer seinen Werken Pate stand.

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