Babylon

Michael Perkampus
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Juli, Acht, Acht

Juli 08, 2008 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

Bis COI 19 vorgearbeitet. Bevor ich mich nun, heute einmal wieder sehr früh, in das Gefeder werfe, zitiere ich Baudelaire, von dem ich gar nicht so viel halte, wie man vielleicht meinen könnte; den ich mehr ausserhalb seiner Dichtung und des Geschwafels seiner Essays schätze, nämlich als Satanisten und freilich als Wegbereiter des großen Dichters Edgar Poe. (auch hier)

Was nun den Schlaf betrifft, dieses sinistre Abenteuer all unserer Nächte, so dürfen wir sagen, dass die Menschen täglich mit einer Kühnheit zu Bett gehen, die unbegreiflich sein würde, wüssten wir nicht, dass sie das Resultat der Ignoranz der Gefahr ist.

Davon könnte ich ein Lied singen, nur würde sich das nicht besonders harmonisch ausmachen im Moment, weshalb ich das, wie viele Dinge, unterlasse. Eigentlich wäre es an der Zeit gewesen, wieder einmal ein, zwei Bücher vorzuschlagen, aber die Leute lesen grundsätzlich nicht das, was ich ihnen rate. Oder sie bekommen es gar nicht erst, wie etwa den Text Körpersprache von Pierre Guyotat, der zwischen 1967 und 1984 fünf “unlesbare” Bücher publizierte. Dieser Text ist der bisher einzige, der in deutscher Sprache erschienen ist und verweilt in Bettina Bests (Hrsg.) Anthologie Ich lebe alleine.

Und von diesem Herrn dann auch noch ein anrührendes Zitat:

Ich habe Angst, weil bis heute meine Schriften nicht bewirken, dass ich verhaftet und ins Gefängnis geworfen werde.

Nun, ich würde sagen: wenn sie “unlesbar” sind…

hier.

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Tendenzen 9- Voyant

August 17, 2007 Von: andre thom Kategorie: tendenzen Noch keine Kommentare →

Being Beauteous - Arthur Rimbaud

Vor einer Schneelandschaft ein Schönheitswesen von hohem Wuchs. Aus Zischeln des Todes und Kreisen dumpfer Musik steigt, dehnt sich, zittert wie ein Gespenst der göttliche Körper. Scharlachene und schwarze Wunden klaffen in dem herrlichen Fleisch.- Die eigenen Farben seines Lebens verdunkeln sich, sie lösen sich tänzelnd rings von der Erscheinung an der Stätte des Entstehens.- Und die Schauer schwellen an und werden Donner, und der tolle Geschmack dieses Spiels, schwerer vom tödlichen Zischeln, und von der rauhen Musik, die weit hinter uns die Welt auf unsere Mutter Schönheit schleudert, sie weicht zurück, sie richtet sich auf.- Siehe, unser Gebein ist mit einem neuen Liebesleib bekleidet.
(übersetzt von Alfred Wolfenstein)

Auf eine irritierende Art und Weise begegne ich in letzter Zeit häufig dieser Figur, diesem Thema, dem Begegnen der Unendlichkeit, einer äußersten Grenze der Welt.
Irritierend ist dabei weniger das Thema an sich, sondern wie es mir in letzter Zeit begegnet ist.
Begonnen hat das mit “Der Bericht des Arthur Gordon Pym” von Edgar Allen Poe, an dessen Ende Peters, Pym und ein Eingeborener in einem kleinem Kanu durch ein milchiges, sich stets erhitzendes Meer dem Südpol entgegentreiben, weiße Asche regnet herab, der Eingeborene stirbt vor Entsetzen, Bildgestalten tauchen an der Oberfläche auf, weiße Vögel fliegen umher, sie scheinen sich einer lautlosen Stromschnelle zu nähern und als letztes Erblicken sie eine übermenschliche, schneeweiße Gestalt.
Arthur Rimbaud dürfte die Werke Edgar Allen Poes durch die Übersetzungen Baudelaires gekannt haben, der Einfluss in diesem Fall ist durchaus spürbar, auch wenn er das Prosagedicht nicht erklärt.
Überraschenderweise gesellte sich neulich auch Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ dazu, ein beeindruckendes cineastisches Kunstwerk, dessen letzter Akt, treffend als „Jupiter and beyond the infinite“ bezeichnet, ähnlich vorgeht, nur ist das schneeweiße Wesen durch einen schwarzen Monolithen ersetzt.

Eine fast unleserliche Anmerkung mit Bleistift: “Ja, man leidet zuweilen, aber das ist der einzige anständige Ausweg. [...] Man muss sich zum äußersten Strecken, voyant sein, wie Rimbaud es wollte.
Julio Cortazár - Rayuela; S. 546

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Ulalume

Juli 17, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke 1 Kommentar →

Es ist ja unbestritten, daß Poe zu den grössten Lyrikern der englischen Sprache gehört; ein Drittel seiner ca. 50 Gedichte gehören zur Krone seines Schaffens, allen voran Ulalume, Die Glocken sowie Der Rabe. (more…)

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Enid Starkie - Rimbaud

Februar 24, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke 1 Kommentar →

Über Rimbaud zu schreiben ist fast unmöglich und so möchte ich es auch nicht zu sehr in Anspruch nehmen. Viel wichtiger erscheint es mir, diese hervorragende Biographie von Enid Starkie zu beschwören.
Von Ernst Jünger haben wir den Ausdruck behalten, den er Rimbaud gab: Er hielt ihn für den Lyriker des kopernikanischen Zeitalters. Für Däubler war Rimbaud der gotische Wechselbalg aus den Ardennen. Nun, das mag beides nicht unzutreffend sein, doch verzerren beide Aussagen die Wahrheit bis ins Bitterste, denn ein Bohemien protestiert gegen die Gesellschaft und ihre Bräuche, Rimbaud hingegen erhebt sich gegen die Lebensweise des Menschen.
Was uns an Rimbaud fasziniert, ist seine rebellische Existenz in Reinkultur. War er schlecht, ein Verbrecher, oder gut, nur edel und wild? Das sind nur scheinheilige Fragen, wie ich meine. Er war ein Jüngling im Exzess (und jeder Jüngling ist genialistisch begabt, nur bei den wenigsten brichts durch).
Rimbaud hatte noch achtzehn Jahre zu leben, nachdem er mit neunzehn zu Dichten aufgehört hatte. Es war keineswegs so, daß sein Dämon verbraucht gewesen wäre, es war einfach so, daß ihn sein Genius oder sein anderes Ich rasend gemacht und deshalb in die Fremde getrieben hatte.
Rimbaud war ein potentiell stärkerer Dichter als Baudelaire und abgesehen von ihm gibt es kaum einen gigantischeren Exzentriker, der völlig neue Normen aufgestellt hätte. Rimbaud war der grosse Neuerer der französischen Dichtung und er ist bist heute der leuchtende Stern der Moderne.

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