Babylon war ein verschwommener Zug (COI 17)
Ende des dritten Tableaus
Ende des dritten Tableaus
Die großartigen Mauern Babylons, dieser gewaltigen Stadt mit ihrem Netzwerk aus Kanälen und fruchtbarem Grün, tauchen vor dem Wanderer wie eine Fata Morgana in der simmernden Hitze der nahöstlichen Sonne auf. Der kaum mehr feuchte Augapfel wird befreit von weit aufgerissenen Lidern, die das Unglaubliche erspähen. Inmitten der Stadt ragt ein etwa 300 ft. großes Ziggurat in Form einer mächtigen Turmanlage auf, umgeben von üppigen Gärten und Dattelbäumen, die auf den Terrassen der Stadt schwanken.
Was hier zwischen Tigris und Euphrat in den Jahren 6000-3000 vor Zeit ersonnen wurde, war der Beginn der westlichen Zivilisation. Hier regierten die Assyrischen Kriegsherren mit furchtbarer Hand über die sumerische und babylonische Kultur.
Hier wurden Systeme für Schrift und Kommunikation, Literatur und Kodizes, Kalender und Uhren ersonnen. Fahrzeuge kamen in Mode, Wassermanagment wie Dämme zur Bewässerung, Abwasserkanäle und Bassins sowie Badeanstalten machten diese Ära reich und fantastisch.
Die Stadt expandierte zu beiden Seiten des Euphrat und umfasste 500 Morgen Land. Manche Häuser waren drei Stockwerke hoch, mit Dächern aus zugeschnittenen Brettwurzeln, worauf man Lehm schmierte. Für einfachere Leute, die sich den Luxus von Holz nicht leisten konnten, gab es Hütten aus Lehmziegeln, gestützt durch einen mittleren Pfosten, die Wände waren aus lehmabgedeckten Schilfrohr.
Aufkommende Klempner arbeiteten mit Einfallsreichtum mit der einzigen erhältlichen unlimitierten Ressource: geschnittenes Stroh gemischt mit Lehm. Kupfer wurde immer bekannter durch die Handelsstraßen, manchmal war es legiert mit Zinn, manchmal mit Antimon. Nieten wurde aus Blei gegossen mit Lötmaschinen, mit Hammer bearbeitet und gehärtet.
Bitumen war sehr wichtig, hergestellt in einer flüssigen und einer festen Form, entsprach es Teer und Harz, essentiell für Konstruktion und als Leitung für das Abwassersystem.
Hier endet das zweite Tableau.
Das zweite Tableau.
COI beginnt von innen heraus in zweifacher Hinsicht. Adam befindet sich in einem Raum, die Erzählposition ist verharrend und gibt, durch zwei verschiedenen Erinnerungen, die zeitlich voneinander zu trennen sind, die Symbole des Romans vor. Das Gesicht in den Wolken (die früheste Erinnerung, gleichzeitig das Motiv für Adams weitere Unternehmungen) korrespondiert mit der Ungewißheit, jener Trägerin dieses Gesichts in Fleisch und Blut begegnet zu sein. Das Zimmer bekommt im zweiten Tableau die nähere Bezeichnung “16″. Der nächste wichtige Aspekt ist das Symbol “Tür”, das ebenfalls beständig wiederkehren wird.
Das erste Tableau ist eine Art Seelenkammerspiel, um Adam einzuführen und die Motive, noch schwimmend und vage, wie durch einen Nebel, darzulegen. Aus diesem unterbewußten Spiel, führt das zweite Tableau, wiederum von Adams Erinnerung abhängig, die nächste Figur ein: Rodriguez. Aus der unterbewußten und traumähnlichen Haltung der Perspektive tritt die Erzählung langsam an die Oberfläche.
Ich beginne ab Montag mit der Vertonung des zweiten Tableaus.
Tags: adam • babylon • theorieMit diesem Part endet das Erste Tableau der MITTE DER UNENDLICHKEIT.