Sep 16 2007
Wendeltreppe 14
anmerkung: die pdf-files zum gemeinschaftsprojekt zwischen mir und markus a. hediger sind nicht mehr in der veranda erhältlich. sollten sie interesse daran haben, sind sie jedoch über hanging lydia zu beziehen.
diesmal ist es, so glaube ich, etwas komplizierter, dem part zu folgen, wenn man die fäden nicht beieinander hat. das hat aber noch einen anderen grund: ich habe in den letzten teilen der wendeltreppe (ich habe bisher acht geschrieben) versucht, die erzählung von einer völlig anderen perspektive anzugehen, die erzählung eigentlich aufzuheben, indem ich alle stimmen ineinanderschachtle. weiterhin habe ich eine reprise eingebaut. kaum jemand wird sich wohl mit den bisherigen fetzen so eingehend beschäftigt haben, dass er das bemerken könnte. im endeffekt treibe ich hier das, was ich in den letzten jahren als eine philosophie betrachtete, in den exzess. es war ja auch gleichzeitig der schlusspunkt dieser phase (teil 16 wird es dann wirklich sein), denn kurz darauf geschah etwas merkwürdiges, das manche für theater hielten (geht man davon aus, dass schlicht alles theater ist, stimmt das sogar. dokumentiert wurde das hier. tatsächlich schreibe ich seit dieser zeit nichts mehr, aber eben nicht so, wie man NICHT SCHREIBT, ich schreibe nur mit den fingern nicht, das heißt, ich bringe nichts zu papier. darüberhinaus ist es alles andere als eine schreibblockade, ich wüsste im moment gar nicht, wo ich zuerst anfangen sollte.
dann geschah noch etwas merkwürdiges: in meinem kopf wurde ein roman völlig fertiggeschrieben, die fehlenden bezüge fügten sich in tagen und wochen von selbst ein, auch das wurde in der LEUCHTSPUR relativ deutlich dokumentiert, obwohl ich nichts konkret benannte. das schlussendliche vorhaben war dann dies.
also habe ich doch etwas geschrieben? an sich ja, aber auch wieder nicht. ich habe etwas probiert. in manchen trance-sitzungen bin ich, gerade in diesem jahr, beängstigend weit hinuntergestiegen, um mir meine sätze und szenerien zusammenzusetzen. beängstigend natürlich für mich, denn ich habe gesehen, dass es noch eine luke gibt, da unten im keller, dass es noch einmal eine etage tiefer gehen kann. beängstigend war es deshalb, weil ich nicht wusste, ob der weg nach oben genauso leicht würde wie der abstieg. das schreiben ist ein mysterium, das scheint ganz selbstverständlich zu sein (andere wiederum haben vor diesem mysterium so große angst, dass sie es sogar verleugnen und als handwerk bezeichnen). aber man spricht von einem mysterium nicht in einem alltäglichen wortgebrauch. das schreiben selbst hebt uns aus allem heraus, das an uns menschlich zu nennen ist, wir merken erst dann, dass wir diesem mysterium verfallen sind, wenn wir jegliche moral hinter uns gelassen haben, wenn wir uns zum wahnsinn aufmachen (nichts anderes wird in der psychiatrie behandelt außer aufgestaunte und fehlkanalisierte energie, freilich ohne großes vermögen), wenn wir wirklich gefährlich werden. glauben sie mir: ein autor in der “zone” ist der gefährlichste mensch, dem man überhaupt begegnen kann. dieser autor jedoch hat gegenüber einem soziopathen den vorteil, dass er sich selbst wegsperrt, bis er wieder okay ist und dass sein ansinnen nicht bedeutet, aus dem gedärm anderer leute sockenhalter zu machen, sondern (so lächerlich sich das auch anhört) zu schreiben.
nun, wie dem auch sei, ich selbst habe diesmal tatsächlich etwas auszuprobieren (ich weiß, dieses wort ist eine katastrophe). es betrifft nicht nur COI, sondern auch meine reise nach brasilien im nächsten jahr und dinge, die magisch sind. und wer wäre ich, wenn es nicht vor allem um eines ginge: um die liebe.
in ermangelung einer genauen definition, nenne ich die kraft, die hier am walten ist: was DAS alles kann.





