Archiv für die 'notizen & wirrnisse' Kategorie

Apr 30 2008

Prunus

Erst hatte er es mit Murmelspielen, Käfersammeln, Münzenrollen, Dachrinnenklettern, Maulbeersammeln, Kuselbemalen, Eierstapeln, Pfützenausheben, Blütenstaubschnupfen, Schneeballessen, Dachpfannenskaten, umgekehrt schlafen, Joghurtbechertelefonieren, Ziegenreiten, und noch diverser anderer Beschäftigungen mehr versucht. Dann aber dämmerte es ihm: er würde schreiben.

“Also, wenn du schreiben willst,” sagte Simon Tinckerbell zu Cornelius Schlehenfeuer, “dann brauchst du vorweg erst einmal einen Namen. So kam es, dass Cornelius sich fortan Prunus Spinosa nennen wollte, was ja nicht wenig mit seinem Namen zu tun hatte.

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Apr 19 2008

Die wunderlichen Aventurien des Cornelius Schlehenfeuer genannt Prunus Spinosa (Exzerpt und erste Exposition)

Cornelius Schlehenfeuer war entsetzt, als er sich klein und hilflos und nackt und frisch aus einer Mutter entschlüpft wiederfand, nicht zu reden fähig und beschämend betrachtet von ihm völlig fremden Menschen, die ihn badeten und puderten und seine Scheiße wegräumten. Weiterlesen »

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Apr 18 2008

Der Lieblose

(…) Ein bißchen Literatur wird da übrigbleiben und von der Metaphysika will ich gar nicht genug bekommen. Ein Simplicissimus Teutsch bin ich nicht und auch kein Casanova. Besehe ich es mir recht, finde ich doch von einem Peter Schlemihl die Schattenlosigkeit in meiner Brust. Doch der mit dem Teufel geschlossene Pakt besagt keine Veränderung der physikalischen Gesetze meines Körpers - was sollte so ein armer Teufel auch mit meinem Schatten anfangen – sondern vielmehr die Charakteristika in Bezug meiner Wirkung auf die Damenschaft, von der mir eine wahre Fülle zur Verfügung stand. Anstelle meines Schattens oder, ganz klassisch geworden, meiner Seele, durfte ich nur der Liebe nicht begegnen, die sich auf ein einziges Frauenzimmer beschränkt. Der Teufel also, von dem ich noch zu berichten habe, fürchtete sich weniger vor der Leidenschaft als vor der Vervollkommnung eines Menschen durch eine immerwährende Liebe. Daß man jemanden wie mich extra dazu verleiten müsste, mir zu nehmen, wonach mir der Sinn steht, kann ich nicht ohne weiteres behaupten – und so willigte ich ein. Die Liebe! da wird man ja ganz blöd von, während das reine Sahnegeklecker die Gesichtszüge denen eines Raubtieres angleicht. Man hat plötzlich das stattliche Aussehen eines Eroberers, einer Naturkatastrophe, statt eines Degens führt man ein Schnitzholz mit sich, von Wegen der Kerben.

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Mrz 30 2008

Kriegstgleichamallaba

Wir können nicht mehr zurück. Wir haben es angefangen, jetzt müssen wir weiter. Wir haben uns in den Abgrund fallen lassen, die Zeit ist eine einzige Schleuderei geworden.
Herausfinden was das alles soll - eigentlich unmöglich. Alles soll alles; und das soll wiederum nichts, zumindest nicht zu viel darüber hinaus. Weiterlesen »

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Mrz 29 2008

Nyctanthes -5-

Deine Gestalt nebelt auf mich zu und spricht während des Wallens der Legenden. Im Traum, ich gebe es zu, ist mir alles ein Gesang und jedes Bild erschallt. Als die Sprache noch Bild, als die Musik noch der Rhythmus der Jagd, des Ganges, des Atems war, der Gesang ein zufriedenes Grunzen. Und du erscheinst wie ein Edelmetall in der Asche, dem Rauch meiner Einbildung und ich kannte dich schon und du kanntest mich. „In einem anderen Leben an einem anderen Ort, wer weiß, was aus uns geworden wäre.“ Deine Worte von den Lippen oder war‘s ein Schrieb? Wir schrieben an uns hin: Berührungen, die wir nicht tauschen konnten. Wir gaben uns im Beisein unserer Worte, sandten uns mit, wenn wir uns Briefe schickten. Die Welt bewegt sich in unsere Richtung. Der Gedanke begründet die Welt, die Welt besteht aus Sprache. Wo die Sprache endet, endet die Welt.
Weißt du noch, wo wir hingefegt wurden? Konnten nur ins Herz uns zurückziehen, wenn Sturm. Die Läden schließen.
Und jetzt, ja, und jetzt küsse mich.
Und jetzt, ja, und jetzt.
Der Traum ist eine gute Strategie.

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Mrz 28 2008

Nyctanthes -4-

Das Brodeln aber, dass in mir den Glockenschlag neu ausrichtete, während es die Zeit anhielt, um mich an etwas zu erinnern, an etwas zu erinnern, dass dort in diesem Gesicht eingeschrieben stand, kochte in mir ein Kraut der Besinnungslosigkeit, so dass ich, völlig entgegen meiner Art und wie beiläufig, eine Zeile niederschrieb, die doch nur meine Unbedarftheit zum Ausdruck bringen konnte, in der Absicht, diesem Wesen mitzuteilen, dass es mich gab, dass ich hier sei, auf einem Planeten angekommen, den wir uns fortan teilen könnten, dass ich gelesen hätte, was ihre Blicke mich aufforderten, zu tun, nämlich anzukommen und mich umgehend mit ihr in Verbindung zu setzen. Kaum muss ich erwähnen, dass diese meine Zeile ebenso sinnlos wie einfach wie einfältig wie grandios nichtsnutzig unter meiner Hand auftauchte und dass ich, der ich die Äpfel von den Bäumen reden konnte, nun zu einem stammelnden Idioten ward im Angesicht meiner Göttin, die vielleicht immer noch ruhig schlafen konnte, wie ich zu diesem Zeitpunkt nie mehr – das heißt: nur in ihren Armen.

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Mrz 28 2008

Nyctanthes -3-

Sie, die ich von nun an lieben sollte, begegnete mir auf einer Fotografie, als ich wie beiläufig einen Katalog durchblätterte um, ich weiß nicht mehr was, zu suchen. Weiterlesen »

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Mrz 28 2008

Nyctanthes -2-

Die Freiheit, die man gerne leugnet, besteht darin, sich in jeder Sekunde entscheiden zu können, was man als nächstes tut, ja, dass man bei einer Entscheidung oftmals ganz ohne Gedanken auskommt. Es mag uns scheinen, als dränge etwas wie ein Vulkan zur Eruption. Nur die Intensität markiert den Unterschied. Weiterlesen »

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Mrz 28 2008

Nyctanthes -1-

Noch konnte ich ruhig schlafen, denn ich sollte dich erst am nächsten Tage kennen lernen. Wie aufgepeitscht ein Leben sein kann, zeigte am folgenden Tag jedoch der Beginn einer unzulänglichen Liebelei, die mir heftiger nie begegnet, die aber weniger gelebt, als sie sich nur und beinahe ausschließlich im Kopfe einzunisten wusste. Weiterlesen »

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Mrz 12 2008

Erinnerst du dich an mich?

Es ist was Merkwürdiges um das Leben. Wir schaun hinein und schaufeln es in die Erinnerung, so dass man am Jetzt verzweifelt, weil es nur den Moment des in-die-Erinnerung-schaufelns markiert, ihn ja nicht einmal markiert, sondern trügerisch wirklich „jetzt“ meint. Doch gegenwärtig ist nichts. Sobald es wirkt, ist es Erinnerung, ja, alles wirkt überhaupt erst aus der Erinnerung heraus. Die Wirklichkeit, so scheint es, ist nichts anderes als das, was wir erinnern, und diese Erinnerung hat einen eingebildeten Inhalt, so dass es nicht schwierig ist, die Einbildung als Wirklichkeit zu erkennen. Weiterlesen »

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