Archiv für die 'gestrichenes' Kategorie

Mrz 06 2008

Allerhandenes

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

Die Literaturzeitschrift stirbt aus. Das ist natürlich bedauerlich und geradezu ein Grund, sich diese Form etwas genauer zu besehen – da fällt zunächst auf, dass das ja gar nicht stimmt, sondern nur die Auflagezahlen meint. Weiterlesen »

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Mrz 05 2008

Es wäre ein Wagnis

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

Erste Retonde

(Gestrichener erster Versuch einer thematischen Einkreisung zu einem Vorwort für die Zeitschrift SPELUNKENTRIBUNAL - näheres dazu in Futura.)

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Es wäre ein Wagnis, das zu tun, was wir tun, lebten wir nicht in der Zeit, in die es uns nun einmal verschlagen hat. Das Fröhliche entdecken wir längst im Tragischen und obwohl wir annehmen, dass uns die Uhren immer noch gleich gehen wie seit dem Anbeginn aller Zeiten (Sie merken den Plural?), wissen wir, unabhängig der Dominanz der- nennen wir sie geruhig: Wirschaftszeit -, dass dort wo man uns etwas sagt, etwas nicht stimmt. Weiterlesen »

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Jan 11 2008

In irgendeiner Kneipe, in irgendeiner Stadt, in irgendeinem Europa. Ein Dichter, ein Publikum, zwei Mädchen.

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

Ich zeigte ihnen ein Gedicht, das sie schön fanden, aber nicht verstanden. Ich sagte: „Der das Gedicht gehört, die hätte es verstehen sollen.“
„Und das hat sie nicht?“
„Ich weiß es nicht. Aber ebenso wenig, wie ich das weiß, kann ich dafür mit Bestimmtheit sagen, dass sie, der das Gedicht gehört, dafür verantwortlich ist, dass ich euch beide heute hier treffe.“
Das verstanden sie noch weniger. Weiterlesen »

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Dez 18 2007

Schönwald, Szene II, gestrichener Satz

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

Man könnte nun, vorausgesetzt, man besäße ein Okular von einer herrschaftlichen Größe, den Lehrer des kleinen Dorfes im Schwarzwald von jedem Winkel der Welt aus erblicken, wie er aufhört, das Obst der Buche sein zu wollen, wie er wieder zu einem stattlichen Strich mit zwei Beinen auf dem unmerklich dahin rasenden Boden zu werden droht, der Hektiker, dem seine Hexis gar nicht auffällt, wenn er sich den eingefrorenen Schnurrbart zwirbelt, eine Seite davon abbricht und aus seinem Körper Gespenster hinaus atmet, die sich kurz materialisieren und dann verschwinden, auf das Haus mit dem leeren Wintergarten zu stakt, fest entschlossen, sich kennenzulernen, du wirst mich kennenlernen, du ich,

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Jul 16 2007

Die Mondmacher

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

Diese Zaunpfähle waren überall. Dazwischen schimmerten die Überreste alten Stacheldrahts, eingedrückt, niedergerissen, zerschnitten. Noch war die Nacht eine unfassbare Schwärze, doch wenn mich meine Berechnungen nicht täuschten, würde heute der Vollmond für diesen Monat in den Himmel katapultiert. Und ich wäre der erste Mensch, der diesem Schauspiel beiwohnen würde. Das Gelände zu betreten war nicht das eigentliche Problem, die Mondmacher fühlten sich sicher, die Stadt schlief und die Illusions-Programme liefen ohne Unterlass, schalteten Träume hinzu und koordinierten die Nachtarbeit. Auch ich selbst wurde für gewöhnlich aus den Computern gespeist. Ein ganz hervorragendes Weltbild wurde uns allen zuteil, es war wandelbar, widersprüchlich und lernfähig, reagierte also auf unsere Vorstellung von der Welt mit präzisen und sofortigen Korrekturen. Das Intelligenteste daran aber war: es benötigte keinen Standort, keine Maschine, wurde nicht erschaffen oder programmiert. Es war das, was wir Menschen Natur nannten, was wir als Natur kannten – ich aber weiß, daß es sich um einen Computer handelt, den sich die Mondmacher zu bedienen wussten. Unsere Märchen sind mit Hinweisen übrigens gespickt. Fragen Sie jemanden über das Volk der Zwerge aus, so werden die meisten Menschen antworten: „Sie leben unter der Erde, sind klein, ich glaube, so einen Meter groß, hm, stark- und schürfen Gold.“
Sie werden ziemlich oft die gleiche Antwort in verschiedenen Worten zu hören bekommen, diese Information ist Gemeingut geworden. Natürlich sind Sie nicht überrascht, wenn ich Ihnen sage, die Mondmacher kommen dieser Beschreibung sehr nahe, noch besser jedoch trifft sie auf die Feuermohren zu.

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Jun 08 2007

Viertes Tableau

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

Der gestrichene Teil aus Adam, Viertes Tableau

Die tür passte hervorragend in das sortiment erstaunter gesichter. Sie war ein fahrgast wie jeder andere und sie war ebenso erdacht wie die welt. Sie war frei geworden, ihrem zweck endlich fern. Durch die steppengräser verfolgte uns der wind der alten bahnstation. Die fahrerin trat das pedal im leer-lauf durch und der motor zornte auf. Wir bewegten uns keinen meter von der stelle, aber der bahnhof wurde kleiner und kleiner. Wir bewegten uns nicht, wir bewegten uns nie. Eine bewegung gibt es nicht. Die erde war von feuer, luft und wasser umgeben. Unterhalb der sonnen- und planetensphären drehte sich die kristallsphäre des mondes über der erde und ihren elementen. Über allem packte das primum mobile seinen mantel aus.
Jedes ich im autobus. Niemand ist im autobus.
Im universum existiert eine bisher nich unbekannte energie-quelle, deren spektakuläres resultat die quasare sind.
Durchläuft die schöpfung. Die schöpfung wird auf dem rücken einer schildkröte ausgetragen. Aus dem nichts: nichts.
Was ist in einem jeweiligen augenblick zu tun? Wer schlägt das istzutun ein? Wer vor? Wer zementiert unseren nacken? Starrhals, oh ja, ich hab’s geseh’n. Augenauspumper. Lesen sie bücher, sie blöder hund! Bücher! Achtung, eins:
Ich fordere alle auf, in den regen hinaus zu laufen und sich die zerbröckelten fassaden anzusehen, sie wie eine geschälte frucht ihr bestes – nur ihr bestes preisgeben, einen einblick in die welt dahinter, in allem dahinter. Ich fordere alle auf, zufällige bekanntschaften zu machen!
Die brutale lenkerin des automobilbusses wollte die kurve nicht wahrhaben, die biegung der strecke, die gefährliche schärfe, die krümmung des weges oder reagierte zu spät oder war schon verschieden und rührte sich deshalb nicht. Der bus ging geradeaus, seine trägheit war vorauszusehen und da war es nun so weit: du wolltest mit mir untergehen in diesen schwappenden wellen, schwippenden minuten und deshalb sagtest du noch einmal:
- Ich bin wo du bist.
Diesmal ja. Nicht länger eine unsichtbare begleiterin. Du warst meine tür und nun gingen wir hinab in schauderhafte, kalte flut, unzertrennlich. Sie schloss dich, sie hat dich einfach zugemacht, du siehst es, wie das wasser wogt und die kühlerschnauze den teint des sees berührt und sich vollgesogen haben wird bis an den deckelrand einer sardinenbüchse. Warum schreibt niemand um sein wimmriges, burleskes leben?
- Weil niemand hier ist.
Das ist fein, das ist wie im märchen. Niemand hier, niemand, den man kennt, den man grüßen müsste. Nur tür und ich. Tür bist für immer mein. Mit tür werde ich überall hin gehen, denn ich bin, wo tür bist.

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Mrz 19 2007

Xenon

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

(Xenon trifft Sokrates, als Platon gerade nicht anwesend ist. Fragment, wird nicht ausgeführt.)

Als ich mit Sokrates durch die Stoa schritt, fragte ich ihn, ob ich denn mitschreiben dürfe.

“Glaubst du, dass du meine Worte dann besser verstehst?” fragte er.
“Ich kann sie später noch einmal nachlesen,” sagte ich.
“Und glaubst du, dass es jene Worte sein werden, die ich jetzt an dich richte?”
“Ich werde das Gespräch erinnern, es sind Gedankenstützen.”
“Du wirst dich an das Gespräch erinnern, als hätte es tatsächlich stattgefunden, nehme ich an.”
“Aber ja, wie sollte ich mich sonst daran erinnern?”
“Wie willst du Gewissheit darüber erlangen, ob dir deine Phantasie nicht einen Streich spielt?”
“Ich bin doch bei Verstande!”
“Du weisst aber, dass der Verstand eine sehr zweifelhafte Sache ist -”

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Feb 06 2007

Franz-Anton in den Uhren

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

1. Versuch, völlig daneben)

Franz Anton betritt die Uhr und begegnet der Holzfee.
“Ich hab das Lied vergesen,” sagt er.
“Das war auch nötig, denn sonst hätte der Liederdieb es aus dir herausgeschnitten. Du bist hier, damit ich es dir wiedergeben kann. Du musst es fortbringen, an einen geheimen Ort. Du darfst es niemanden geben, niemanden darfst du davon erzählen.”
“Und wenn ich es wieder vergesse?”
“Das Lied ist in den Uhren.”
Sie gab ihm einen Code, in welcher Reihenfolge er die Uhren aufziehen muss.
“Einst sangen wir das Lied zusammen, im Mondschein und im Blumengarten. Es war das Band zwischen dir und mir und ist es noch - denn dieses Lied, es ist die Liebe selbst und wenn sie singen könnte, so sänge sie diese Melodie.”

(Ins Manuskript eingearbeitete Fassung:)

Sie sitzt da und alles schrillt, dann will sie wieder etwas sagen. Wo befinden wir uns - wo befinde ich mich. Es ist nicht die Erde.
“Natürlich, Guter!”
Und Du? so denkt er, Du! Ich habe dich im Wald betrachtet. Aus meinen Träumen webte ich dich in die Fasern eines Stammes, der nur ebenso lebendig schien wie jetzt. Ich muss ja töricht sein, im Moos zu schlafen und alle Uhren unbewacht am ersten Tag schon zu verlieren, so wie ich auch das Lied vergessen, das Lied, das ich durch dich mit meinen Lippen pfiff.
“Das war auch nötig, sonst hätte dir der Liederdieb den Leib geöffnet, dich getötet und nichts hätte die Amsel jemals wieder ermuntern können, ihre Töne durch die Luft zu tragen, denn die Amsel imitiert alle anderen Vögel, doch wer sollte ihr vorsingen?”
Das Lied singt eine Amsel?
“Es ist das Lied der Vogelgeister. Wenn die Erde eines Tages still sich durch den Raum bewegt, kein Wind mehr in den Bäumen klettert, kein Vogel mehr ein Liedchen flicht, dann wird die Nacht nicht mehr bedecken, was dem Leben Arges möcht. (und so weiter)

To-Do: Sprachrhythmus ändern, Kitsch etwas zurückschrauben.

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Jan 23 2007

Vorwort “Das Gelenk des Mastodons”

Eingestellt von michael perkampus in gestrichenes

Sommer 2006 war die Drucklegung eines Erzählbandes mit dem Titel “Das Gelenk des Mastodons” geplant und wurde nicht realisiert. Hieraus die Skizze eines möglichen Vorworts.

Man sollte Büchern misstrauen, die ein Vorwort benötigen, das vom Autor selbst verfasst ist. Wenn ich mir eingestehe, dass diese Worte wahr sind, müsste ich, da ich nun schon einmal darauf hingewiesen habe, eine Begründung liefern, die akzeptabel ist. Diese Begründung stützt sich in meinem Fall auf eine Erläuterung, die ich mich gezwungen sehe, vornan zu stellen, um den Zugang zu diesem Erzählband (insofern Sie bitte diese Klassifizierung zulassen mögen) dahingehend zu erleichtern, dass Sie von den Intentionen des Autors erfahren (der nicht zwangsläufig ich selbst sein muss) und so einen tiefen Einblick erhalten, der nicht ohne Grund vorausgesetzt werden soll.
Zwei Erzählungen, nämlich “Der Tod des Sardanapal” (diese Erzählung ist in der Tradition des magischen Realismus geschrieben), und “Die Tigerin von Cachtice” weisen auf den Beginn eines Neuen Romans hin, der nicht in einer deutschen Romantradition stehen wird und an dem ich gegenwärtig arbeite.
“Der Raum” sowie “Die Stadt” sind meinem ersten Roman “Seelen am Ufer des Acheron” entnommen. Alle anderen Erzählungen sind eigens für diesen Band entstanden, weisen aber ebenfalls die typischen Merkmale meines Schaffens auf, das sich ganz mit modernen Erzählstrukturen auseinandersetzt.

Ich habe in verschiedenen theoretischen Schriften darauf hingewiesen, dass ich meine Erzählungen als “Labyrinthe” begreife. Bedenken wir: ein Labyrinth ist ein ganz und gar verschlungener Bau, doch es muss nicht notgedrungen ein Bau sein; das Labyrinth ist der sichtbare Ausdruck des Chaos, das Symbol für unser Staunen über das Universum und es geht nicht so sehr um irdische Wahrheiten sondern um metaphysische Realitäten.
Das faszinierendste Labyrinth jedoch kann man sich auf einfachste Weise selbst herstellen: man spiegelt einen Spiegel. Wie gefährlich soetwas sein kann, zeigt nicht zuletzt die in einigen Kulturen bevorzugte Methode, jemanden durch den Wahnsinn eines runden Spiegelraumes zu foltern.
Nichts ist ein stumpfsinnigerer Unsinn als das, was man sich als Realität ausgedacht hat.
War es nicht Büchners Danton, der unter dem Diktat der analytischen Vernunft eine Zukunft heraufdämmern sah, die eine zunehmende Derealisation erfahren wird?
Die Romantiker schlugen eine erste Bresche, es folgten ihnen die Surrealisten, durch die Strömungen in den Blick gerieten, die emotionale Affekte, Traumhaftes, Unbewusstes, Metaphorik und suggestive Narration zum Ausgangspunkt einer komplexen künstlerischen Strategie machten, die nicht auf Klärung und Reinheit, sondern auf Verwirrung und Widersprüchlichkeit zielt; weiter die Vertreter des magischen Realismus, des Noveau Roman und nicht zuletzt die Dichter des Absurden..
Die eindrucksvolle Traditionslinie des Abgründigen und Traumhaften zieht sich durch unser vermeintlich so aufgeklärtes und rationales Zeitalter wie ein roter Faden. Dass dies bisher eher marginalisiert wurde, liegt nicht zuletzt am Kunstbetrieb, welcher die Moderne gerne als einen Prozess der Purifizierung begreift, an dessen Ende das autonome, rein selbstreferenzielle Kunstwerk steht.
Ich habe zehn Stücke ausgewählt, die sich alle in ihrer Art vollkommen unterscheiden, aber eines ist ihnen gemeinsam: Sie sind der Auftakt einer neuen Erzählwelt.

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