Archiv für die 'dialoge, reden, interviews' Kategorie

Mrz 10 2008

Das poetische Murmelspiel

Ein Buch ist ein Buch, darin sind bestenfalls Worte, die ein Eigenleben besitzen. Ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich wichtig ist, ob darin Worte zu finden sind - Worte machen es ja einfach nur leicht, nichts zu verstehen. Man kann gerne sagen: Diesen Satz verstehe ich nicht. Man kann es aber nicht, wenn man einen Baum anstarrt, denn es ist nur begründet, dass wir einen Baum nicht verstehen (wir verstehen ja nur, was wir uns selber schaffen, um es zu verstehen). Weiterlesen »

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Feb 25 2008

Statement-Journey (Excerpte)

Für das üppige Vorhaben, den “Uhrenträger” als einen Theaterfilm zu markieren, ist natürlich auch mein Plappermaul gefragt. Einher geht das ganze ja mit der Wiederinbetriebnahme der Lärmenden Akademie. Hier nun einige Exzerpte aus dem Making Of, das wir in den nächsten Wochen Online stellen. Weiterlesen »

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Feb 22 2008

Die Geschichte des Uhrenträgers - Erzählung

uhrenträger Das hier ein Märchen zu nennen wäre sowohl richtig als auch irreführend. Richtig dahin, dass in einem echten Märchen alles wunderbar – geheimnisvoll und unzusammenhängend sei; und irreführend, weil wir heute keinen aktiven Begriff des Märchens vermittelbar zur Hand haben, denn wie so oft verlor sich die Theorie der Sache unterwegs zu einem trivialen Pamp. Heute können wir nicht mehr sprechen, weil alles, das vormals etwas ausdrückte und bedeutete nur noch ein Summen in den dörren Kehlen ist, oder, wenn das nicht der Fall sein sollte – entwertet oder in sein Gegenteil verdreht sich im Gevolke wiederfindet. Man hat es nicht unterlassen, jeden nassen Furz zur Kunst zu erheben, Langeweile gebiert Langeweile, der Geist ist anderswo.
Ist aber das Märchen die adäquate Bezeichnung, dann darf sie freilich irreführend sein wie sie es mag, sie erfordert allenfalls ein wenig Politur, um sich mit dem, was ich da treibe – und eigentlich mit dem Uhrenträger zum ersten Mal getrieben habe – zu vergleichen.
Zwei Dinge springen hervor: Die Ironie, ein etwas barocker Ton und das in die Unendlichkeit gebaute Getöse. Weiterlesen »

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Jan 23 2008

Vorläufiges Nachwort “Die Geschichte des Uhrenträgers”

Ich habe versucht, jeden Anhaltspunkt der Geschichte und ihrer Geheimnisse nicht zuzulassen. Das sage ich nicht etwa reumütig wie ein Bekenntnis daher, sondern in der Gewissheit, dass es sich als nicht leicht herausstellte, dem kausalen Zusammenhang nicht folgen zu wollen. Es schien zu jeder Phase, als dränge die Erzählung selbst dahin, die Kreise schließen zu wollen, weil sich das menschliche Denken nach Ordnung sehnt. In gar keinem Fall durfte ich nun der Versuchung erliegen, all das Dunkle, das man hier vorfindet, mit einer Leichtigkeit zu klären – alles wäre hier entzaubert. Weiterlesen »

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Jun 02 2007

Aufforderung, das Wort zu ergreifen

Aus: Das mechanische Glockenspiel
Rubrik: Sie haben die aufforderung, das wort zu ergreifen, vernommen

Ich war anfang der 90iger ein lautstarker vertreter des kontinentalen Surrealismus. Meiner meinung nach ist die erwägung dieses begriffs notwendig geworden, da zb. die südamerikanische praxis eine völlig andere ist. In Mexiko hat sie ethnische einschläge, die schon immer vorhanden waren und die sich, zumindest in ihrer theorie bis zum schamanismus zurückführen lassen. Surrealismus, war von anfang an eine geisteshaltung des menschen. Der kontinentale Surrealismus, der von breton definiert und in der post-breton-phase von Antonin Artaud symolisiert wurde, zumindest, wenn es nach den leitfiguren geht, unterscheidet sich natürlicherweise im alltag erheblich von nationen, die der naturphilosophie immer noch traditionell näher stehen als in europa. Spricht man in einem südamerikanischen land von magie, ist das etwas selbstverständliches, beinahe gesellschaftliches, tut man das aber in Europa, scheint es etwas rein phantastisches zu sein. Beide begriffe, die nun unzusammenhängend genannt wurden, also den südamerikanischen weg des Surrealismus, sowie die phantastik, halte ich jedoch für bedeutend und lebendig. Der kontinentale Surrealismus hat sich zu grabe gelegt, taucht aber gerne im werbefernsehen wieder auf, wie überhaupt die bilderstürmer sich ihm bemächtigten, während die literaten ihn fliehen. Das ist selbstverständlich eine große angst, der dichter ist an sich schon fragil veranlagt, ein dichter der stärke ist ein holzfäller, der auch schreibt – ein wirklicher dichter aber ist immer fragil, jedoch nicht etwa ein schwächling. In Europa wird der Surrealismus nicht mehr verstanden, es klafft eine lücke zwischen der zeit literarischer experimente in Paris und der post-postmoderne. Zb wurde niemals ein surrealistischer roman definiert – Nadja nämlich ist keiner. Ohne übergang beschäftigte man sich plötzlich mit dem aufkeimenden existentialismus und dem absurden. Da hinein mündeten auch die surrealistischen autoren. Keiner, der bei verstand ist, würde heute behaupten, er sei surrealist, diese haltung ist schwer über die runden zu bringen in einer derartig entarteten gesellschaft. Nun, auch ich bin kein surrealist, ich bin höchstens auch surrealist, nämlich was meine haltung gegenüber der wirklichkeit betrifft, aber da kann jemand kommen und sagen, was er will, man kann keine andere haltung haben.
Es stört mich, daß es für den reinen Surrealismus keinen identifizierbaren begriff gibt. Man hängt dem realismus ein präfix an, um von einem geisteszustand in den nächsten zu wechseln. Es fehlt der metabegriff. Betrachten wir die Realisten (von ihnen wird man sehr viele in gefängnissen antreffen können, denn dort, wo es eine künstliche linie gibt, fühlen sie sich am wohlsten. Du gut, ich böse, du Tarzan, ich Jane usw.). Wir wissen, was sie tun und jeder kennt ihre kleine welt. Man hielt sie einst für ernstzunehmen. Der Surrealismus ist nun aber eben nicht eine andere realität, oder gar die welt der traumes, wie man von professionellen falschverstehern immer wieder hören wird. Der Surrealismus liegt nicht etwa hinter oder über einer realität, sondern er ist alles in seiner gesamtheit außer dem, was er eindeutig nicht ist. Und eine realität ist er. Er ist ebenso ein terpentin on the rocks, die blumenverkäuferin ohne höschen, vielmehr ist er ein stuhl, der durch den raum schwebt, nicht etwa um vorzugeben, dies sei möglich, sondern um klipp und klar zu behaupten: es ist eine illusion. Verstehen sie? Der Surrealismus weiß sehr genau, daß er die leinwand der welt darstellt.
Sehen sie sich nun die internierten an, die sogenannten wahnsinnigen in den kliniken. Die meisten von ihnen, wenn wir den zweig derer, die angst haben, einmal beiseite lassen, haben eine völlig andere auffassung der realität als der gemeine, dahergelaufene… ich sags jetzt nicht, aber jeder weiß… das scheint nicht ungewöhnlich zu sein, wir nehmen das als eine tatsache an. Ein wahnsinniger ist also kein surrealist, aber warum? Weil er, nicht wie der surrealist von einer welt in die andere wechseln kann, um nachher dennoch zu behaupten: nur das alles ist alles, wenn ich mich einstecke, habe ich mich dabei, mehr noch: wenn ich mich mitnehme, bin ich ein anderes ich, wenn ich ein anderes ich denken kann, so wie jetzt und mich als anderes ich fühle, dann kann ich mit mir anstellen, was immer mir beliebt und wenn ich eine derartige macht über mich habe, bin ich mein gott und ich sollte mir vertrauen.
Was er da allerdings mit gott meint ist ein kosmischer kokon. Er ist freilich die welt – der realist trennt sie aber von sich. Es ist für ihn leicht zu sagen, träume seien unsinn, dagegen würde der surrealist nicht behaupten, die alltagsrealität tauge nichts. Ganz im gegenteil, fanden sie gerade hier, im alltäglichen, ihre größte spielwiese. Und seien wir ehrlich: was gibt es belebenderes als die realität zu beobachten, wie sie tatsächlich ist: surreal.

M. Perkampus für den Radiotribun, 2007

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Mrz 16 2007

Labyrinthe (Vorrede, erster Versuch)

Das Labyrinth ist ein Zeichen, das viele verschiedene Zeichen in sich birgt. In einer Fülle komplexer Darstellungen und Deutungsmöglichkeiten führt es hin und her, biegt immer wieder ab und führt schließlich zur Mitte. Eine der Bedeutungen des Labyrinths ist, daß alles, was existiert, sich niemals schlußendlich festlegen läßt. Das frühgeschichtliche Labyrinth, das man bei Ausgrabungen eines Palastes in Pylos in Griechenland fand, hat einen kreuzungsfreien und vorgegebenen Weg, der auf verschlungenen Wegen sicher zum Ziel und wieder hinaus führt. Man kann durchaus davon ausgehen, daß das Labyrinth mit Initiationsriten, erotischen Hochzeitsspielen und Tod-Wiederkehr-Mysterien in engem Zusammenhang steht, denn die ältesten Zeichnungen sind nahe an Kultanlagen plaziert.
In der Ilias wird ein Pendel-Tanz im Zusammenhang mit einem Herbstritual beschrieben. Tanzvorstellungen sind auch auf alten Tonkrügen zu sehen, die hier Kranich- oder Jungferntanz bedeuten.
Das Labyrinth (und das soll hier nicht verschwiegen werden) ist ein weibliches Symbol, es steht immer in Verbindung mit der Göttin oder der Erde. Erinnern wir uns: Ariadne hatte den Faden des Wissen in der Hand und gab ihn weiter.

Ich habe das Labyrinth als Sinnbild meines Werkes gewählt
. Ich bin weder der erste noch werde ich, da bin ich mir sicher, der letzte sein. Der Unterschied aber zu allem, was man über das Labyrinth weiß, ist in der Literatur ein anderer gegenüber den historischen Tatsachen. Schlegel führte 1798 die Arabeske in die Literatur ein und verband damit die Vorstellung märchenhafter Phantastik, ironischer Leichtigkeit und überquellender Fülle, von Poe wissen wir, daß er in seinen Geschichten vom Arabesken den Akzent auf eine groteske Verzerrung der Welt zum Dämonischen legte. Besehen wir uns die Ornamentik einer arabesken Darstellung, fällt es uns sehr leicht, darin ein Labyrinth zu sehen. Denken wir uns ebenfalls eine Wüste als Labyrinth und: eine Bibliothek.
Ich kann mich täuschen, aber die besten Dichter waren labyrinthische Schreiber, die stets mehr wagten, als bornierte Beschreibungen in die Welt der Unterhaltung zu liefern. Ein Labyrinth unterhält nicht sondern bietet nicht weniger als den Zusammenhang des ganzen Universums.

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Mrz 13 2007

Was ist mit der Lärmenden Akademie

bevor ich nun via mail die immer selben fragen beantworte, werde ich das an dieser stelle tun. in der hauptsache geht es darum, folgende neugiere oder auch ratlosigkeit zu befriedigen:

Was ist mit der Lärmenden Akademie geschehen?

ich mag nun nicht die ganze geschichte aufrollen, jene, die mich da fragen, kennen sie ziemlich gut, so dass es mir schwer fällt, anzunehmen, ich hätte nicht ausführlich erläutert.

die lärmenden akademie besteht bereits seit 1997 und hat die unterschiedlichsten richtungen durchlaufen, bis sie im januar 2005 erstmals ans netz ging, wie jeder weiss, in form eines literaturforums, das durch ein unbeschreibliches chaos, aber auch durch aussergewöhnliche grossmauligkeit, bestach.

gedacht war die Lärmende Akademie als eine literaturgruppe - und das war sie auch eine kurze zeit lang. geplant war eine subversive gegen die verstopfungen und willkür der sogenannten kulturbeauftragten, schorn-all-isten und buchanstalten, die man früher “Verlage” zu nennen pflegte. grundsätzlich wollte die Lärmende Akademie ihr eigenes unabhängiges programm etablieren, in schrift, ton und wenn es nötig gewesen wäre, selbst im film.
das grundproblem bestand nun darin, dass niemand eine Lärmende Akademie benötigte (bis auf wenige ausnahmen), dass jeder autor und auch jeder kunstkonsument zufrieden ist, mit dem, was da gegenwärtig vor sich geht.
einige, das gebe ich zu, fühlten sich auch abgeschreckt durch die scharfe und äusserst agressive polemik, die ich auf die strecke schickte, wiederum andere begriffen nicht einmal im ansatz, um was es ging.
um es jedoch kurz zu machen: die idee der Lärmenden Akademie besteht weiterhin, sie hat sich gegenwärtig ihre kleine webpräsenz erhalten und mit der integration der Edition Neue Moderne eine publikationsplattform hinzu bekommen.

ich glaube jedoch, dass die frage in den meisten fällen anders formuliert (selbst anders formuliert sein wollte) so aussieht:

Warum, guter P.- bist du so still?

das bin ich nur dem Anschein nach. In mir brodelt es gewaltig, aber ich ziehe es vor, auch ausgelöst durch die herben enttäuschungen, die mir die zusammenarbeit mit anderen autoren bisher einbrachte, meinen weg alleine zu gehen. ich verspreche jedoch, naiv genug zu bleiben, um mich bei der nächstbesten gelegenheit wieder zu verbünden.

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Feb 16 2007

Rebecca Breiss 2004

Rebecca Breiß:

Wenn man sich vergegenwärtig, daß alle Energien, die ein Perkampus aufbringt und die von manchen als genialistische Avancen dekretiert werden in permanenter Folge im Sande verlaufen, muß man sich die Frage stellen, oder muß man Dir die Frage stellen, ob Dein Lebensplan aufgeht, ob Du es richtig anstellst, Dich dort aufzuhalten, wo es für Dich aufgrund Deiner von Dir propagierten Superlative in der Hauptsache Anfeindungen gibt, die Dir ja offensichtlich nicht wenig zu schaffen machen, während die anderen gleich gar nicht verstehen, worum es Dir geht. Weiterlesen »

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Feb 04 2007

Perkampus und die Neue Moderne

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Jan 15 2007

Unsterblichkeit

Ich möchte mir als erstes Thema die Unsterblichkeit vornehmen. Wie Sie wissen, ist die Unsterblichkeit ein sehr literarisches Thema, metaphysisch ist es ohnehin. Wir bemerken das, wenn wir von einem unsterblichen Autor sprechen. Ein unsterblicher Autor ist jener, der nicht mehr physisch unter uns weilt und der dennoch allgegenwärtig ist, denn er hat uns etwas hinterlassen, das wir als unsterblich betrachten. Das ist in zweierlei Hinsicht interessant:
Erstens: Das, was wir als unsterblich betrachten, sind, ich möchte es einmal so nennen - die untrüblichen Gedanken eines Menschen, den wir vermutlich nicht kannten und von dem eben nur sein Werk noch als Zeuge aufgerufen werden kann.
Zweitens: In den meisten dieser Fälle wird es sich um Literatur handeln, obwohl mir einleuchtet, dass man ebenfalls durch ein anderes Medium zu diesem Ruhm gelangen kann, aber - kein Gedanke, kein reiner Gedanke wird sich so sehr durch ein Bild, eine Skulptur oder von mir aus einen Film, Musik manifestieren als durch das wohl angeordnete Wort, das bereits aus sich heraus als das metaphysischste, magischste Objekt zu glänzen weiss.
Ich sagte es bereits und jemand anders sagte es vor mir: der perfekte Dichter wird jener sein, der alle Gestalt und alle Begebenheit in einem einzigen Wort unterzubringen weiss, ebenfalls ein metaphysisches Spiel.
Wenn wir darüber nachdenken, kommen wir leicht zu dem Schluss, dass die Welt aus eben diesem Wort, das heute keiner mehr aufzufinden vermag, entstanden ist und dass gerade das damit gemeint ist, wenn man sagt: Am Anfang war das Wort. Was sonst? möchte man fragen, denn es gibt nichts unabhängig von einem Wort, es gibt nichts ausserhalb der Literatur. Diese unerhörte Tatsache ist ganz leicht zu beweisen - fragen Sie in Tibet nach.
Non cum corpore pereunt magnae animae.

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