Apr
25
2008
Erst war es still und dann fegte ein schneidender Ton durch die Luft. Ein Ledergürtel. Klatschen. Schreien und Poltern. Das war oben. Von unten hörte man nie etwas; die unten erduldeten alles mit Gleichmut oder ihnen wurde der Mund zugehalten. Weinen. Lederzischen. Klatschen. Schluchzen. Die Zikaden aus dem Takt geraten.
Damals war es mir so vor gekommen, als hätte das Gras gesungen, steckte voller heißem Sommer. Derart trocken und am Abend Gesang. Land des Mißbrauchs. Weiterlesen »
RĂĽckblende: April, Achtundzwanzig, Sieben (28. 04. 2007)
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adam
Apr
22
2008
Ich dachte mir eine Figur aus und nannte sie Adam. Das hat, wie jedes Wort, das ich schreibe, eine explizite Bedeutung. Nun stellte ich mir vor, wie Adam einen Brief erhält. Der Brief wurde von ihm selbst geschrieben und abgeschickt. Merkwürdig ist nur: der Brief wurde vor 17 Jahren aufgegeben, als Adam noch in X lebte. Weder konnte er damals bereits gewußt haben, wo er 17 Jahre später leben würde, noch erinnerte er sich überhaupt an diesen Schabernack. Weiterlesen »
RĂĽckblende: Do you remember? (24. 04. 2007)
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adam
Apr
22
2008
Wenn es einen Blitz gab, den man lesen konnte, würde er derjenige sein, der ihn entzifferte. Er sah sich, klatschnass vom Regen, als das Kind mit den breiten Schultern, welches das himmlische Ross bändigt und zähmt, wie es da mit seinem überfließenden Licht durch die Nacht peitscht und wie toll auch in die Erde sticht, Bäume entwurzelt und in scheinbar blindem Zorn eine völlige Raserei entfacht, von der man zu jenen Zeiten, als der gelehrte Franziscus Patricius in seiner magia philosophica vom Blitz sprach, nicht gewusst haben kann, wie man ihn zähmt, sondern nur, wie man ihn leitet. Rodriguez war davon überzeugt, dass es immer einen Grund gab, warum der Blitz an einem bestimmten Ort und nicht woanders einschlug. Als er folgende Passage in der magia las, da fiel ihm plötzlich ein, wo er weiter zu suchen hatte:
Und wenn dir dann nach all diesen Phantomen das unkörperliche, heilige Feuer, das alle Tiefen der Erde mit seinen Strahlen auf einmal durchdringt, erstrahlt: Dann höre auf seine Stimme.
Und jetzt fand er sich hier im strömenden Regen, um Blitze zu fotografieren, weil er davon überzeugt war, die Blitze seien Schatzkarten. Er gab seine Suche nach Blitzeinschlägen auf.
Rückblende: Morgen Mostmägde (23. 04. 2007)
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rodriguez
Apr
21
2008
Dort schaukelten sie am Baum. Ich sah nur die beiden Hanfseile auf mich zu - von mir weg knirschen. Versteckt unterm Fenster das flüsterhafte Gelächter der Schaukelnden, die sich auch im Idiom des leisen Kicherns unterhielten. Die beiden Schaukelnden wuchsen heran in Zeitlupe (man konnte das Heranwachsen mit bloßem Auge nicht sehen, musste selbst zusehen, wie einem die Haare wuchsen, an den Beinen, in der Arschfalte, den Handrücken…). Ich stand am Fenster und lauschte dem glockenhellen Lachen, Ziegen blökten aus einem Hinterhalt und die Uhr gongte eine volle Stunde. Es stank plötzlich nach Zeit. Weiterlesen »
RĂĽckblende: Hermann Bahr, Modernist (22. 04. 2007)
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adam
Apr
11
2008
Nebenan huschten die Käfer in ihr Versteck, wenn Marion Brainfalk die Treppen hoch keuchte. Ein Flaggschiff von einem Weib, noch nicht von einem Ersatzleben ausgezehrt, denn das sollten wir ja erst erfinden. Noch bevor Belbo, Casaubon und Diatollevi alles in der Welt auf einen einzigen feststehenden Punkt im Universum schieben sollten und ein Feuerwerk der Analogien abfeuerten, schlugen wir uns bereits die Nächte um die Ohren und sorgten dafür, daß nicht wir, aber unser Umfeld langsam der Hysterie verfiel.
„Mit diesem ersten Essen gelangen wir auf seltsame Pfade.“
Wie ich meine Tage verbringe. Lesend, an die Blätter gefesselt. Jede Störung ist mir ein Schmerz in meiner Brust, die Wut entfacht und Abscheu. Weiterlesen »
RĂĽckblende: Zwei amerikanische Geschichten (14. 04. 2007)
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Apr
09
2008
Numa Pompilius, der sich mit der Nymphe Egeria verbuhlt hatte, studierte nicht wenig die Weisheiten der Assyrer. Er besaß von ihnen nun die Kunst der Erzeugung und Lenkung des Blitzes. Aber bereits sein Nachfolger im alten Rom, Tulius, lenkte den Blitz so schlecht, daß er von ihm erschlagen wurde und somit das Geheimnis verloren ging. Weiterlesen »
RĂĽckblende: April, Elf, Sieben (11. 04. 2007)
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rodriguez
Apr
08
2008
u gehst davon und hast schon deinen Dolch gezückt, und du nennst es Liebe. Liebe ist für dich das Dementieren von Desinteresse; deine Ungewißheit bist du selbst.
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RĂĽckblende: April, Neun, Sieben (09. 04. 2007)
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myrrha
Apr
07
2008
„Wissen Sie nicht, wo ich Zauberbücher finden kann? Wissen Sie nicht, wo ich diesen Mann finden kann -: Reviere, Jaques Riviere, Quai Voltaire!“ Der Mann bückte sich zu Boden und sagte: „Wenn es wie ein Bass gebraucht, wie die Note einer schwarzen Orgel unter der Pedale eines großen Fußes – nicht derartig vom Leser empfunden wird, dann deshalb, weil Letzterer bloß der zurückgebliebene Flegel einer Fotze und der eingefleischte Stoff von Schweinen ist! Weiterlesen »
RĂĽckblende: April, Neun, Sieben (09. 04. 2007)
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Jaques Riviere
Apr
06
2008
Das erste Kapitel trug den Titel: Hinab ins Kaninchenloch und als Alice der Meinung war, bis zum Mittelpunkt der Erde und darüber hinaus gelangen zu können, hegte ich den leisen Verdacht einer ersten Theorie: Weiterlesen »
RĂĽckblende: sehnen spielen (07. 04. 2007)
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Apr
04
2008
Ich war neun als ich meiner Mutter erzählte, der Wald spräche mit mir. Sie lachte, nahm mich ins Haus und stopfte meinen Mund mit Süßigkeiten aus. Aber auch schmatzend berichtete ich ihr, dass ich nun wüsste, dass es all diese Märchengestalten und Naturgeister, von denen Johanna, ihres Zeichens die Ewige Urgroßmutter, immer erzählte, wirklich gab. Das beunruhigte sie nicht wenig. Sie setzte sich zu mir an den Küchentisch – es war derselbe Tisch, auf dem ich vier Jahre zuvor das Schreiben erlernt hatte, oder vielmehr mit Wachsstiften die vorgegebenen Zeichen nachfuhr; Geheimnis der Welt, gleich hab ich dich. Weiterlesen »
RĂĽckblende: sehnen spielen (07. 04. 2007)
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