Mai 03 2008

Hinterlassenschaft

Hingewortet von michael perkampus at 03:28 und abgelegt in hahn auf dem mist

1993 verließ ich die Theatergruppe Antonin Artaud, die ich mit Marion Brainfalk gegründet hatte. Wie ein blutrünstiger Vampir hatte ich mich durch Europa gegraben, mich auf eine Suche ohne Gegenstand begeben. Unermüdlich brannte das Leben in meiner Brust und das nimmermüde Feuer versengte alles und jeden, der auch nur in meine Nähe kam. Heute erscheinen mir meine vielen Reisen, meine Affairen und Geschichten wie ein ferner Traum, wie ein anderes Leben. Beinahe alle, die ich kannte, sind auf der Strecke geblieben, jeder davon auf seine Weise. Marion Brainfalk, die zwanzig Jahre lang meine Gefährtin war, die mich Ende der 80iger Jahre von der Straße holte, um mit mir zusammen einen unvollendeten Roman zu schreiben und einige Hypnoseexperimente durchzuführen, die mir das Leben rettete wie Jahre zuvor bereits Thomas Höcht (ohne den ich schlichtweg verhungert wäre), und viele Jahre später Christian Fiedler, starb im letzten Jahr ebenso, wie auch Luka (den wir alle ohne ersichtlichen Grund Henne nannten) und der in seiner Jugend mit seinem Schäferhund Mexiko von Nord nach Süd durchwanderte, zu einer Zeit, in der die Welt noch längst nicht so klein war wie heute.

Als ich 1993 nahezu überstürzt abreiste, um nach Mexiko zu gehen, war es aber nicht zuletzt meiner merkwürdigen Begeisterung für Antonin Artaud zu verdanken, daß ich auch dort ankam. Ich floh ebenfalls meinen vier Liebes- und Lustbeziehungen, zwei davon bestanden bereits seit vier Jahren und waren äußerst umständlich miteinander verwoben, wobei ich bis jetzt nur Anja mit hinein nahm in den Wirbel meiner Arbeiten. Ich kann bis heute nicht sagen, was damals los war, ich blieb an jeder einzelnen hängen. Kein Wunder also, daß ich schließlich mit einer fünften im Flugzeug saß. Samy hatte Wahnvorstellungen und hält sich auch heute noch gerade an der Grenze auf, um nicht eingeliefert zu werden. Aber das machte damals nichts, solange sie das malte, was sie sah und mit wem sie sich unterhielt. Ihre Bilder waren großartig und am besten gefiel mir, daß sie behauptete, es gäbe diese Dinge alle wirklich, die da über die Leinwand flatterten, kreuchten, sich verwandelten.
Zuerst schlief ich mit ihr, weil es mir gefiel, daß sie irre war, etwas später hörte ich aus dem gleichen Grund wieder auf damit. Sie wußte ja nie, wer sie gerade vögelte.

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