Floating-Tank-Maneuver
Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis ich die Universität verlassen sollte. Marion und ich, wir experimentierten seit geraumer Zeit mit Hypnose, Drogen und Wachtrance, in den Vorlesungen war ich als Störenfried bekannt, weil das, was ich da hörte, sich nicht mit meinen Ergebnissen deckte. Das Gerücht, ich sei ein Seelenkäufer, machte die Runde, der Großteil meiner Kommilitonen hatte Angst vor mir, wieder andere rannten uns die Tür ein, um bei unseren Experimenten mitwirken zu können. Ein von der Ärztekammer ausgeschlossener Arzt, der sich dem Morphium, mit dem er seine Alkoholsucht erfolgreich bekämpft hatte, ergab, assistierte uns bei einigen Floating-Tank-Manövern. Dieser von John C. Lilly in den 50iger erfundene Isolationstank ist nach wie vor die schnellste und effektivste Möglichkeit, einen außerkörperlichen Zustand herbeizuführen, die ich kenne. Das, was man gemeinhin für Halluzinationen hält, setzt bereits nach 5 Minuten ein.
Wir besassen so einen Tank natürlich nicht, also bauten wir einen, indem wir Badewannen von den Kuhwiesen stahlen und diese dann mit Isolationsmaterial zusammen verschweißten. Als ich mich zum ersten Mal in die Magnesiumsulfatlösung legte und der Deckel geschlossen war, wich die Dunkelheit vor den zunächst schnell und verworren rotierenden Bildern zurück. Erst wurde mir schwindlig und schlecht, aber die schwanken Bilder verdichteten sich durch die ihnen geschenkte Aufmerksamkeit binnen einiger Sekunden. Da ich nicht wusste, wo ich mich befand – der Tank war scheinbar verschwunden und es hatte den Anschein, als hätte ich mich frei bewegen können in dieser nie gesehenen Landschaft – fragte ich laut, ob man mich hören könne. Vermutlich war meine Stimme etwas zu laut, denn der Deckel wurde aufgestoßen und mich blendete die helle Wirklichkeit, von der wir alle glauben, dass wir sie kennen. Zu dieser Zeit begann ich ebenfalls, die Sexualität als einen wissenschaftlichen und magischen Akt zu betrachten und in diese Richtung zu experimentieren. Dabei geschah es mir nur ein einziges Mal, dass meine, zugegeben, nicht eingeweihte und neu aufgefundene Partnerin, sich regelrecht vor Angst in die Hose schiss – vorausgesetzt, sie hätte eine getragen. So aber kackte sie mein Bett voll.



Juli 11th, 2008 at 21:04
Sehr witzig zu lesender Bericht. Ich hoffe Du bist mittlerweile über das Stadium einer Kuhtränke beim Floaten hinaus
Juli 11th, 2008 at 21:08
oh ja, allerdings. gerade wenn ich sehe, was heute so machbar ist. das ist ja überhaupt kein vergleich zu früheren haarsträubenden experimenten, die eben nur eines waren: lustig.