Tendenzen 31- Pariser Fauna um 1870
„Die Lage der Pariser wurde katastrophal, als am 17. September [1870] die Einkreisung der Stadt vollzogen war: niemand kann Paris verlassen, niemand kommt herein. Und jetzt beginnt die Belagerung [...]. Die Pariser müssen den Gürtel enger schnallen. Die Nachricht am 31. Oktober, dass die Festung Metz kapituliert hat, zerstört die letzte Hoffnung auf Hilfe von draußen. Die Lage verschlimmert sich täglich. Zuerst werden die Bären und Elefanten des Jardin-des-Plantes geopfert und ihr Fleisch als Delikatesse an reiche Leute verkauft. Bald folgen die graziösen Antilopen, die Kängurus, die Kasuare, die Kormorane und andere Tiere und Vögel mit exotischem Namen. Sie werden in einem in einem Laden des Boulevard Haussmann zu fabulösen Preisen angeboten. Selbst ein gewöhnlicher Truthahn kostet 150 Franken (Goldfranken natürlich). Kein Vogel singt mehr in Paris. Selbst Spatzen fliehen aus der Stadt. Hundefleisch kostet 4 Franken das Pfund. Seit dem 9. November [...] werden Ratten für 2,50 Franken das Stück verkauft.“
RĂ© Soupault – „Über den Autor und sein Werk“, 1987
in „Lautréamont – Das Gesamtwerk“ S. 334,
Rowohlt, 1988
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