Die Minnebriefe VI
Man fliegt, man sagt, dass man fliegt, aber in Wirklichkeit rast man dem Ende entgegen. Das Ende, an dem alle Worte nichts mehr taugen, an dem Versprechungen Drohungen werden. Man weiß nicht, was man gibt, wenn man gibt, wohin man es gibt. Man weiß nicht, wo die Straße endet. Vielleicht war sie viele Meilen lang, vielleicht war sie so kurz wie ein Rundweg. Vielleicht war man durch bezaubernde Landschaften gekommen, vielleicht sah man nur in der Ödnis einen Baum, der kein Wasser mehr aufnimmt, weil er in seiner Einsamkeit beschlossen hatte, einfach zu sterben. Dieser Baum, der dennoch aufragt wie entstellt, den niemand beachtet, entschied sich zu verdorren aus Kummer. Schön war er damals mit Blättern, die rauschten, die sangen in Gesellschaft der anderen Bäume, die längst in einen Schrank verwandelt, ihm fort genommen wurden. Und somit ihm alles fortgenommen wurde.
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