Der Polstermeister
Christian Rosenrot schloss die Tür auf und betrat seine Werkstatt.
Der Bub war wieder wandeln. Sechs Uhr. Wo ist die? Schon wieder nicht pünktlich. Ich bringe ihr was bei, dieser kleinen geilen Göre, bringe ihr bei, was sie nirgendwo lernt. Heute wär günstig, der Bub war wandeln und liegt im Bett, weinerlicher Tunichtgut. Ein Blöder! Hätte ich das gewusst, auf was ich mich da einlasse, der kann das Handwerk niemals auswendig und die! Die könnte wenigstens eine gute Näherin abgeben, wenn ich ihr alles gezeigt habe, wenn ich ihr alles gezeigt habe mit den Stichen. So ein geiles junges Gör. Das mag nicht angehn, dass die jungen Dinger heute schon so weit sind, dass die einen erwachsenen Mann so anschaun, dass sich was regt in der Hose. Die eigene Frau, meiner Treu, nie war die so fesch. Nicht daß ich mich jemals erinnern könnte. Immer nur der Bub, der Bub. Und ich? Ich darf mir’s abschwitzen. Heute ists zu Ende. Ich werd’s der Göre sagen, dass sie noch etwas mehr arbeit hat, soll ihr Schaden nicht sein, werd ich ihr sagen und sie soll mir ja nicht dumm kommen. Ein angesehner Mann bin ich, mürrisch vielleicht, aber das ist ja kein Wunder. Was hab ich denn zuhause? Einen Idioten und eine Heulsuse von einem Weib. Prügel braucht der Bub, normal sollt man ihn dreschen. Direkt in die Vernunft hinein.
Da ist sie! Still jetzt, ich hör das Rad schon klappern. Und zu spät ist sie, das bringt sie in Verlegenheit! Ich bin im Recht und sie muss mich besänftigen. Wir werden schon eine Lösung finden, was?
Sie schleicht zur Tür und öffnet sie zaghaft, ganz Schuld sind ihre Lider, als sie Knickst:
„Brauchst nicht knicksen, komm nur rein!“
„Aber ich kann wirklich nichts dafür…“
„Das spielt überhaupt keine Rolle! Das Ergebnis ist dasselbe.“
Er verschlingt sie mit den Blicken, aufmerksamer denn je, die runtergerutschten Strümpfe an den wahnsinnig zarten Beinen, mit dem Atem senkt sich die Strickjacke, die nur übergehangelt ist. Die Zöpfe sollt sie aufmachen! Später. Und das Röckchen, das karrierte, leicht überm Knie noch. Da steht sie, eine Ledertasche in der Hand mit zwei Hämmern, einer Schere, einer Feile, einer Raspel, Gurtenspanner, Abschlageisen, Schrauben und Haarzieher darin; und natürlich: Nadeln.
Draußen die Vögel, wie Frühling riecht die Gasse.
„Heut müssen wir den Fassonsitz durchnähen. Ich will was ausprobieren. Arbeitest wohl nicht gern bei mir, was?“
Sie tritt näher, schließt die Tür, verschluckt sich, reißt die Augen auf. „Und doch! Meister Rosenrot, warum macht es denn den Eindruck?“
„Jetzt fürchtest Du dich auch noch! Da haben wir’s!“
Verwirrt krampft sich das Mädchen an ihrer Tasche fest. „Ich hab doch nur ein schlechtes Gwissen und weil ich doch auch gar nichts dafür kann…“
„Das Ergebnis ist das Gleiche, „ wiederholt er.
„Wie kann ichs denn wieder richten. Es soll ja nicht wieder vorkommen!“
„Wie kann ich sicher sein? Da draußen warten eine Menge anderer, die froh wären, so einen anständigen Beruf zu erlernen, anstelle dass sie als Magd den Haushalt führen!“
Wie fang ichs an, ich kann sie ja nicht einfach pferchen! Am Ende will sie das gar nicht und plärrt los wie der Bub in der Nacht! Komplimente! Jetzt hab ichs, sie denkt ja, ich bin ihr recht garstig!“
„Aber ich will ja keine andere!“ Da hellt sie sich doch gleich auf!
„Du machst deine Sache ja nicht nur sehr gut, sondern liegst mir auch besonders am Herzen!“
„Ist das denn wahr; Meister Rosenrot?“ Als hätt sie ihr Gsicht andersherum aufgesetzt so plötzlich.
„Na, merkst du das denn nicht? Ich denk, ihr Weibsleut habt ein besonderes Gespür, wenn ein Mann so eine Regung zeigt!“ Das war zu weit nach vorne! Schon stutzt sie! Jetzt kann ich auch gleich alles sagen, weil sie ja nicht antworten wird!
„Ich könnt dich schon recht gern haben!“ Eben habe ich gesagt, dass ich sie schon gern habe. Das merkt sie doch nicht, oder merkt sie am Ende dann alles? Ist ja gscheit, sonst hätt ich sie damals nicht angestellt, aber das begreift sie nicht. Ihr Gesicht ist ganz entglitten.
„Soll ich denn gleich mit dem Nähen von der Fasson anfangen?“
„Siehst du! Und deshalb denke ich, dass du gar nicht so gerne bei mir arbeitest! Ich lass dirs geschehn, dass du zu spät kommst, ich sag dir, dass du bei mir gut aufgehoben bist und du lässt mich einfach stehen!“
Das scheint mir heute nichts, ich red ja auch einen Unfug. Was muss ich ihr denn vorne herum schmeicheln. Das ist sie ja gar nicht gewohnt. Ob die schon mal so einen Rüpel gesehn hat, wenn er richtig aus der Hose fährt? Das kann ich mir nicht denken. Man kanns halt nicht wissen. „Am Ende spottest du noch über mich bei deinen Freundinnen!“
Das Mädel erschrickt in einer Tour!
„Das würd ich niemals wagen und es gibt ja auch überhaupt keinen Grund!“
„So wie du mir ausgewichen bist, glaub ich aber dran!“ Jetzt nur nicht locker lassen!
„Aber was soll denn das heißen?“ Jetzt hab ich sie, ganz unsicher ist sie geworden, die Göre!



April 9th, 2008 at 09:16
Hi, sag mal, das Zeug heißt doch: Dimanganheptoxid. Kommt das tatsächlich irgendwo natürlich vor, so dass es als “ein Dimanganheptoxid” im Wald explodieren könnte? Bitte um Erweiterung meiner Allgemeinbildung. Danke.
April 9th, 2008 at 11:23
Der Ausgangspunkt der Explosion ist ja nicht der Wald als solcher, heißt: nicht im Wald findet sich dieses Gemisch, sondern IM Zwerg. Das Diamangan ist soz. seine Ursuppe.
April 9th, 2008 at 11:40
Aha, das erklärt mir schon mal was. Wieso eigentlich stelle ich die Frage hier? Erwähnt ist das Zeuchs doch ganz woanders…
April 9th, 2008 at 11:58
Stimmt. Aber es wird ja jeder, der das Buch kennt, wissen, wo es sich findet. Und wer es nicht kennt, dem ist es freilich hier wie dort kaum von Nutzen.