Archiv von Januar, 2008

Jan 31 2008

Timber - 2. Perlmutt

Eingestellt von michael perkampus in l-irr-ick

Prismatisches Schimmern, Stiegen hinan
Dort gehe ich mit geschlossenen Augen
Über dunkle Türme spähend
Unendlichkeit wolkt zwischenhin

Deine Augen führen mich in ein
Kaleidoskop der Windungen
Zugiger Wurmlichter

Deine Halluzinationen peitschen
Nach meinen Wünschen
Narbendotter kostend

Gesichter beugen sich hinab:

-Ist das der Träumer?
-Er ist es.
-Was träumt er?
-Uns.

(Ein unsichtbares Ohr hört Sphärenmusik,
leise gedrehter Orkan,
Phonverkürzt)

-Kann er schon die Pforte sehen?
-Noch ist er auf Meeresgrund.

Deine Gedanken wirbeln um den Kelch
Aus dem ich schluckwärts nasche
Und Träufel fahren fern zu dir

-Er spricht.
-Er nippt.
-Er flüstert.
-Redet.
-Schon zu ihr?

(Die große Dunkelheit betupft einen Gong)

Ihr Perlmuttöchter!
Gebt mir die Pforte frei!

(Die Perlmuttöchter kichern in choreographisch hervorgeholte Taschentücher
dann tanzen sie Figuren
schweben sie im Saal der Welt
berühren sich sinnlich mit den Fingerspitzen)

-Da sind die Perlmuttöchter!
-Und sie geben das Tor nicht frei.

Die Gesichter entfernen sich:

-Schon?
-Komm.


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Jan 31 2008

Wirklichkeit und Gegenteil

Eingestellt von michael perkampus in psychologie

Wenn wir von Zeit reden, reden wir auch von der Wirklichkeit. Wir können sagen, Wirklichkeit ist das, was wirkt – und hätten damit nichts gesagt, wir hätten einfach nur auf eine banale Faktizität verwiesen.
Wirklichkeit ist vielmehr das, was auf die richtige Weise geschieht und das setzt voraus, dass es einen bereits geschehenen Akt erneuert. Natürlich will ich auf den Mythos hinaus. Die richtige Weise kann nur eine zeitübergreifende Gültigkeit meinen, Wiederholung ist demzufolge ein Ritual. Wiederholung ist jedoch nur dann ein Ritual, wenn die damit verbundene Aktion einen klar umrissenen Sinn aufweist, sich also auf ein mythologisches Vorbild beruft. Weiterlesen »

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Jan 30 2008

Timber - 1. Timber

Eingestellt von michael perkampus in l-irr-ick

Gelehrt haben mich Feen eine Sprache des Mooses
Gesprochen wird sie liegend im Farn
So klingen märchenhafte Vibrationen
Noch lange nach und stimulieren die verkümmerte Sicht
Der Menschensöhne

Tot fand sich sie am Waldesrand
Ein Sommerspiel auf ihren Lippen
Sie wär’ die Liebste mir gewesen
Ein Elfenkind mit scheuem Blick

Ich frage den Bach nach ihrem Namen:

Siehst du nun das Unheil an?
Der Traum hat sich dir eingemischt
Und offenbart dir unvereint
Wie er das Leben schmähen wird

Wie sie dort liegt
Bedeckt sie nur der Sonnenstaub

Bedeckt sie nur ein Trauerblick

Bedeckt sie nicht mein Antlitz
Kannst du mir sagen, wer sie war?

Sie war und ist ein Traumgespinst
Ihr Name ist ein Stachelband
Weil sie dir angetan
Du träumst den Tag, du lebst die Nacht
Sie bietet dir ihr Leben bar

Wie sollte ich es nehmen?

Sie starb in deiner Welt weil du erwacht bist
Stirb du in ihrer, schlafe ein


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Jan 30 2008

Schriften zur Romantik VI

Eingestellt von michael perkampus in journal

(Der Venusberg)

erotica_venusberg_01.jpg

Indes ist es ein Irrtum, wenn die Romantik als Opposition zur Aufklärung dargestellt wird. Wenn es den Romantikern gelang, diese zu übertönen, so nicht durch die völlige Gegensätzlichkeit oder gar einer antiaufklärerischen Neigung. Vielmehr ist das genaue Gegenteil der Fall: Die Romantiker forderten, nicht halt zu machen vor der Nachtseite, dem Wilden, Dunklen, Fremden, sondern weiter zu gehen. In diesem Sinne wirkte die Romantik bei weitem aufklärerischer als die Aufklärung selbst, die sich ein sicheres Podest des Irdischen zu erbauen trachtete. Somit wird die Romantik zur Komplettierung der bürgerlichen Subjektproduktion, gerade dadurch, dass sie das Unbewusste der Aufklärung zu formulieren weiß und sozialhistorisch wie auch in ihrer psychogenetischen Entwicklung zu ihr geradezu in Wechselbeziehung steht. Weiterlesen »

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Jan 29 2008

Januar, Neunundzwanzig, Acht

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

Nun kann ich also auch nicht auf die Tonwerke verzichten, wenn ich das Weblog als umfassenden Begleiter ansehen möchte. Meine Seele kann nur bis ins Hinterste ausgeleuchtet werden oder gar nicht. Jegliches Kalkül ist mir dabei fremd. Wenn ich nun meine Schriften als auch die Tonwerke sowohl als Druck anbiete ist die Alternative für die kompletten Texte frei. Hier aber bleibt der Brevier. Dem Dichter hat man zu geben, man darf ihn ebensowenig kaufen, wie er sich zu verkaufen hat. Es gibt den Beruf des Dichters nicht, er wird immer das Weltgenie sein. Sein Reichtum offenbart sich durch ihn selbst, sein Lohn wird das Stillen sein - und ganz in der Tat nenne ich das Aufgehen in der Liebe das Stillen all jener Sehnsüchte, wenn die Muse sich zeigt und auch umarmen lässt. Der Dichter schreibt nicht für ein Publikum, er schreibt für das, was in einem Publikum angelegt ist, und in diesem Publikum schreibt er nur für die eine Person. Er sagt ihr, woher er kommt, wie weit gereist er ist und was er alles gesehen hat. Und dann wird er fragen: “Gehen wir jetzt? Hier stinkts und außerdem habe ich noch einen guten Wein zuhause.”
Sie könnte vielleicht erwidern: “Nicht immer so eilfertig! Schau, ein gewonnenes Paradies kann man nicht durch Flucht betreten.”

22.28

Aber eigentlich wollte ich sagen, dass ich morgen mit “Timber” beginne. Wort und Ton.

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Jan 29 2008

Betrachter deiner Schönheit

Eingestellt von michael perkampus in l-irr-ick

Der Betrachter deiner Schönheit
Ich stehe außerhalb davor und blicke
In eine Galerie deiner Bewegungen, Mimiken,
Gesten. Ich
Entscheide, wer ich sein werde, wenn
Ich die Augen schließe, um dich
Auch in mir zu erschaffen
Und ich entscheide mich immer dafür,
derjenige zu sein, der dir gehört.

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Jan 29 2008

Schriften zur Romantik V

Eingestellt von michael perkampus in journal

(Über die Selbstreflexivität)

Mit dem bereits erwähnten Athenäum-Fragment Nr. 116 setzt der Begriff der „progressiven Universalpoesie“ ein. Gemeint ist damit die Entgrenzung literarischer Gattungen, das vollkommen Wirken anhand der Aufhebung jeglicher Grenzen. Hier wird bereits einer Ganzheit vorgearbeitet, die sich bis in die heutige Naturheilkunde und die sogenannte Alternativmedizin hinein etablieren konnte, denn die Poetisierung des Lebens macht vor den durch den Rationalismus aufgebauten Grenzen im Alltäglichen nicht halt. Weiterlesen »

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Jan 29 2008

Die Minnebriefe V

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

Ich möchte, nachdem ich dir sagte, dass ich dich liebe, dir zeigen, dass ich dich liebe. Ich möchte gut dir sein und sanft dir sein. Ich möchte deine Wünsche ahnen und erfüllt dich sehen, ich möchte, dass du mir sagst, was du erträumst. Ich möchte dein Traum sein, dein Traum werden, ich möchte, dass du mich kennst als deinen Traum. Ich möchte, dass du es bist, die mich weckt, bevor du selbst die Augen aufschlägst. Ich möchte dich mit dem Morgen begrüssen, der durch die Fenster hereinweht, ich möchte dein Morgen sein. Ich möchte der Wind sein, der dich berührt, wenn du um die Ecke biegst. Ich möchte für dich sein, in dir sein.

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Jan 29 2008

Der Polstermeister

Eingestellt von michael perkampus in babylon

Christian Rosenrot schloss die Tür auf und betrat seine Werkstatt.
Der Bub war wieder wandeln. Sechs Uhr. Wo ist die? Schon wieder nicht pünktlich. Ich bringe ihr was bei, dieser kleinen geilen Göre, bringe ihr bei, was sie nirgendwo lernt. Heute wär günstig, der Bub war wandeln und liegt im Bett, weinerlicher Tunichtgut. Ein Blöder! Hätte ich das gewusst, auf was ich mich da einlasse, der kann das Handwerk niemals auswendig und die! Die könnte wenigstens eine gute Näherin abgeben, wenn ich ihr alles gezeigt habe, wenn ich ihr alles gezeigt habe mit den Stichen. So ein geiles junges Gör. Das mag nicht angehn, dass die jungen Dinger heute schon so weit sind, dass die einen erwachsenen Mann so anschaun, dass sich was regt in der Hose. Die eigene Frau, meiner Treu, nie war die so fesch. Weiterlesen »

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Jan 28 2008

Die Minnebriefe IV

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

Ich, der Poet, kann nichts sagen, nicht sagen, wie du mir fehlst, nur dass du mir fehlst, nicht sagen, was du für mich bedeutest – ich kann nichts Bedeutendes sagen. Ich bin aufgeschmissen, denn dein Entfernt-Sein lässt in mir die Worte sprießen und sie kreisen um etwas und kommen nicht ins Zentrum, gelangen nicht dahin, wo du bist, wo ich dich vermute, wo ich hingehe, um nachzusehen, ob meine Vermutung stimmt: und sie stimmt immer; da bist du und da bist nur du, alles andere ist nicht etwa verschwunden, es war vielmehr niemals da. Nur du. Du warst immer da, warst immer der Grund meines Sehnens, all durch mein Leben. Und ich wollte mich verlieben und dann lieben, nichts anderes mehr wollend, als dich lieben. Dort, wo du bist, wo immer du auch bist, dich finden und dich lieben, dich behalten dürfen als jemand, der auch mich suchte, ohne mich zu suchen, der auch mich liebt und dadurch den Kreis schließt, der ein Leben währt.

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