Erste Schritte in die andere Dimension
Diesem Schlüssel zum Uhrenkasten verdanke ich heute meine Art und Weise, mit mir selbst umzugehen… es wurde mein Schlüssel zu meinem Leben, aber nicht nur zu meinem normalen Leben, welches ich jetzt im Augenblick auf dieser Erde führe, es war auch der Schlüssel zu den anderen Dimensionen, zu denen ich später Zugang hatte.
Schon sehr früh spürte ich diese so besondere Bindung zwischen meiner Großmutter und mir. Mit der Begrifflichkeit „Mutter“ und „Vater“ wusste ich viele Jahre eben auf Grund der Gegebenheiten nichts anzufangen, es standen – stehen auch heute noch nicht – für mich hinter diesen Begrifflichkeiten keine Werte.
Es begann im zarten Alter von vier Jahren – ich spürte damals etwas in mir, was mir unheimlich war, ich hatte Angst davor, empfand es aber als unbedingt nötig, niemandem darüber etwas zu sagen, ich getraute mich einfach nicht. Ich verheimlichte es, so gut es ging, dass gelang mir fast zwei Jahre. Die Großmutter aber beobachtete mich immer, manchmal war ich mir sicher, dass sie ganz bestimmt versteckte Augen hinten im Kopf unter den Haaren hatte, weil sie immer alles sah, was hinter ihrem Rücken vorging. Sie bemerkte aber letztendlich doch, dass mit mir etwas nicht stimmte. Es gab so kleine Augenblicke in der die Zeit mal wieder nicht griff, da fragte sie mich: „willst du mir sagen, was du eben gesehen hast?“. Meistens schwieg ich und schüttelte den Kopf.
Die Großmutter, mein Bruder und ich saßen im abendlichen Schummerlicht der Stube am Eßtisch, der Bruder malte, die Oma rätselte wie immer Kreuzworträtsel, oder aber die ihr liebsten Rätsel, die für die Querdenker… weil sie liebend gern um die Ecke dachte. Eigentlich war es ganz still am Tisch… doch dann hörte ich, wie meine Großmutter etwas sagte. Ich hob den Kopf, schaute sie an und antwortete: „ich geh’ schon Oma, was soll ich denn drauf tun, Wurst oder Käse?“. Sie schaute mich ganz erstaunt an: „Bitte?“. „Ich möchte wissen, ob du Wurst oder Käse auf das Brot möchtest“. „Wie kommst du darauf?“. „Du hast doch gerade gesagt, dass du Hunger auf ein Brot hast, aber eigentlich keine Lust hast aufzustehen und in die Küche zu gehen“. „So?… habe ich das?“. „Ja“. Auf dem Weg in die Küche hörte ich, wie sie mir etwas hinterher sagte: „Hoffentlich vergißt sie den Senf auf dem Käse nicht“. Ich ging zur Wohnzimmertüre: „Aber Oma, ich weiß doch, dass du immer Senf auf deinen Käse haben willst“. Sie schaute mich wieder irritiert an, die Augenbraue hob sich, und dann ging ein Lächeln durch ihr Gesicht: „Ja, es war völlig überflüssig, entschuldige bitte, ich weiß doch, dass du das weißt“.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, warum meine Großmutter lächelte, denn mir war nicht klar, dass sie garnicht mit mir gesprochen hatte. Dieser geführte Dialog ist einer von den ganzen vielen, die dann folgten. Sie begann mich zu testen, mit mir zu üben – beispielsweise gab sie mir den Korb mit den farbigen Wäscheklammern, ich musste, ohne, dass sie es sehen konnte, eine farbige Klammer aus dem Korb nehmen – sie schrieb vorher auf einen kleinen Zettel, welche Farbe ich nehmen würde… und umgekehrt taten wir das auch, es klappte immer, ich wusste vorher, welche Farbe die Großmutter nehmen würde und sie kannte die Farben meiner Klammern auch bevor ich sie nahm. Sie schrieb ein Wort auf, ich sagte es ihr… sie stellte mir in Gedanken eine Frage, und ich antwortete ihr.
Meine Großmutter hatte endlich eine Erklärung dafür, warum ich meine Schnüss ständig eben dann nicht halten konnte, wenn es angebracht war…. ich antwortete immer nur auf die Gedanken, die ich hörte, empfand dies aber als ganz normal in dem Glauben, angesprochen worden zu sein. Das führte sehr früh teilweise zu heftigen Streitszenen zwischen den Erwachsenen in meinem Umfeld, weil ich ja immer nur ganz ehrlich das wiedergab, was ich hörte. Nach diesen Tests und vielen Beobachtungen meiner Großmutter brachte sie mir dann sehr schnell bei, was wirklich in mir ablief und stattfand. Heute kann ich sagen, dass sie damals wirklich versuchte, es mir „kindgerecht“ zu erklären. Ich verstand es einfach nicht, ich konnte das nicht greifen… und brauchte eine ganze Weile, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Aber die Erklärung der Großmutter, dass es ihr selbst und ihrer eigenen Mutter über viele Jahre genauso erging, beruhigte mich ein wenig – ich war also nicht unnormal. Aber die Großmutter riet mir schon damals, mit niemandem darüber zu reden. Auch auf Grund der Tatsache, dass meinetwegen die Erwachsenen immer wieder in Streit gerieten und ich mich ständig schuldig fühlte, ließ mich dann schweigen. Fortan schaute ich den Erwachsenen auf den Mund und achtete darauf, ob sie wirklich etwas aussprachen oder nicht. Und ein Blick in die Augen meiner eigenen Mutter sagte mir damals schon: „Es ist besser für mich, wenn sie es nicht weiß“.
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