Flamboyant (1)
Paris, du sinnliche hoheit, du unbändige kraft der begierde, ich höre dich in meinen träumen ein Chanson anstimmen und sehe dich verwandelt in einen großen schoss, der sich mir nähert.
In der luft steht die erinnerung geschrieben, vereinbart mit einem gefühl des verbliebenen moments, das wiedersehen, das erkennen, wo immer in der welt das bild hängen wird, veränderlich, jedoch von gleichbleibender farbe. Du wachst hinter allem was dir sinnlichkeit offenbart und bist der mut der wahrheit aller poesie, mein Mekka, mein Alexandria, meine verklärte vorstellung einer CitĂ©. Oh ich verliebte mich in dich, wie ich mich in hundert frauen verliebte, mit der gleichen hingabe und mit der gleichen gewissheit, dass du, der ich so viel liebe entgegenbringe, die leidenschaft nie aufhebst, aber mannigfaltig teilst, weil du so viel davon besitzt, dass es für alle zeiten genügen wird.
Ich brachte sie zu dir, du gallisches wunder, und du bestauntest sie mit mir in einer seitenstraße des Champ-du-Mars, diese kleine hugenottische tänzerin, die mich an ihrer nymphomanie teilhaben ließ. Für immer nun schwelge ich in den vergangenen riten, weil ich den gedanken gewiss berge, der ort des geschehens bewahre immer etwas von der eigenen energie und versiegelt die magie für alle zeiten. Ich habe zugriff darauf wie zu einem intimen schließfach.
(-wie sie sich an meinem schwanz zu schaffen macht, hinten im automobil, mitten in der nacht, man kann die riesigen eisenträger des eifelturms erkennen, stark wie mein eigener, umschlungen von einem mund, getrieben von einem zuckenden, gierigen frauenkörper, immer nass im schritt und unersättlich-)
Du liegst mir, wie du dich wie ein kosmischer spiegel vor mir entfaltest.
Die Champagne mit ihren kleinen schleppern der weinbauern, berührte meinen mund mit sanftgoldenen rebhängen zu beiden seiten des tals, mit ihrem sprudelnden Badoit und dem prickelnden Brut. Ich wollte degustieren, Anja wollte blasen, Chalons sur Marne, Paris ununterbrochen suchte ihr mund meinen kolben, der flaschenhals den meinen mund, mein mund ihre lippen, die sich mir wie reben dem jungen Dionysos entgegenrankten und ihre zunge schlug alles an mir schaumig. Breton, du sprachst von dieser L’amour fou, siehst du, dass ich sie gefunden habe, während ich mich unterwegs zu dir besaufe? Wie träumt ein traum.
- Wie träumst du, frage ich sie und sie sieht mich eine sekunde lang an ohne etwas an mir zu vollbringen.
- Du hast gesagt, ich träume nicht, sondern ich tue all das geträumte in wirklichkeit. Willst du mich fragen, was ich träume?
- Nein, ich will dich fragen, wie du träumst. Träumst du laut oder träumst du leise?
- Ich träume…
(und die beginnt erneut, mich an ihren bewegungen teilhaben zu lassen) …wie ein pulsieren. Deshalb glaube ich dir.
- Wie dieses tal?
- Ja, ich träume wie die Champagne und Paris ist das zentrum und der eifelturm, das bist du. Willst du ihn sehen?
- Den eifelturm? Er gehört zu Paris. Ich werde ihn sehen, aber das Quartier Latinist Paris, der Montparnasse.
- Du wirst dich in Paris verlieben und mich vergessen.
- Ich kann Paris nicht ohne dich darin lieben. Kunst ist hier zuhause.


