Archiv von September, 2007

Sep 30 2007

Puella Elaffica (Figur, weiblich)

PUELLA ELAFFICA war fast in jeder Stadt Europas prostituierte, kennt alle schmutzigen Spitäler der Welt.
„Ich habe alle Geschlechtskrankheiten aus Perversität durchgemacht“, sagt sie gerne von sich.
Sie hat wegen allen möglichen Dingen im Gefängnis gesessen. Ich fragte sie einmal, warum sie das täte; sie schnupperte mit ihrer von einer Rauferei verunstalteten Nase und sagte: „Weil ich eine große Dichterin werden will.“

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Sep 30 2007

September, Dreissig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

13.34

gestern hätte ich mir fast das genick gebrochen während einer seltsamen yoga-anwendung, aber heute summt mir nur der schädel, so als wäre er mit heissluft gefüllt.
das hätte ein schönes bild abgegeben, wie ich da in bondage-seilen einen knoten bilde, der langsam erkaltet und dabei knistert wie ein herd, aus dem man den kuchen genommen hat.
das wäre dann auch das erste mal gewesen, dass ich mir etwas breche und dann gleich: pik-as.
das überleben in dieser situation verdanke ich einen ehemaligen erheblichen gummibärchen-konsum. es hat schon etwas bedeutendes, wenn man von sich behaupten kann: gummibärchen retteten einst mein leben (so wie sie einst meine nase retteten, als ich von einer gruppe barbaren zusammengedroschen wurde, die nicht akzeptieren konnte, dass ich sie weiter und weiter beleidige, solange mein maul nur geschwollen und nicht zugenäht ist. ich selbst konnte weiter nichts tun, als jemandem das ohr abzureissen - und immer weiter zu höhnen). gummibärchen stärken die knochen, sie machen sie nicht nur hart, sondern auch elastisch. früher beherrschte ich einen trick: ich konnte türen mit dem kopf einrennen. das klappte freilich nicht bei türen mit sicherheitsschlössern, aber immerhin war es spektakulär genug, selbst bei altmodischen.
gestern versuchte ich einen knoten, bei dem man sich selbst fesselt und aus dem man mit eigener hilfe nicht mehr entkommen kann. einfach nur, um zu sehen, ob das stimmt. und es stimmte! die einzige möglichkeit, als ich da so schwebte, war, sich auf den kopf allen zu lassen, der sowieso nach unten hing. und das tat ich. jetzt schmeckt mir nicht einmal der kaffee, aber wissen sie was: ich musste tränen lachen, so lustig fand ich das ganze.

13.51

der zurückliegende monat war, was den besucherstrom betrifft, der höchste des ganzen jahres. erstaunlich, wo ich eigentlich letzen monat bereits mit einem abflauen rechnete. nach der lesung in bern schnellte der pegel gewaltig nach oben. ich glaube, einige, die da erwarteten, die seriöse seite eines erzählers vorzufinden, traf der schlag, als sie erkennen mussten,dass meine bandbreite ausgesprochen riesig ist und ich, was den blog betrifft, zum schabernack neige - und dass mir mein image völlig schnuppe ist. man erwartet ja immer einen heuchler und heuchelei ist etwas, das in meinem fall mit dem mutterkuchen im geburtsabfall verschwand.

13.57

ach ja: sex. habt mehr sex! los gehts!

17.44

Lookin’ up at the big sky
What do I see
A thousand years of bullshit
Comin’ down on me

- D. Wyndorf

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Sep 30 2007

Zwei Dinge

Eingestellt von michael perkampus in sentenzen

Ein Prosalappen und ein Gedicht sind in etwa identisch mit Bier und Korn.

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Sep 29 2007

Das Ziggurat Babylons

Eingestellt von michael perkampus in babylon

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zikurat.jpg

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Sep 28 2007

Tendenzen 15- Poe & Tausendundzweite Erzählung - 2. Teil

Eingestellt von andre thom in tendenzen

[...]

Nachdem der wackere Monarch unvermeidlich jeglicher Gelegenheit beraubt worden war, sein Gelöbnis zu halten und zwar durch einen Zeitraum von nicht weniger denn tausendundein Nächten, beschloss er den Zolltarif, mit welchem die Schöne und allzu geschwätzige Schehrezad belegt war, aufzuheben.
„Meine teure Schwester“, so sprach sie in der tausendundzweiten Nacht (und Poe zitiert an diesem Punkt den Text des „Sachmirdoch-Istesso“ verbatim), „meine teure Schwester“, sagte sie, „nun, da die kleine Diffizilität mit dem Erdrosseln sich verflogen hat und die abscheuliche Schönheitssteuer so glücklich aufgehoben ist, fühle ich, dass ich mich an einer groben Rücksichtslosigkeit schuldig gemacht habe, indem ich dir und dem Könige (welcher schnarcht – ein Ding, das eines gebildeten Herrn recht unwürdig) den vollen Schluss der Geschichte von Sindbad dem Seefahrer vorenthielt. Dieser Mensch durchlebte noch zahlreiche andere und interessantere Abenteuer, als jene waren, welche ich erzählte. Doch ist es ja selbst jetzt noch nicht zu spät, meinem großen Versäumnisse abzuhelfen.
Hierob äußerte die Schwester Schehrezads, wie dem „Sachmirdoch-Istesso“ zu entnehmen ist, nicht eben sonderlich begeisterte Dankbarkeit; doch der König ließ schließlich, nachdem er hinreichend gekniffen worden, von seinem Schnarchen ab und sagte „Hem!“ und sodann „Ho!“, als die Königin auch schon, indem sie diese Worte (welche Poe für Arabisch hält, sicher aber eine vorzeitliche und längst verschollene Sprache) dahingehend verstand, sie seien der Versicherung, dass er ganz Ohr sowie nach besten Kräften bemüht sein wolle, nicht fürder mehr zu schnarchen, - als die Königin, so sagte ich, nachdem sie diese Dinge zu ihrer Zufriedenheit geregelt, auch schon ohne weiteren Verzug mit ihrer Geschichte von Sindbad dem Seefahrer folgendermaßen anhob:
„Im höhern Alter schließlich“, (dies sind nun die Worte Sindbads selber, wie sie von Poe, nein, dem Sachmirdoch-Istesso, nein, der Schehrezad nun nacherzählt wurden), - „im höhern Alter schließlich und da ich mich so mancher Jahre der Geruhsamkeit zu Hause erfreut, ward ich auf einmal von neuem besessen von dem Wunsche, fremde Länder zu besuchen; und eines Tages packte ich, ohne nur ein Mitglied meiner Familie mit meiner Absicht bekannt zu machen, einige Bündel zusammen und ging hinab zur Küste, um der Ankunft irgend eines Fahrzeugs zu harren, das mich aus dem Reiche fort und in irgend eine Region bringen möchte, die ich noch nicht erforscht. Allein durch mehrere Stunden hin wollte sich kein Schiff zeigen. Schließlich däuchte es mir, als vernähme ich fern ein seltsames Summen und Sausen, in kurzem ward es noch vernehmlicher und darauf immer noch lauter. Schließlich entdeckte ich am Rand des Horizonts einen schwarzen Fleck, welcher in rasender Schnelle an Größe zunahm, bis er als ein riesiges Ungeheuer erkennbar wurde, das mit einem großen Teil seines Leibes über der Oberfläche des Meeres schwamm. Es kam auf mich zu mit schier unfasslicher Geschwindigkeit, warf ungeheure Wogen von Gischt um seine Brust und beleuchtete den ganzen Teil des Meeres, den es durchschnitt, mit einer langen Linie Feuers, welche bis weit hin in die Ferne zurück reichte. Seine Länge war gleich der von drei hohen Bäumen und breit war es wie der große Audienzsaal in deinem Palast, o du erhabenster und großmütigster der Kalifen. Sein Leib war dem gewöhnlicher Fische ganz unähnlich, fest wie ein Felsen und von pechener Schwärze. Der Bauch, der unter der Wasserfläche lag und den wir nur dann und wann flüchtig zu schauen bekamen, denn das Monstrum hob und senkte sich mit den Wogen, war vollkommen mit metallischen Schuppen bedeckt. Der Rücken war flach und nahezu weiß und von ihm ragten sechs Flossenstachel empor, so lang wie der halbe Leib. Es war mit wenigstens vier mal zwanzig Augen ausgerüstet, welche aus ihren Höhlen hervortraten wie die der grünen Libelle und in zwei Reihen, eine über der andern, rund um den Leib verliefen, parallel zu einem blutroten Streifen, welcher dem Zweck einer Augenbraue zu dienen schien. Das Monstrum besaß weder Flossen noch Schwimmhautfüße oder irgendeinen Segelähnlichen Auswuchs, kurz: seine Fortbewegung war mir rätselhaft.
Mein Entsetzen beim Anblick dieses scheußlichen Dinges war überaus groß; doch übertroffen ward es schier noch von der Verwunderung, welche eine Unzahl Lebewesen auf dem Rücken der Kreatur bei mir auslöste. In Größe und Gestalt den Menschen nicht unähnlich, nur dass sie keine Gewandung trugen (wie Menschen tun), sondern mit einer hässlichen, unbequemen Hülle ausgestattet waren, welche zu gutem Teil doch ganz wie Tuch anmutete, jedoch den Leib so hauteng dicht umschloß, dass sie die armen Schelme auf das lächerlichste plump machte und tölpelhaft und sie ersichtlich bittere Pein leiden ließ. Hoch oben auf ihren Köpfen waren quadratische Schachteln angebracht, die ich zuerst für eine Art Turban hielt, welche aber sicher dem Zwecke dienten, durch ihr großes und schweres Gewicht die Köpfe der Lebewesen standhaft und sicher auf den Schultern zu halten. Um den Nacken trugen die Geschöpfe schwarze Halsbänder, zweifellos ein Zeichen der Knechtschaft, wie wir sie Hunde tragen lassen.
Als das Monstrum die Gestade schon fast erreicht hatte, ließ es eines seiner Augen ganz unmäßig lang hervorquellen und entsendete aus ihm einen erschrecklichen Feuerblitz, begleitet von einer dichten Wolke Rauchs und einem Krach, welchen ich mit nichts als nur dem Donner vergleichen kann. Als der Rauch sich verzog, stand eines der wunderlichen Menschenwesen nahe dem Kopf des riesigen Biestes, eine Trompete in der Hand, durch welche es sich alsbald in lauter, mißtönend widerlicher Rede an mich wendete.
Diese ganze Szene bestimmte mich, alsbald die Beine in die Hand zu nehmen und ohne auch nur einmal noch hinter mich zu sehen, rannte ich in voller Schnelle hügelan dahin.
Derweil war ein Schwarm dieses Menschengeziefers mit Booten ans Ufer gekommen um mich zu verfolgen, so dass ich schon sehr bald eingeholt, an Händen und Füßen gebunden und hinüber auf die Bestie geschafft war, die unmittelbar darauf wieder hinaus auf die hohe See schwamm.

[...]

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Sep 27 2007

Das Pariser Mysterium (2)

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

Die „Equipe Propheta“ erschien 1992 im Gideon-Verlag. Die ersten hundert Exemplare hatte ich alle handsigniert. Durch meine permanenten Lesungen zwischen Heilbronn und Würzburg hatte ich für meine Verhältnisse plötzlich viel Geld. Für einen Auftritt bekam ich etwa 200 Mark. Und dann geschah das Ungeheuerliche: Kurz vor der Lesereise im Saarland, war Harald Frey nicht mehr aufzufinden, bis er eines Tages anrief und mir mitteilte, daß er nicht mehr für mich arbeiten könne, da er gerade Urlaub mache. Es war in der Tat nicht so, daß es mir sehr viel ausmachte, sollte er Urlaub machen. Ich kam schon zurecht. Meine Gleichgültigkeit änderte sich allerdings, als mir gewahr wurde, daß unsere Kasse ebenfalls Urlaub machte und wir alle nicht einmal einen Pfennig hatten, um überhaupt irgendwohin zu fahren.

Ich ließ alles liegen und stehen und ging wieder nach Paris, trampte über Metz, fuhr von da mit dem Zug, indem ich mich auf dem Klo versteckte. Aber es kam niemand. Mitten in der Nacht kam ich an und schlug mich bis zum Champ du Mars durch, der Park, in dem der Eifelturm stand. Dort in den Büschen lag allerlei Gesindel, Obdachlose, Rucksackreisende, Perverse. Dort wollte ich meine erste Nacht verbringen, bevor ich mich aufmachte, den Flammenden Bert zu finden.

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Sep 27 2007

September, Siebenundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

13.04

alternative weltgeschichte (monolog rodriguez)
rodriguez, der als freund adams gezeichnet wird, führt auf die tatsächliche figur norbert x zurück.
im roman klopft rodriguez mitten in der nacht an adams fenster und erklärt ihm, dass er verfolgt würde. kurz darauf verschwindet er spurlos.
die tatsache betrifft ein ähnliches phänomen: als ich in isny in einem studentenappartement hauste, klopfte gegen drei uhr morgens norbert (er hatte rebecca dabei) wie verrückt an mein fenster, das ebenerdig nach hinten hinaus lag. ich sagte all meinen besuchern, dass sie ab zehn uhr abends lieber nicht klingeln sollten, weil die glocke durchs ganze haus schepperte.
norbert, den alle blusi nannten, erzählte mir zwar keine alternative weltgeschichte, aber er erwähnte genau das: er fühle sich verfolgt. seine geschichte betraf den sog. isny-fluch, eine nicht minder haarsträubende erzählung. es ergab sich, dass er nicht wenige wochen nach diesem merkwürdigen besuch einen nicht minder mysteriösen tödlichen verkehrsunfall erlitt, über den ich mich hier allerdings nicht auslassen möchte.

19.57

wer so oft ananas schneidet wie ich, fragt sich eines tages, ob man nicht einen ent-ananasser erfinden sollte.

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Sep 26 2007

Bad Mergentheim (1991)

Eingestellt von michael perkampus in alte notizen

Dann kam die Energie. Konzentration auf mich, Sekunden der absoluten Verblüffung, ich halte die Welt der Menschen für einige Zeit an. In diesen Augenblicken nehme ich mir einen Teil ihrer Energie. Tatsächlich funktionieren die Tricks der Gurus ähnlich, wenn sie ihrem Umfeld Energie entnehmen. Diesen Energieaustausch hatte ich mit Marion einstudiert, Tiefenpsychologische Experimente, die nicht ganz ungefährlich waren, hier aber nur ein kleiner Spaß im Vorfeld. Schön war es, wie sie uns Platz machten. Ich brüllte einfach unsäglich, keiner hätte es gewagt, uns anzusprechen. Der erste, der mich erkannte, das war tatsächlich Herr Habermann, der dann auch gleich auf mich zustürzte und wie ein verrückter winkte. Ich hörte auf zu brüllen, vielleicht hatte er mir etwas Wichtiges Mitzuteilen.
Er wirkte ganz aufgelöst. „Sie können doch nicht so hier auftauchen!“
Ich tat so, als verstand ich nicht, was er damit meinte.
„Kommen Sie mal mit!“ Er drehte sich um und seine Körpersprache verriet, daß ich ihm folgen sollte, also begann ich wieder Nietzsche zu brüllen und marschierte los.
„Hören Sie auf!“ Und dann: „Bitte!“ Er wirkte heute gar nicht so souverän wie noch vor kurzem. Es war nicht zu übersehen, wie unangenehm ihm dieser Auftritt war. „Sie können unmöglich in diesem Aufzug hier lesen. Die Presse ist hier und einige Schüler…blah blah blah.“
Er haßte es, angestarrt zu werden. Ich liebte es, angestarrt zu werden. Mexikanisches Unentschieden. Er hatte die Absicht, mich einer der Ausrichterinnen vor zu stellen. Rebecca Breiß, tatsächlich mit der Absicht, mich aus dem Wettbewerb zu streichen.
Die kleine Lesebühne hätte unsere Kulisse tatsächlich nicht getragen und viel Platz zum herumhüpfen gab es ebenfalls nicht. Alles schien darauf ausgerichtet zu sein, ein nettes Ambiente zu schaffen. Rechts neben der Lesebühne gab es eine kleine Tür und durch die schlüpften wir frohen Mutes.
„Das ist jetzt der Herr, von dem ich die letzten Tage erzählte.“ Was für eine Ankündigung.
Da standen sie, die drei Schreckschrauben der Main-Tauber-Literatur: Rebecca Breiß, Karin Wohlschlegel und Tamara von Röttingen.
„Was sind das für Leute?“ fragte Rebecca.
Habermann fuchtelte mit den Händen. „Das ist der Perkampus.“
„Ja, aber was sind das für Leute?“
„Diese Leute sind für mein leibliches Wohl zuständig“, sagte ich.
„So wollen Sie lesen, junger Mann?“ Tamara.
„Ja. So lese ich. Es behindert mich keineswegs.“
„Aber warum?“ Rebecca.
„Weil ich eingeladen wurde, zu lesen.“
„Ja, schon, aber warum sie sich dazu kostümieren?“
„Wir haben alle Kleidung an, wie ich sehe, von mir aus können wir uns alle entkleiden.“
„Sehen Sie“, mischte sich der Studienrat ein, „mit ihm kann man nicht recht reden. Ich sagte es ja, ich sagte es ja, und seine Gedichte, da…“
„Wir haben sie alle gelesen“, unterbrach Rebecca. „Na, wenn es dem jungen Mann Freude bereitet. Ein wenig Theater schadet niemals, wie ich meine.“ Das paßte dem Habermann nicht im geringsten. Ich bekam sogar noch einen Sekt gereicht.
„Aber wollen Sie denn alle zusammen auf diese kleine Bühne?“
Ich verneinte. „Aber wenn es gestattet ist, dann würde ich gerne so lange in deren Obhut bleiben, bis ich dran bin.“
“ Wollen sie ihre Kollegen denn nicht kennenlernen?“
Ich schüttelte heftig den Kopf. „Nein, wirklich nicht. Ich will so lange hier bleiben, bis ich dran bin.“
Man fand das wohl seltsam, aber beließ es dabei.

Fünf Leser, ich der dritte. Jeder zehn Minuten. Zwanzig Minutenlang das langweiligste Geseiber, das man sich vorstellen kann. Ich erinnere mich an die „Liebesgedichte vom Mars“ von Marko Polland. Nach jeder Zeile baute er irgendwelche Aufschreie ein. Aii, Iii, Huaii usw. Charles zog mir den Lidstrich nach und dann torkelte ich von hinten über eine Treppe auf das Pult zu. Klar war ich mittlerweile schwer angeschlagen. Die Leute starrten mich an und ich starrte zurück. Die meisten von ihnen konnten es wirklich nicht fassen. Ich wartete genauso lange, bis es langsam unruhig wurde. Solange blieb ich stehen und starrte auf einen imaginären Punkt.

„Düstere Wiederkehr!“ Jetzt war es soweit. Ich hatte begonnen und wenn ich einmal begann, dann steigerte sich das bis zum Ende hin in ein Inferno. Damals noch, heute lese ich wesentlich ruhiger.
„… lege dich an meine Brust und webe mir die Schleier…“ Dieser Satz, noch mit der Strophe verbunden, leise gegurrt, die beiden Widerholungen am Ende des Gedichts infernalisch gebrüllt, die rechte Hand im Krampf nach vorne gewunden.

„Der Pan und die Jungfrau!
…wir fantasieren uns die Welt und merken nicht, daß es Fieberträume sind, die unser letztes Zucken begleiten… Ekstase zeugst du mir, dein nacktes Fleisch, das pochen deines Blutes, jung und rot wie Wein… der Glanz deiner Augen, die nur verstohlen auf den Phallus blicken…der Pan wir deine Lust zu einem Leben erwecken, welches nimmersatt sich räkeln wird in deinen Schenkelträumen…du trinkst den ersten Samen und bist sicher vor den Häschern, denn du warst mein Weib…!“
Mittlerweile hatte ich mich derart in Rage getrieben, daß ich hin und her schaukelte, als ich dann wieder auf das Pult stürzen wollte, ein neues Blatt zu nehmen, um zum Schlußakt auszuholen, hatte ich zuviel Schwung und viel mit dem Lesepult vornüber von der Bühne. Während des kurzen Fluges wollte ich über das Pult hinwegspringen, aber es gelang mir nicht und ich blieb mit den Beinen hängen, so daß ich mir beide Handgelenke verstauchte.
Vielleicht war es ein Zeichen, daß Rebecca Breiß als erstes bei mir war.

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Sep 26 2007

September, Sechsundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

12.13

Babylon war wie ein verschwommener Zug, der am Horizont vorbeihastete und hinter diesem dickem Nebel verschwand, der sich wie Milch im Kaffe der Nacht ausbreitete. Babylon war die perfekte Mischung aus Utopie und Historie, ein Gleichnis für die Archäologie und die Menschheit insgesamt – viel näher als ein anderes Paradies, viel wirklicher als eine erfundene Hölle. Alle anderen großen Städte danach waren lediglich eine Kopie des unfassbaren. Die Stadt war uralt. Sie war so alt, daß nicht einmal die Patriarchen… ihre Uranfänge kannten. Hier begann der Mensch, zum ersten Mal Steine aufeinander zu schichten.

Zwei Plätze: Babylon/Schwarzenhammer
Zwei Flüsse: Euphrat/Eger

Letzte Tätigkeiten: Arbeitsmaterialien, Unterschiedliche Visionen Babylons, alte Fotografien der Hammermühlen, Karteikarten verknüpfen

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Sep 26 2007

Die Flüsse

Eingestellt von michael perkampus in babylon

euphrat

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eger

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