Tendenzen 6- Um-Stürzen
Nun wollte ich diese Woche eigentlich einen Brief des Archdeacon Dodgson an seinen Sohn Charles Lutwidge Dodgson, bekannt als Lewis Carroll, feilbieten oder noch einen Nachtrag zum letzten Freitag liefern (mir ist da nämlich etwas Außerordentliches begegnet!), da machte mir diese Ankündigung von Michael Perkampus einen Strich durch die Rechnung. Pures Entsetzen: das darf doch nicht wahr sein; mein Kehle verschnürte sich wollknäuelig. Also lasse ich das mit Lewis Carroll, lasse auch gleich alle Meinungen, Vermutungen oder Beschwörungen zu dieser Ankündigung beiseite.
Wir wissen doch alle, wie es dazu gekommen ist, die Mondfabrik, der Agent Seyerlein…
Wir müssen uns etwas einfallen lassen!, einen Perkampus-Apparat, der seine Arbeit fortführt, ein vorgetäuschter Tod, ein Putsch, tausende von Affen die endlos Tippen (da wird schon ein Perkampus mit dabei sein), eine Flucht in den Untergrund zu den Maulwurfsmenschen!
Zunächst erstmal müssen wir etwas umstürzen, das ist ganz klar und längst überfällig. Beginnt mit den Mülltonnen, der Dreck, unser Dreck, schmeißt ihn um, lasst ihn auf die Straße rollen, kein Auto soll mehr durchkommen! Etwas muss umgestürzt werden, eine Flasche Wasser, eine Schachtel Zigaretten (ach, lasst es, man muss sie ja erstmal hinstellen, völlig absurd!), eine brennende Kerze, Kühe oder was auch immer.
Nun, nachdem ich die Nachricht etwas verdaut, den Müll eingesammelt, die Flasche wieder aufgerichtet (Durst!), die Schachtel wieder aufgestellt und sorgsam zurückgelegt, den brennenden Teppich gelöscht und mich bei der Kuh entschuldigt habe, bleibt nicht viel übrig: etwas Trauer, etwas Wut und ja, ich gestehe, auch etwas Häme. Nun, was solls, ich jedenfalls hoffe, dass dies in der Zukunft, zurückblickend, als Farce dastehen wird und dieser Typ noch immer schreibt wie bisher, oh, wie ich das hoffe.
Ansonsten werde ich jetzt diesem Rat folgen und schweigen, alles schweigen.


