Archiv von Juni, 2007

Jun 30 2007

Juni, Dreissig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

16.27

Ich habe viele arbeiten in die nähe des nouveau roman gerückt, vielmerh aber, um zu demonstrieren, dass ich gewillt bin, etwas völlig neues zu schaffen. Ich sprach an anderer stelle von einem labyrinth; das ist wahr in seiner symbolik.
Anwendbar ist jedoch längst nicht mehr eine gattung. Ich habe mich gegen den roman stets verwehrt als minderwertige literarische form, um justament diese bezeichnung zu bearbeiten, sehr fahrlässig unterlegte ich den begriff mit aperçus.
Es ist ein irrtum, dass literatur, wie es gerade gäbe ist, für jedermann leicht verständlich zu sein habe. Die avantgarde hat keine angst davor, wo sie hingeraten könnte - freilich ein begriff, den man heute sehr verpönt und wo es geht, lächerlich zu machen trachtet. Um sie mundtot zu machen, versucht man seit geraumer zeit, die avantgarde als einen epochenbegriff einzusetzen und in den köpfen fruchtets langsam, in deutschland, dem ort, wo es keine literatur mehr gibt, leichter als in literarischen ländern.
So wirkt antiquiert, was an der spitze steht. Das ist ein sehr gelungener psychologischer effekt. Die dummheit ist dabei ein gar nicht so grosses problem wie die orientierungslosigkeit. Man kann den zorn der internationalen intelligenz förmlich spüren: eine neue machtlosigkeit hält das ruder fest in der hand. Über kommerz soll also die kunst attraktiv gemacht sein, die unteren sprachschichten beginnen sich nun ebenfalls damit zu befassen und sind beglückt, dass sie etwas zu verstehen scheinen. Deutschland hat ja nicht umsonst den ruf einer tupperwaren-literatur. Alle sind selig und lesen sich vor, das plastik rührt sie nicht. Man ist geneigt, ein kinderbuch zum erfolgreichsten werk des noch jungen jahrhunderts zu ernennen. Hat man sich je gefragt, wohin diese jungscharen flüchten? Sind sie nach Harry Potter nun endlich präpariert für den Faust, um festzustellen: DIE kannten das ja schon vor uns. Das leben im mysterium reimt sich. Aber so wie sich auf rot nicht kot reimt, sondern liebe (zugegeben, der rein rot/liebe hinkt, wenn es um die vokale geht; jeder würde mir bestätigen wollen, dass es sich hierbei um eine assoziation handelt und nicht um einen reim.
Damit ist meine ganze literatur erklärt: jemand kommt und sagt, es wäre assoziation, gar anaolgie, um beim blödsinn zu bleiben - und kein reim, ohne zu verstehen, dass die assoziation DER reim ist. Da wäre ein weiterdenken erforderlich.

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Jun 29 2007

Juni, Neunundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

13.22

“Es bräuchte kein Gold, hätte Gott nur den Frauen einen besseren Blick für ihr Interesse gegeben. Was macht den Mann zum Liebhaber, wenn nicht Feuer und Phantasie? Und für wen sind Feuer und Phantasie das eigentliche Betriebskapital, wenn nicht für uns Poeten? Woraus erhellt, dass von allen Menschen der Poet der begehrenswerteste Liebhaber ist: wenn seine Geliebte schön ist, werden seine Augen sich ihrer Schönheit am meisten erfreuen; ist sie es nicht, so hat er die Phantasie, die den Mangel am besten wettmachen kann. Wenn sie ihm missfällt und er sie kurzerhand davonjagt, so hat sie wenigstens für eine Weile das Beste gehabt, das eine Frau sich erhoffen kann; gefällt sie ihm, so wird er vielleicht ihre Schönheit für alle Zeiten in Versen verewigen, wo weder Alter noch Pocken ihr etwas anhaben können.
Und so wie die Poeten als Kategorie in dieser Beziehung begehrenswerter sein müssten als alle anderen Männer, so sollte der beste Dichter sich auch als der beste Liebhaber erweisen; wären die Frauen auf ihr Interesse bedacht, würden sie sich’s zur Lebensaufgabe machen, einen Poeten aufzuspüren und ihm und ihm, wenn sie ihn gefunden haben, unverzüglich bebend ihre Gunst auf den Schoss - nein, auf den Schreibtisch - zu legen und ihn zu bitten, sie freundlich aufzunehmen.”

Ben Oliver in “Der Tabakhändler” von John Barth

Da wir schon dabei sind: In der tat habe ich nie etwas anderes erlebt, als dass die begehrenswertesten frauen sich gerne für einen poeten spreizen.

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Jun 28 2007

Juni, Achtundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

11.47

Wir sind unsere eigene gegenwart im fließen der zeit. Alles andere ist erzählung, doch nichts daran sind schichten, nichts ist zählwerk. Wahrnehmung ist permanez.
Jeder mensch erzählt sich ohne unterlass seine geschichte. Während des schreibens endet das erzählen, wie es abläuft, wenn man nicht schreibt. Wer aufhört zu erzählen, stirbt.

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Jun 28 2007

Tendenzen 2- Boris Vian und Vernon Sullivan

Eingestellt von andre thom in tendenzen

Heute eine kleine Absurdität über die ich ebenfalls bei der Lektüre von Philippe Boggios Buch über Boris Vian* gestolpert bin, das Kapitel ist mit „Der Kreuzzug des Daniel Parker“ überschrieben.

Zur Einführung: Nach dem 2. Weltkrieg dürstete Frankreich nach allen amerikanischen Einflüssen, besonders amerikanische Bücher, hauptsächlich Kriminalromane, waren gefragt, aber rar. Gegen Ende 1946 überlegte Jean d`Halluin wie er seinen jungen Verlag, Le Scorpion, an die Oberfläche der Wahrnehmung durch die Massen holen könne, er brauchte einen amerikanischen Roman. Zufällig traf er Boris Vian und seine schöne Frau Michelle vor einem Kino auf den Champs-Élysées; Boris Vian, der von der amerikanischen Kultur schon immer begeistert war, vor allem vom Jazz, bot sich schnell an, ihm ein solches Buch aufzutreiben, nein, besser noch und dazu ein großartiger Scherz: er würde einen amerikanischen Thriller + dazugehörigen Autor erfinden. Man vereinbarte absolutes Stillschweigen, selbst der Verleger und recht guter Freund Gaston Gallimard durfte nicht eingeweiht werden. So entstand „Ich werde auf eure Gräber spucken“, veröffentlicht 1946 und zu Beginn, wie alle Werke Vians, durch öffentliche Missachtung gestraft.

Der erfundene Autor, Vernon Sullivan: ein Ex-GI, ein schwarzer Amerikaner, der die „Schwelle“ zum Weißen überschritten hatte und seinen Aufenthalt in Frankreich nutzte um sein Manuskript unterzubringen. Er übergab es Boris Vian zum Übersetzen, da es in seiner Heimat sicher nicht veröffentlicht würde, nun befinde er sich wieder in Amerika, unter falschem Namen natürlich, um Restriktionen zu umgehen. Im Großen und Ganzen war die Illusion perfekt, obwohl natürlich schnell die Gerüchteküche um diesen mysteriösen Autor überkochte, man ahnte irgendwie die Finte, Boris Vian war für seine Scherze und Lügen bereits stadtbekannt.

Das Buch konnte zu keiner günstigeren Zeit erscheinen, Henry Millers „Wendekreis des Krebses“ ging durch die Presse, das Cartel d’action sociale et morale, dem Daniel Parker vorstand, griff mit allen Mitteln dieses und andere Werke von Miller an, man ging vors Gericht, gestützt auf ein Dekret „gegen Angriffe auf die Familie“, freilich brachte das ganze im wesentlichen nur eines: Millers Buch verkaufte sich prächtig, 250.000 Exemplare in wenigen Monaten, wurde dann aber mehr oder weniger freiwillig von Gallimard aus dem Sortiment genommen. Schnell wurde auch Vernon Sullivans und Boris Vians Buch zu deren Zielscheibe, zur Freude von Vian und Jean d’Halluin. Die beiden schürten das Feuer wo sie nur konnten. Das Buch verkauft sich angesichts des öffentlichen Aufschreis hervorragend. Jedoch nagte der kommerzielle Erfolg dieses Scherzes an ihm, seine ernst gemeinten Bücher nahm kaum jemand zur Kenntnis, seine Erfindung Vernon Sullivan war in jedem Fall erfolgreicher als er. Die Situation spitzte sich infolge eines Vorfalls, den keiner voraussehen konnte enorm zu. Am 28. April 1947 erwürgte der Handelsvertreter Edmond Rougé seine Geliebte, Marie-Anne Mason, in einem kleinem Hotel nahe des Montparnasse-Bahnhofs, in dem sie sich zu treffen pflegten; seinen Leichnam fand man tags danach im Wald von Saint-Germain. Zum Festmahl für die Presse wurde das Ganze, weil man auf dem Bett neben dem Leichnam auch ein Exemplar von „Ich werde auf eure Gräber spucken“ fand.

„Mann erwürgt Geliebte – Lektüre stiftet ihn an“, titelte die France-Libre, „sein schwacher moralisch haltloser Geist unterlag mehr mehr als der anderer der Suggestivkraft dieses Buches“, meinte France-Soir. Man behauptete schlichtweg, der Roman sei an einer Stelle aufgeschlagen gewesen und gewisse Zeilen darin unterstrichen wurden, nämlich: „… und meine Hand hat sich um ihren Hals geschlossen, ohne daß ich mich daran hindern konnte.“

Das wurde nun zuviel für Vian, die ganze Sache schien außer Kontrolle, der Vorfall spielte Daniel Parker und seinem Verein in die Hände, das ganze hatte mit Literatur und seinem zu Beginn harmlosen Scherz kaum noch etwas zu tun, der Name Boris Vian wurde nun mit einem Mord in Verbindung gebracht. Jean d’Halluin gefiel das prächtig, er ließ nachdrucken. Nun blieb Vian wenig übrig, er musste weiterhin leugnen das Buch geschrieben zu haben, seine Frau flehte ihn darum an und nur sehr wenige Personen haben in den nächsten Jahren die Wahrheit über den Autor dieses „skandalösen“ Romans erfahren. „Einzig [Raymond] Queneau konstatiert zufrieden diese Lawine von Beweisen für die allgemeine Dummheit.“

P.S. Ein etwas dürftiger Schluss, nicht wahr? Nach diesem vortrefflichen Satz musste ich aber einfach enden. Wie die ganze Geschichte ausging? Na gut, wenn es denn sein muss: er musste eine Geldstrafe zahlen, das Buch war kurzfristig verboten, brachte ihm aber eine ganze Menge Geld ein, Boris Vian und Vernon Sullivan starben am 19. Juni 1959 in Paris.

* Philippe Boggio „Boris Vian“, Bruckner & Thünker Verlag, 1. Auflage 1995

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Jun 27 2007

Adam 04

Eingestellt von michael perkampus in pod-z-blitz


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Jun 27 2007

April, Siebenundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

12.47

Nachdem feinen Sit-In gestern mit Markus A. Hediger nun auf dem Weg nach Bern zu Hartmut Abendschein, auf den ich nun doch sehr gespannt bin.
Diese hierübers scheinen dann wirklich eine wunderbare Gesprächskajüte abzugeben. Und was den Durst betrifft, lieber Hartmut, so muss man sich da keine Gedanken machen; so manches Mal trinke ich nur ein einziges kleines Fässchen.

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Jun 27 2007

Juni, Siebenundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

Über die serie mundi: Nicht das fertige werk, sondern den prozess als höchstes werten, denn: ist ein werk nicht erst dann beendet, wenn das leben selbst sich aufmacht zu einem weiteren verlauf der ewigkeit? Die serie mundi zeigt den weg zur Mitte der Unendlichkeit auf, den roman, der zur eigentlichen quelle wird; die unterschiedlichsten szenen spuckt er aus, und diese kehren zurück, wenn es die zeit vorsieht.
In Adam erfährt der auftakt sein allglänzendes ich, einen gedankenschöpfer, der die imagination zum höchsten gut erklärt. Er, der einzige mensch, erinnert sich, daß eine göttin seinen raum verließ; die will er suchen und unter spukgebilden macht er sich daran nach Babylon zu gelangen. Nicht schwer für ihn, den gedankenschöpfer.

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Jun 26 2007

Adam 03

Eingestellt von michael perkampus in pod-z-blitz


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Jun 26 2007

Adam 02

Eingestellt von michael perkampus in pod-z-blitz


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Jun 26 2007

Juni, Sechsundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

14.18

Diese allmacht der augen. Ich sehe mich wie folgt darin um:
Ein donner rührt sich trocken.

15.23

Nicht eingreifen ins wahrscheinlich. Das wunder fordern. Unverstehbar bleiben, menschen auslachen, einen pudding kochen.
Wenn man sichs von fern betrachtet…
Zu Baba Yaga gehen für einen trank, aber auch wieder fortkommen.

Sehen sie, das ist die pflicht der dichter: keine.

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