Babylon

Michael Perkampus
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Artikel der Kategorie Mai, 2007

Caraco

Mai 24, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: poetakas Noch keine Kommentare →

Obwohl es die Moral nicht zugibt und es nicht zugestehen kann, der beste Mensch auf Erden ist weder tugendvoll noch pflichterfüllt, weil Pflicht und Tugend uns nicht angeboren sind, sie Tugend eignen wir uns zu, der Pflicht obliegen wir, und beide schüren die Unmenschlichkeit, an welcher sich unser Gewissen weidet.

Nur Eros kann uns mit der Welt versöhnen, die Welt ist ohne Eros unhaltbar, der Geist allein verödet alles.
Ich halte wenig Stücke auf Agape, nur Eros sagt mir zu. Agape bleibt weltfern und schmucklos, Kunstwerke kann sie kaum bewirken, sie ist dem Fleisch untreu, das Innenleben, das sie fördert, lässt äußere Hässlichkeit bestehen.

Aus dem Aufsatz “Mein Bekenntnis” von Albert Caraco

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Mai, Vierundzwanzig, Sieben

Mai 24, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

18.20

Wenn ich dem Weg folge, der zu jenem Geschäft mich bringt, dort ich in den Besitz böhmischen Biers komme, legt sich zur rechten Seite eine Umfriedung in die Landschaft, in der sich ein öffentliches Bad befindet, eine Installation, der ich misstraue. Doch heute spielten dort die Mädchen halbnackt Volleyball auf Boden, sandig und Pärchen beugten sich übereinander und am Zaun sass einer vor seiner kleinen Göttin und blickte sie voller Geilheit an, während sie sich die Zehen knetete und es gar nicht zu bemerken schien.
Ich blieb dort etwas länger, ein öffentlicher Voyeur und dachte an die Menschen, die zu einem gewissen Teil aus dem Wasser stammen. Dort steckt die Erinnerung an ihre erste Wollust. Dort trank ich das erste Bier des Tages auf nüchternen Magen und begann zu visionieren.

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Witkiewicz

Mai 23, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: poetakas Noch keine Kommentare →

Der Glaube an den Sinn des Lebens ist nur ein Ausweg oberflächlicher Menschen. Mit dem Bewusstsein der Irrationalität des Daseins zu leben, als wäre es rational - das ist noch respektabel.
Das liegt zwischen Selbstmord und gedankenloser Viehischkeit. Alles, was tief ist, entstand nur aus endgültiger Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

- DS.I. Witkiewicz, 1930

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Reagenzaktion

Mai 23, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: sentenzen Noch keine Kommentare →

Aus der Deformation erwächst die Expression.
Der Künstler muss das Reale verzerren. Realität irrt immer, ist Irritation.

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Mai, Dreiundzwanzig, Sieben

Mai 23, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

14.55

Mail an Bernd Mattheus. Buch von ihm heue im Briefkasten: “Ich gestatte mir die Revolte”. Man kann froh sein, dass es Antiquariate gibt, sonst wüsste man nicht, wo man etwas zu lesen herbekommen soll. Nicht zuletzt zeigt mir Bernd Mattheus, dass es auch in Deutschland nicht nur feige, bigotte und angepasste Idioten gibt, sondern Autoren, die ich lesen muss.

17.12

Auswahl für den nächsten Podcast. Ähnlich der Nr. 7, diesmal jedoch Prosa.

18.03

Unsere Sprache ist voller Falschheit. Wir müssen eine andere Sprache finden oder aber das, was der Mensch gewöhnlich spricht, völlig zerschlagen.

18.06

als wir damals hand in hand nicht schuldig waren

22.46

Weitere Umräumaktion. Bin, wie immer, wenn ich nicht den ganzen Tag schreibe, ultraaggressiv.

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Mai, Zweiundzwanzig, Sieben

Mai 22, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

13.58

Zunächst Kaffee organisieren, also ziehe ich die erste Runde des Tages mit den Hunden. Finde
William Butler Yeats - Die geheime Rose, im Briefkasten. Werde das jetzt auch gleich durchlesen und danach weiter am Roman.

14.05

Jemand fragt mich, ob die Ochsen angeschürzt sind. Ich weiß nicht, ob ich antworte.
Der Kaffee ist fertig, ich beginne zu rauchen. Die ersten Gedanken stolpern über die Schwelle.

15.06

Pod-z-Blitz Hörer im vergangenen Monat: 4061

18.09

Gestern sah ich dich zum zweiten Mal, Minima. Du bemerktest auch mich, denn über die Fernwirkung, die du beherrscht, nimmst du Gesichter an, siehst nach mir, findest mich.

19.29

Die polternden Geister begonnen, das Kapitel gleich im Anschluss der Psychogrammatik.

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Mai, Zwanzig, Sieben

Mai 20, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

17.44

Begonnen, die Erstfassung der Mitte der Unendlichkeit zu gliedern. Gegen diesen Roman wird der Acheron, der, wie ich bereits einmal anmerkte, nur von mir selbst zu übertreffen ist, wie eine Fingerübung aussehen. Um jene zu beruhigen, denen sich schon wieder der Speichel im Munde vermehrt: Ich spreche hier von Kategorien, die jenseits jeglicher Begrifflichkeit liegen, die ich von Lesern dieses Blogs erwarten kann und werde. Und nun noch jene beruhigen, die das als Beleidigung betrachten wollen: Ich weiss wohl, dass nicht jeder, der hier herumfingert, ein literarisch zurückgebliebener ist; womöglich betrifft es nicht einmal einen einzigen. Was gesagt wurde, betont die Erwartung, die man nicht haben darf, wenn man ICH ist. Man kann sagen: keiner außer mir ist ich, doch selbst das könnte ein Irrtum sein.
Der Neuerwerb der Sprache:

Begonnen, die Erstfassung der Mitte der Unendlichkeit zu gliedern. Gegen diesen Roman wird sich der Acheron nicht gerade wie eine Fingerübung ausmachen, jedoch schwinge ich mich mit ihm von einem Thron zum anderen, dazwischen liegt nur Staub.

Ich schreibe einen neuen Roman. Aber es ist kein Roman, es ist die geforderte neue literarische Form (nicht in unserer Sprache gefordert). Der Acheron ist ein Vorwort.

Und wieder schreibe ich ein Buch, das mehr kann als ein Buch zu sein. Es ist der zweite Teil des Mysterium. Drei Teile hat das Mysterium.

Ich schreibe ein Buch. Es ist mein zweiter Roman. Es ist kein Roman. Wer könnte das verstehen?
Was ist das, was ich schreibe? Ich schreibe ein Buch.

Es ist vollkommen unmöglich geworden, zu schreiben. Wenn man es genau betrachtet, gibt es nichts zu schreiben. Deshalb schreibe ich ein Buch, einen Roman will ich es nennen, auch wenn das nicht zutrifft.

18.08

Ich werde nie wieder einen Roman schreiben, eine eigentlich völlig überholte Form.

20.52

Nach dem Regenschirm. Es ist Frühling. Ich habe einige Passagen am Hahn auf dem Mist geändert; möglicherweise beginne ich demnächst von vorne. Erheblich umgeschrieben wurde die Passage “Flaming Bert”. Die Kleinen Knüller haben ebenfalls Zuwachs bekommen. Es wäre also auch denkbar, daraus einige Erzählungen im Ganzen zu bloggen. Die Lyrik. Auch hier breche ich einiges um, wohl eher im Moment nicht. Obwohl ich Am Portal verschwimmend Sprachen noch fertig machen sollte. Dann wären die drei Teile 1. Gilde, 2. Traumsuche, 3. Portal, komplett in ihrer Erstfassung hier zu finden.
Da die Lyrik allerdings wenig Aufmerksamkeit auf sich zieht, spielt es jedoch keine Rolle.
Also zunächst Die Mostmägde, dann der Hahn.

20.59

Ich muss jetzt Bier trinken, sonst werde ich wahnsinnig.

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Postmodern, natürlich

Mai 20, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: apercus Noch keine Kommentare →

Bereits Horaz empfielt dem Dichter in seiner Epistula ad Pisones, fragmentarisch und unchronologisch zu erzählen. Hat er etwa in einem Anfall von Inspiration bereits die Postmoderne erahnt?
Freilich nicht, denn der postmoderne Roman kann noch viel mehr, nämlich sind seine Figuren so aufzufassen, dass sie dem Autor gestatten, sein eigenes Wissen und Material in der Form einer handelnden Figur im Text zu präsentieren.

Der Postmodernismus ist eine Ablehnung der objektiven Realität.
Lyotard versteht unter Metaerzählung alle philosophischen und sozialen Konzeptionen, die von der Möglichkeit ausgehen, dass man zu einem allgemeinen Verständnis der Welt und der Gesellschaft gelangen kann - einem wissenschaftlichen Verständnis, das dann die Grundlage für eine bewusste Veränderung der Welt liefern könnte. Lyotard lehnt jede Konzeption dieser Art strickt ab.
Giles Deleuze drückt es in etwa so aus:
“Was ich mehr als alles andere verabscheute, war der Hegelianismus und die Dialektik.”

Postmoderne situiert sich nicht nach der Moderne, sondern geht davon aus, dass die postmodernen Tendenzen schon in der Moderne enthalten sind und waren, aber nur verborgen. Postmoderne ist keine Anti-Moderne, da Pluralität schon vor der Moderne propagiert wurde, sie wendet sich jedoch konkret gegen die Einheitsbestrebungen der Philosophie und der Sozialutopien, in diesem Sinne Meta-Erzählungen.

Postmodern ist derjenige, der mit der irreduziblen Vielfalt der Denk- und Lebensformen bewusst ist und weiß, damit umzugehen. Das ist die zentrale Aussage der Postmoderne.
Wirklichkeit ist nicht homogen, sondern heterogen, nicht harmonisch, sondern dramatisch, nicht einheitlich sondern divers.

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Mai, Neunzehn, Sieben

Mai 19, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

Donnerstag, 19. April 2007