Archiv von März, 2007

Mrz 31 2007

Nicht angereist

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

16.20

Es ist natürlich unsäglich, dass ich nicht einmal etwas so einfaches wie eine Zugfahrt nach Bern hin bekomme. Müsste man darüber reden, erschienen die Details wie aus einem Trickfilm entlehnt.
Ich hätte gerne Markus A. Hediger und der Übergabe des Isla-Volante-Literaturpreises beigewohnt, zumal ich dort ebenfalls Hartmut Abendschein hätte treffen können.
Die Details verschweige ich jetzt, sie sind nicht zum aushalten.

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Mrz 30 2007

Oh grün Oh bunt

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

18.22

Der Balkon gibt einiges her. In den letzten Tagen also den Kräutergarten angelegt, die Anemonen und Triteleia gesetzt und Kübel für die Gladiolen besorgt. Leider ging mir gerade die Erde aus. Aber die Primeln, die ich bereits in Blüte gekauft habe, müssen ebenfalls noch umgesetzt werden.
Noch zu besorgen: Dahlien, Typ Mystery Day, einen Olivenbaum, eventuell drei grosse Strauchgewächse. Ziel: der durchgeknallteste Balkongarten.

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Mrz 29 2007

Susanne Englmyaer

11.40

Susanne Englmayer tritt der Lärmenden Akademie bei. Im Metablog ist nun ihr Over The Bones gelistet.

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Mrz 28 2007

Ich bezeichne dich nicht

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

Du bist mein und darin ertrinke ich, wenn ich kann, wenn ich an dich denken kann, wenn ich mir dich vorstelle, wie du von einem Fleck zum nächsten gehst und wie du dich bewegst dabei. Das Geräusch deiner Bewegung, wenn du nicht mehr bei Sinnen bist, wenn du glaubst, dass die Tore sich bald weit öffnen, große Tore – so groß wie hoch wie weit. Da kommen wir her, aus dieser Erinnerung. Alles explodierte zum ersten Mal und da kommen wir her. Doch alles explodiert zum ersten Mal und wir steigern uns nicht hinein. Es entsteht der Vorhang mit eisigen Nüstern. Der entsteht und noch viel mehr, mit eisigen Nüstern. Das Pferd von Füssli entsteht.
Du bist mein, und darin erkenne ich, dass noch nicht entschieden ist, welches Ich das suchende ist, das meinende ist. Dein Ich ein meinendes Ich, dich bezeichnet man nicht, ich bezeichne dich nicht.

* aus Freneter im Heissmond

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Mrz 27 2007

verlorene Dichter

Eingestellt von michael perkampus in alte notizen

(Mexiko 1993)

(auf einem Felsen sitzende Gestalt, in die Nacht lurend)
- Wir hatten nicht die Macht, die Revolution des Wortes zu vollenden. Der Wahn schlich sich der Dichter ein und meint: hier ist mein Grund gesät, hier zieh’ ich ein, hier bin ich Herr der Sinne - der Dichter meint, er fänd’ die Schöpfung…

…man geilt sich am Kostüme auf, das Wort selbst interessiert sie nicht, die Kummerveteranen…

… dem Dionysos gehören sie, dem Silen sind sie Schüler.

Notizbuch Nr. 8

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Mrz 26 2007

Telefonat und eine ruinöse Bibliothek

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

18.40

War es gestern? Das erste Telefonat mit Benjamin Stein, bis auf eine Stunde fehlten nur Sekunden. Ich müsste Worte für sein “Blau” finden, komme über rudimentäre Sätze jedoch nicht hinaus. Zu viel liegt noch im Argen mit meiner Bibliothek. Wollte am Telefon etwas über Leo Perutz und sein Nachts unter der steinernen Brücke schwadronieren, tappte zum Regal und griff ins Lehre ( es gelingt mir, mit einem Buch in der Hand besser über das Objekt, auch den Inhalt zu parlieren); ein Ärgernis sonders - aber ich bin zu erschöpft um einen meiner Marketing-cholerischen Anfälle zu bekommen.
Was ich ihm jedoch sagte, ihm und mir auf Blattpapieren:

Benjamin Stein tut hier etwas, das im ersten Augenblick harmlos aussieht. Er kettet schwimmende Prosa-Inseln aneinander, die so funktionieren wie dieser Zaubertrick: Die Ringe sind unteilbar ineinandergedreht, aber plötzlich und ohne dass man wüsste, wie, sind sie getrennt. Das Ganze lässt sich natürlich auch invertieren.

Innenschau: Ich möchte es betonen - der Innere Monolog, den die literarische Moderne so gerne zu einem nutzlosen Gestammel degradiert, findet hier seine Anwendung ohne jegliche Sprachzerstörung. Wer jemals Filmmusik nicht als Beiwerk des Bildersturms empfunden hat, weiß, wie Steins Sprache klingt…

Jetzt muss ich Fleischkugeln mit einer Muskat-Brandy- Beize einreiben, dazu werde ich mir einige Urquell-Büchsen durch den Verdauungstrakt jagen. Wieder keine Literatur heute - dafür aber erfülle ich einen Wunsch und lese für den nächsten Podcast aus dem Ulysses.

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Mrz 26 2007

Die akute Krise

Eingestellt von michael perkampus in apercus

Die akute Krise, wie sie in der Geschichte des Romans einmalig dasteht, die unter anderem bedeutet, daß der Roman endlich wieder seinem großen Erbe gerecht werden möchte, führt bereits vor der Postmoderne dazu, daß er zwangsläufig gegen sich selbst arbeiten muß. Die Weltkriege tragen dazu bei, die Konstruktivität des Romans vollends zum formalen Anachronismus werden zu lassen, zur Lüge, der die Wirklichkeit nicht standhält. Autoren wie André Gide versuchten schon früh aus wichtigen Strukturgesetzen des Romans auszubrechen, jedoch wirkten diese Versuche nicht bahnbrechend. Die Lyrik war hier dank Mallarmé dem Roman weit vorausgeschritten, als es darum ging, ihr Gesicht entscheidend zu wandeln.

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Mrz 26 2007

Orchestral

Eingestellt von michael perkampus in alte notizen

(August 1993, Mexiko)

von kreuz nach quer von stock nach stein
wie ein gebrochenes fussgelenk
baumelt der glaube an uns

weiter.

von vier nach fünft von nord nach süd
entsteht ein wunderwerk an wind
sein erbrechen macht uns mut

von strauch zu baum von tier zu mensch
der strapaziöse morgenschein
cremt unser kaffeekonzept

von trotz nach beinebreit von mir nach du und ihn
im blasenhimmel stecken wir bis zur marinade in unseren pullovern

wir sind weiter
wir wollen platzen

violine: wie sag’ ich an was mich bedrückt
ich stemme mich ins tal, das tal
ich bin und bleibe, bleib und bin
der orchestrale hauptgewinn

pauke: dreiviertel-viertel-viertel dreiviertelfünf

flöte: ich schäme mich fast der statur und besetze meine löcher
die töne sind leise die töne sind schrill
die töne sind lautlos die töne sind still

oboe: fotze!

flöte: du neidest mir den klang
violine: seismographenhauptschulamt

orchester: fiel vom himmel in die schlucht der tausend kupferringe
pedantenstimulat

wir sind weiter

entkomme mir!
ich entkomme mir nicht!
ich entfessle loslösung!
ich empfehle den tod.
dr. popans; aquädukt!

von der welt ist’s viel von uns geholt
die reise der elemente bewegt nicht klang

den elefantenrüssel des lebens habe ich gewonnen, man nennt ihn den schlauch der burgunder und keiner weiss des lebens bedeutung
ich bin nicht in argumentation, ich bin nicht einmal geheilt

cello: aber bist du nicht eisern daran beteiligt, hilflosen die medizin zu nehmen?

kontraste
kontraste
kein schimmer webt das dunkel
ein flächenbrand ist einzig
der wechselnde reflex.
umhaut zu umhaut.
umhaut bleibt um haut
geschlungen, lichtern, ehern, beduin.
planto amerika heisst die
pflanze welche die schönste ist

cello: sind wir jetzt schon gewohnt zu schweigen, sind wir jetzt schon das bedauern gewohnt?
bös’ im abgrund also, bös’, zuweilen arg im schlimmen.
es nützen also keine masturbationstechniken der welt mehr etwas, die götter der sieben triebe zu besänftigen.

man meint zu schnell, wir würden fledermäuse speisen ohne die nerven zu entfernen. wir verneinen dies.

pauke: nur ich stehe auf echten vomit!

drangsal des lebens also, grund der finsternis, echogrundlage und hirngespinst.
wir hatten nichts ritterliches zu verbreiten.

Notizbuch Nr. 8

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Mrz 25 2007

Lucinde

Eingestellt von michael perkampus in apercus

Wenn Friedrich Schlegel 1799 mit seiner Lucinde nicht nur künstlerische, sondern ebenfalls soziale Tabus brechen wollte, wenn er, anstatt theoretische Aperçus zur Roman-Theorie zu Papier zu bringen, selbst daran macht, das Muster eines romantischen Romans zu schreiben, dann ist zu sagen: daß jemand, der zu dieser Zeit den Roman eines Romans schreibt, ein außerordentlich moderner Kopf zu nennen ist. Viele Jahrzehnte also, bevor die eigentliche Moderne beginnen sollte, die in einem fulminanten Aufbegehren innerhalb der kürzesten Zeit stakkatoartig Expressionismus, Neoromantik, Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus, Futurismus und eine Menge mehr Manifestationen schuf und wieder überholte, bis der europäischen Avantgarde 1939 der Atem stockte und sich alles in ein Chaos verwandelte: Die Moderne endete nach dem ersten Schlachthaus nun in einem weitaus unbegreiflicheren Gemetzel. Wenn man es genau betrachtet, endet hier die Zivilisation, die im ersten Weltkrieg schwankte und deren Dichter alle Moral und Ethik, schlicht alle gängigen Werte nicht nur in Frage stellten, sondern sie voller Ekel anklagten.

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Mrz 24 2007

März, Vierundzwanzig, Sieben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

01.13

vor/hin ger/ade zu marcella; siegerin; ausgewählt von twoday und datum - seiten der zeit für best of blogging:

das schlimme: ich werde nie der leser sein, auch wenn ich es versuche, bleibt ein restautor in mir zurück

01.15

Marcella sagt:
würdest du denn allen ernstes mit einem leser tauschen wollen?
K.I.N.G sagt:
wenn ich ein leser wäre, würde ich mich erkennen können
Marcella sagt:
wenn über dich geschrieben würde oder wenn ein anderer dein werk geschrieben hätte?
K.I.N.G sagt:
über mich kann nur ein dummkopf schreiben oder jemand der mich liebt

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