Babylon

Michael Perkampus
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Artikel der Kategorie Februar, 2007

Für einen neuen Roman (1)

Februar 23, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: apercus 1 Kommentar →

Einen neuen Roman wird man in erster Linie gerne als einen Anti-Roman bezeichnen wollen, insofern nämlich, als man den alten Roman „abtut“, ihn für nicht mehr relvant erklärt. Doch er tritt ja nur die Gegenerschaft zu einer für heutige Begriffe völlig falschen Erzählweise an und nicht die Gegnerschaft zum Roman an sich. Wir können sogar so weit gehen und sagen: Der neue Roman, der uns vorschwebt, ist der eigentliche Roman, ist der Roman, der er von Anfang an hätte sein wollen, befreit von seinen finsteren und linearen, konstruktiven Ketten. (more…)

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Podcasting

Februar 22, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

Da ich immer wieder mp3 aus meinen laufenden Produktionen in diesem Blog anbiete, war der Schritt nicht weit, über ein eigenes Podcasting nachzudenken.
Die Tonwerke nehmen seit zwei Jahren einen grossen Zweig meiner Arbeit ein, die auf der Zusammenarbeit mit dem Avantgardemusiker Fafnir basieren, aber seit dem Zusammenbruch der Theatergruppe Antonin Artaud in mir schlummern.
Ich berichtete bereits darüber, dass die Studioarbeit zur Gilde gegenwärtig ins Stocken geraten ist, doch das hindert mich nicht daran, weiter über die Möglichkeit einer Sprachmaschinerie nachzudenken und unterschiedliche Versionen anzubieten.
Die Möglichkeit eines Podblogs habe ich heute geschaffen, natürlich berichte ich davon, wenn es sich ergeben sollte.

16.06

Jetzt, zum Beispiel.

18.38

Für Am Portal…:
- Kinkstagzauberei
- Kalligraphie im Sternensee
- Prozession der Lieder

Prozession wird allerdings noch in die Kalligraphie eingearbeitet, die letzte Strophe ist noch etwas unkommod.

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Marcel Schwob - Das gespaltene Herz

Februar 22, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke Noch keine Kommentare →

Marcel Schwob, 1867 in Chaville bei Paris geboren, gehörte in den 1890er Jahren zu den führenden Vertretern der literarischen Avantgarde Frankreichs.
Im ersten Buch, das es von ihm gab und das 1891 herausgegeben wurde, finden sich 18 Geschichten, die gleichermaßen märchenhaft und grotesk anmuten.
Die Figuren sehen, ohne zu hören, sie hören, ohne zu sehen. Ihre Körper haben keine Rundungen, sondern, wie in „Der Gespaltene“, Höhlungen: „Der Richter saß hinter der Lampe, deren Licht dem Angeklagten ins Gesicht fiel, und betrachtete die hellgrauen Flächen dieses matten Gesichts, dessen Vertiefungen durch undeutliche Schatten betont wurden.“ Stets fühlen sich die Figuren eingeschlossen in Kasematten, Kerker, Kellerlöcher, Käfige, Zwangsanstalten, Kranken- und Irrenhäuser, stets fühlen sie etwas, was nicht ist, eine Weite in der Enge, eine Beklemmung in der Unendlichkeit. Die Seele ist hyperaktiv und erschafft Schimären, die sie für Wirklichkeiten hält.

In seinen besten Erzählungen amalgamieren sich Imagination und Sprache zu einem dichten, suggestiven Stil – etwa dergestalt, wie es zu Schwobs Lebzeiten ein literarischer Kontrahent in diffamierender Absicht formulierte: “massiv, kantig, facettiert, schwer und funkelnd wie die polychrome Masse irgendeiner babylonischen Konstruktion”.

André Gide, Paul Valéry, Alfred Jarry, der ihm den „Ubu roi“ gewidmet hat, überglänzen ihn an Ruhm, Jorge Luis Borges schließlich hat ihn aus dem Schatten geholt.

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Lesen

Februar 21, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

Zwei Gedichte für Am Portal…: Babel, mein Babel und Übertürmt.
Schubert Impromtus.
Octavio Paz, der sprachgelehrte Affe wiedergelesen
Biogramm zu Cortázars Erzählungen, Band 1

Der Ekel davor, einen Roman zu schreiben, kehrt zurück. Die Ablehnung ist nicht etwa so total wie Anfang der 90iger, aber sie ist vorhanden. Tatsächlich müsste, wie Virginia Woolf forderte, ein neuer Begriff her, am besten gar kein Begriff. Was zB. ist der sprachgelehrte Affe? - ein philosophisches Prosagedicht, sagt der Schöpfer selbst. Na von mir aus.
Die literarische Theorie für den Acheron kann ich auf die Mitte nicht anwenden.

Haben Sie es gelesen - aber wie haben Sie es gelesen? Niemand kann es lesen wie es geschrieben wurde und es würde auch niemehr so geschrieben werden, aber wie nun etwas lesen, so wie man liest, so wie man schreibt, so wie man ansonsten nicht liest, ist schon etwas her, dann nochmal lesen, wiederlesen ist viel besser lesen, dann anderes lesen um wiederlesen zu können, nicht sitzend lesen, sondern hängend, halb liegend, ja nicht liegend! nie stehend und dann immer von Gedanken unterbrechen lassen, dies ist Leseart, lesen, was nicht dort steht, in der Hoffnung, der Autor hätte etwas übrig gelassen, das dort dann nicht stehen wird, ist also bitte kein Schwätzer, ist also bitte niemand, der aufschreibt, was der Leser denken könnte, ist im besten Falle selbst ein Leser, mehr als dass er ein Schreiber ist, Lesen ist ja die eigentliche Kunst auch, schwieriger als jedes Schreiben, nur ein schlechter Leser verdirbt den Autor und ein schlechter Autor macht Leser schreibend, gute Leser sind schlimme Autoren, sie wissen es besser…

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Surrealismen

Februar 21, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: alte notizen Noch keine Kommentare →

Münchner Notizen (Surreale Phase der Theatergruppe Antonin Artaud)
24.08.1992

Auf der anderen Strassenseite stand ein Mann, der versuchte, sich zu erstechen. Er stach ständig unter grossen Schmerzen daneben und ich bedauerte, dass ich kein Kleingeld einstecken hatte. Meine Wohnung lag kühl und man beglückwünschte mich zu einem Geburtstag, den ich nicht hatte. Ich war überzeugt davon, Hering zu riechen, wollte allerdings nicht glauben, auf derartige Spekulationen plädieren zu müssen um auf dem Boden schlafen zu dürfen.
In der Ecke standen Cafeterias und glotzten, als hätte man ihnen etwas angetan. Griessbrei waberte neben den Wohnblöcken und manchmal konnte man eine Eule in ein Kostüm schlüpfen hören.
“Kleptomanie!” schrie jemand der es ernst meinte.
Ich glaube, ich hatte eine schöne Nacht hier. Lesen müht mich nicht wie Strom.

Notizbuch Nr. 7

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rhe real movement of my balcony

Februar 20, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: notizen & wirrnisse 1 Kommentar →

“Wie ist das zu verstehen?”
“Du erinnerst dich doch, dass er auf Stelzen stand-”

* Hommage an Felisberto Hernández

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Edgar Allan Poe - Der Mann in der Menge

Februar 20, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: autoren und werke Noch keine Kommentare →

Entgegen landläufiger Meinung halte ich die Erzählung Der Mann in der Menge für die Erstaunlichste eines Mannes, dem man die Passion des Grauens zuschreibt.
Nicht so populär wie Die schwarze Katze, die hervorragend ist, Das verräterische Herz, das morbide ist oder Der Fall des Hauses Usher, das am berühmtesten ist, habe ich unter allen Geschichten von Poe, die ich immer wieder las, dieser stets den Vorzug gegeben, weil ich in ihr etwas zu finden glaubte, das mich selbst am meisten fasziniert.
In meiner Erzählung Gambit greife ich das Motiv der Verfolgung, die sinnlos zu sein scheint, selbst auf.
Poe war ein abnormer Charakter. Er wurde am 19. Januar 1809 in Baltimore geboren und starb 1849, nachdem er die Erzählung Hop-Frosch und den Essay The Poetic Principle geschrieben hatte.
Wie Borges war Poe der Meinung, dass die wahre Poesie ihr Höchstes nur dann zu leisten vermag, wenn sie in einem Zuge gelesen werden kann, wenn sie knapp ist. Er wählte, bis auf den Kurzroman Der Bericht des Arthur Gordon Pym aus Nantucket stets die Form der kurzen Erzählung oder des Gedichts. Gleichzeitig hat er sie neu erfunden.

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München, Equipe Propheta

Februar 20, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: alte notizen Noch keine Kommentare →

2.09.1992

Im Kulturhaus München. 200 Mark für Auftritt.

3.09.1992

Am Deutschen Theater, am Gasteig, am Marienplatz. Maskerade: Starlett.

4.09.1992

Für das Wochenende werde ich die Gedichte für die “Equipe Propheta” zusammenstellen.

7.09.1992

Charles hat die Miniaturbühne nicht gemacht. Druckvorlage fertig, 112 Seiten, TB.
Für die Lesung Überblendshow eingeplant, wir bleiben jedoch bei der Originalkulisse.

Biografie Paganinis gekauft, Brief an das “Musenalp-Magazin”

8.9.1992

Besprechungstermin am kommenden Sonntag, inklusive Harry (Managment), Charles (Design) und einem Werbefotografen, der sich vorstellen will. Wenn das so weiter geht, werde ich noch Fotomodell.

18.9.1992

Harry hat das Typoskript mitgenommen. Bilder für Bildteil in schwarz-weiss aus der Inszenierung zur “Düsteren Wiederkehr”.

Bildteil Equipe

Bildteil Equipe

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Am Portal

Februar 19, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

Zwei Gedichte für Am Portal verschwimmend Sprachen: Babellens Takt und Mit Wolken flieht mein Herz.
Es ist schon so: lässt sich nicht einreihen in die grossen Zyklen, wortberuhigter auch als Ouroboros Stratum, Kammern und Korridore, Timber, Die Glyphen von L’abyr, Die Gilde der pechschwarzen Liebe, Die Traumsuche nach Khursak Kurra, die Richtung der Gedichte ohne Zyklen einschlagend, zumindest ist das noch so. Es scheint sich auch hier wie in der Prosa im Moment die Spielerei anzubieten. Ich tröpfel das mal einfach weiter.

Schubert, Symphonien 1-5

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Hermes versus Triviata

Februar 18, 2007 Von: michael perkampus Kategorie: leuchtspur Noch keine Kommentare →

Was taten wir zu Heute? Wir befassten uns mit Cortázars Erzählungen, die ja zum Besten gehören, was die Literatur in diesem Genre bezeichnet, wir überflogen kurz Die Erfindung der Liebe und auch wenn sie noch etwas holpert, werde ich sie morgen einstellen, sie wurde ja für die Kleinen Knüller geschrieben, ich hielte es für Unsinn, sie nur aufgrund ihrer Länge auszusparen.
Tatsächlich macht es mir augenblicklich Spass, diese kleinen Tastenspielereien zu schreiben, weil ich mich vor dem Umzug nicht so sehr auf meine hermetischen Erzählungen einlassen will, sie erfordern ja etwas ganz anderes, fordern mich ganz und gar, ohne an einen Tag, eine Nacht, ohne an überhaupt etwas zu denken als das Mouvement, das Tableau, die Szene. Dieser Akt der völligen Auflösung erfordert einen Zeitraum, der sich nicht mehr in einem herkömmlichen Jetzt abspielt. Da ich ein genialistischer Schriftsteller bin, also vollkommen nach der Inspiration ausgerichtet, eben kein Handwerker, habe ich mir nun Freiraum erbeten, denn man weiss dies: Die Inspirtation kommt wann sie will und dann muss man bereit sein, egal wann und egal wo das ist. Da es sich beim Schreiben natürlich auch um eine Geisteskrankheit handelt, zumindest so, wie ich das Schreiben praktiziere, habe ich mir angewöhnt, nur Nachts aus dem Haus zu gehen oder, sobald ich von der Ferne einen Menschen sehe, einen grossen Umweg zu laufen. Meine Einkaufszeit (die ich immer sehr fürchte), lege ich sehr früh in den Morgen und stürze in besagtes Geschäft, hetze durch die Regale und spurte schleunigst wieder hinaus, um in einer Seitengasse zu verschnaufen.
Wer das nun für paranoid oder zumindest verrückt hält, tut gut daran, mich niemals treffen zu wollen.

22.11

Diese ausserordentliche Kraft der Adam-Passagen. Ich würde gerne wissen, wo sie herkommt.

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