Wie etwas nicht zustande kommt
Betreff: Beitrag für die Zeitschrift Schöngeist
Sehr geehrter Herr Perkampus,
habe ich ihnen noch gar nicht geantwortet? Beim Durchsehen meiner mails
fällt mir dies gerade auf. Es ist auch fast nicht zu leisten, immer am Ball
zu bleiben. Es muss einiges versickern.
Ich danke Ihnen für den Text, der mir durchaus gefällt, beim ersten
Überlesen dachte ich, vielleicht hier und da etwas überanstrengt aber
grundsätzlich mit Verve - ich möchte vorsichtshalber nachfragen, ob sie ihn
für unser nächstes Thema berücksichtigt hatten “Im Rausch der Natur”? Wir
nehmen immer nur themenbezogene Beiträge an.
Ich wünsche Ihnen einen erfreulichen Februar!
Herzliche Grüße aus einem in wetterliche Tristesse gehüllten Berlin,
Tanja Porstmann
Liebe Frau Porstmann!
Doch, sie haben mir geantwortet, gerade eben nämlich.
Was zum Text noch zu sagen wäre: das Überanstrengte ist ja darauf zurückzuführen, einen anderen, also quasi keinen seichten, ergo typisch deutschen Ton treffen zu wollen. Derartiges ermüdet mich und ausserdem wäre nachgerade jeder andere Ton für diese Szenerie völlig undenkbar. Dass er Ihnen dennoch zu gefallen scheint ist ist ja dann schon ein guter Einstieg.
Wohin mit diesem Text wird eine andere Frage sein. Wenn Sie sagen: “Im Rausch der Natur”, schlösse sich der Villon dann aus, wenn man das Thema Flora- und Faunagerecht interpretieren wollte. Ginge es um einen natürlichen Rausch, den Rausch des in-der-Natur-Seienden Meisters (und wer wollte bestreiten, dass François ein grosser Natürlicher war, dann gelänge uns eine Annäherung an das Procedere. Aber Sie werden wohl sehen, dass all die letzten Worte des Vaganten überhaupt erst in den Rausch hineinführen, der da in der Verbannung liegt.
Ich denke, Sie werden den Text ablehnen müssen, wenn ich Ihnen gegenüber fair sein will.
Liebe Grüsse
p.-


