Problemstellung: Empirischer Autor
Wie wäre es denn, wenn der Autor gleichzeitig alle Erzählstimmen selbst ist und darüberhinaus noch alle Protagonisten? Sprächen wir dann von einer totalen Autorenschaft?
Natürlich das, was Eco den empirischen Autor nennt. Nach vorne weg, also in den Text hinein, das wissen wir, staffelt sich eventuell die fiktive Person als Erzähler oder er staffelt sich in seinem Äussersten dahingehend, dass der empirische Autor einen Paratext entwirft, einen Modell-Autor entwirft, der dann als fiktive Person wiederum einen empirischen Autor ins Spiel bringt, nämlich als fiktive, reale Person und sich gleichermassen als Erzähler vorstellt.
So geschehen (und denkbar unvollständig in allen Variationen von mir wiedergegeben) in Edgar Poes M.S. Found In A Bottle
Vom Bild sprechen wir ja schon gar nicht mehr, nur noch von Zeichen, umgekehrte Impropria Dictio. Wir könnten natürlich eines tun: die Sprache begrifflich werden lassen, doch dann wäre der Poet nur noch Verwalter, und Sie werden wissen, wie ekelhaft das ist.
Wenn also der Redefluss und der Gedächtniseindruck keine Metaphern, sondern schon Begriffe geworden sind, haben doch gerade wir die Aufgabe, ein Stück weiter in die Wirklichkeit vorzudringen. Gott, ja, es ist anstrengend, da vorne nichts zu sehen, aber muss der Intellekt denn stets Vergleiche herauszwicken? Besteht nicht der Reiz einer tropischen Figur darin, dass sie uns über die alltägliche Wirklichkeit hinausträgt? Wir könnten natürlich schalkhaft umdrehen und Zeichen werden lassen, was vormals Bild war.
Dann-
gehen wir nicht mehr von einem empirischen Autor aus, sondern fragen uns, was nach hinten hin geschieht, was hinter diesem Autor liegt. Ist es denn wahr, dass es diesen empirischen Autor überhaupt gibt, der diese Zeichen setzt, die dann auch als Bild funktionieren können?
Wenn es den Autor überhaupt nicht gäbe, gäbe es diese Person, die der Autor ist, dennoch, es gäbe die Person, aber nicht den Autor. Die Person steckt also hinter dem Autor, erfindet ihn sogar. Wir denken uns den Autor weg, nehmen wir an, die Person dächte niemals an einen Autor, nicht einmal an eine Autorenschaft in Form, dass einem anderen Autor der Text diktiert wird, wobei die Grenzen des Empirischen bereits verschwimmen, dann bliebe dennoch die Person, die vielleicht den Autor in sich trägt, übrig.
Was ist der Impuls für eine Autorenschaft? Ist es der Autor in der Person?
Die Problemstellung ist ja eine ganz andere, sie lautet dem Grunde nach: Was veranlasst eine Person, zum Autor zu werden? Es ist ja nicht richtig, dass es bereits der Text ist, es kann ja nur die Idee eines werdenden Textes sein, von dem man nicht einmal mit Sicherheit sagen kann, ob man ihn zustande bringt. Freilich rede ich um den Brei, denn wir suchen in Wahrheit den Ursprung der Idee. Ist es eine Idee des Textes oder eine Idee des Autors? Schliesslich kann der Text den empirischen Autor nicht umgehen. Er kann nicht einfach da sein ohne Autorenschaft, und Barthes (auch Foucault) sagt das ja auch nicht, wenn er den Autor verschwinden lässt.
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