Archiv von Januar, 2007

Jan 31 2007

Kreis

Eingestellt von michael perkampus in philosophey

So ist der Kreis beschaffen, daß er immer in seiner eigenen Wiederkehr begriffen ist, unabhängig davon, wo man einen Anfang oder ein Ende setzen mag.
Der Kreis bildet ein unverstandenes Muster und ist nicht durch sich selbst trügende Charaktere. Darin absorbiert er das wahre Etwas. Sein Zertifikat bleibt alle Zeit die Ewigkeit, wiedergekäut von allen Elementen, die man nachträglich entdeckte, nachdem man wußte: die Zahl müsse Pi sein. Die Zahl war nie Pi. Früher erzählte man sich, ein Kreis sei alles und alles sei wie ein Kreislauf in der Wiederkehr begriffen. Der Kreis wabert ins Unendliche tendierend, aber nicht ins Unendliche wollend.

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Jan 30 2007

Leben

Eingestellt von michael perkampus in leuchtspur

in spontaner Hektik veranlaßte die Fürsten, ängstlich zu bleiben. Sie reagierten nicht. Der Menschennebel war zu dicht. Verankerung in den Sinnen plädiert für Überraschung außerhalb.

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Jan 30 2007

Denunzianten und Afternglück

Eingestellt von michael perkampus in netz

Ein Problem, das ich bisher nicht berücksichtigt hatte: Hunde pissen gegen jeden Zaun.
Das Interesse, das ich jüngst dem literarischen Weblog Die Dschungel gegenüberbringe hat auch dort für Aufmerksamkeit gesorgt, wo ich es unter keinen Umständen wollte. Es gibt unter Hunden eine Disziplin, die nennt sich Afterlecken, unter dieser Spezies ein süchtigmachendes Verhalten, das, sobald das Löchlein nicht mehr freisteht, in Kleff-und Beisswut verwandelt wird.

Es gibt aber noch etwas anderes zu vermerken: In der Natur weiss ein Beta, Gamma, Delta, Epsilon, Zeta, Eta-Tier, wann das Spiel zu Ende ist. Das menschgewordene Tierchen begreift soetwas nicht, was dann arg wird, wenn man seine eigentliche innere Häme überall hinschleppt, auch da - und gerade dahin - wo sie nichts zu suchen hat.
Dass mich ein solches Verhalten masslos ärgert, wissen all diejenigen, die gerade ermessen können, von was ich hier rede. Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur ich weiss, wer, sagen wir mal, hinter dem passenden Namen Otto Mops steckt.

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Jan 30 2007

Der Rabe von Baltimore

rabe Was will man anderes tun, als sich mit einem kraftvollen Protest gegen die Irrlehre der Länge oder der Dimension eines Gedichts wehren. Ein langes Gedicht gibt es nämlich gar nicht; der Ausdruck ‘langes Gedicht’ ist eine vollkommene contradictio in adjecto. Ein Gedicht verdient seinen Titel nur, insoweit es die Seele erregt und entführt, dabei ist es eine Notwendigkeit, daß alle Erregungszustände flüchtig sind. Dieser eigenartige Zustand, in dem sie Seele des Lesers sozusagen gewaltig angespannt war, kann ganz gewiss nicht so lange währen wie die Lektüre eines solchen Gedichts, das die Ausdehnbarkeit der Begeisterung, derer die menschliche Natur fähig ist, überschreitet. Das ist das Verdammungsurteil der epischen Dichtung, denn ein Werk solcher Dimensionen kann nur dann noch als dichterisch angesehen werden, wenn die Totalität der Wirkung gegeben ist. Die epische Dichtung, ästhetisch genommen, ist ein Paradoxon. Sehen wir folgendes: ein langes Gedicht ist für gewöhnlich nur eine Abfolge kurzer Gedichte (ich selbst habe das in meinem bisher kraftvollsten lyrischen Werk „Timber & Die Glyphen von L’abyr so gekennzeichnet).
Jedoch ist das ein anderes Thema, ich schweife ab: Weiterlesen »

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Jan 30 2007

Würstchenbude

Eingestellt von michael perkampus in alte notizen

10.11.1992

Die Leute müssen davon überzeugt sein, in eine Würstchenbude zu kommen, wenn sie unser Theater betreten - das dürfte den Schockeffekt beträchtlich steigern.

Notizbuch Nr. 5
anlässlich der offiziellen Bekanntgabe vom 4.11.1992 über die Existenz des Theatré Antonin Artaud.

Unterzeichnende:

Michael Perkampus
Marion Lothring
Jens Hentschel
Thomas Weihmann
Jörg Fischer
Thomas Gösi
Ralph Sandras
Sonja Mages
Gabriele Höfert
Charles Schindler
Harald Frey
Natascha Bergwarth
Sandra Imoni

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Jan 29 2007

Zur Skizze

Eingestellt von michael perkampus in apercus

Weil das, was fertig ist, verändert werden könnte, um es wieder zu einem Entwurf rückwerden zu lassen, schafft man sich die Skizze, die in den Gedanken nur vollendet wird. Der sie benutzt, den rührt sie an, weil Platz für seine Träume herrscht, weil nirgendwo ein Punkt gesetzt und nirgendwo kein Weg mehr bleibt. Da denkt man gerne, wie es wäre, wenn das Fleisch darum gewoben sei, dann immer neue Arten zeigt, je öfter man dies tut.

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Jan 29 2007

Apokalypsen zur Zeit

Eingestellt von michael perkampus in alte notizen

02.11.1992

Ein Preis, der uns schreckt, ist der Preis, das Leben zu durchqueren, das sich wie eine Mantel über die Türme spannt, die uns das Bewusstsein loten.
Die Stimmen sind ein lautloser Anteil tieferen Schweigens, mittelbar mit der Lust gepaart, Worte zu dimensionieren.
Die Stimmen verändern die Gedanken und die Emphatie verkommt in Schlingen. Der Zeitkreislauf befindet sich vor einem letzten Tiefgang, in dem die Gestalten den Bezug zueinander verlieren und sich in Panik schlachten.
Das Peitschen der Atmosphäre durchdringt den Nebel, der sich Geist konserviert. Es wird der Tod nicht mehr sein, der es vermag, uns zu retten.
Als hölzernes Skelett mit verkohlten Rippen steht er in den aufgeplatzten Mündern Tausender, hilflos einen Teil der Wahrheit neu zu bringen, unfähig.
Der Tod löst seinen Mantel und in seiner Nacktheit präsentiert er sein verkümmertes Geschlecht.
Schmarotzer haften an ihm und laben sich an seinem versteinerten Sperma. Der Tod - zirkuliert mit den verbrannten Engeln um ein Fass, erhofft sich Determination und findet doch nur verschlungene Zeiten.

Notizbuch Nr. 5

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Jan 28 2007

Problemstellung: Empirischer Autor

Eingestellt von michael perkampus in apercus

Wie wäre es denn, wenn der Autor gleichzeitig alle Erzählstimmen selbst ist und darüberhinaus noch alle Protagonisten? Sprächen wir dann von einer totalen Autorenschaft?
Natürlich das, was Eco den empirischen Autor nennt. Nach vorne weg, also in den Text hinein, das wissen wir, staffelt sich eventuell die fiktive Person als Erzähler oder er staffelt sich in seinem Äussersten dahingehend, dass der empirische Autor einen Paratext entwirft, einen Modell-Autor entwirft, der dann als fiktive Person wiederum einen empirischen Autor ins Spiel bringt, nämlich als fiktive, reale Person und sich gleichermassen als Erzähler vorstellt. Weiterlesen »

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Jan 28 2007

Ulysses, Subskriptionsausgabe

Eingestellt von michael perkampus in poetakas

Joyce schreibt ausschliesslich mit der Hand und korrigiert seine ausufernden Texte, wie Balzac und Proust, auf den Druckfahnen, wobei er es nicht unterlässtt, alles neu anzuordnen. Der Drucker Darantjére versteht kein Englisch, wobei fraglich bleibt, ob er das, was Joyce da niederschrieb, auch mit Kenntnis dieser Sprache verstanden hätte. Allein beim Circe-Kapitel, das bekanntlich in einem Bordell spielt, versagen neun Sekretärinnen, andere werfen das Manuskript völlig entnervt oder heulend zu Boden oder gar ins Feuer.
Sylvia Beach sucht Zuflucht in Subskriptionen und alle unterschrieben: Hemingway, André Gide, Ezra Pound, W.B. Yeats. Nur Bernhard Shaw schrieb folgenden Brief:
“In Irland macht man Katzen zimmerrein, indem man ihre Schnauze im eigenen Unrat reibt. Mr. Joyce versucht das nämliche beim menschlichen Geschlecht. Hoffentlich hat er Erfolg.”
Die erste Auflage, die damals (Subskriptionspreis) 150 Franc betrug (und heute etwa bei 30.000 Euro liegt) beträgt 750 Exemplare, dickes Oktav, kartoniert, 732 Seiten, 1 1/2 Kilo. Und da Joyce wegen seiner schlechten Augen unfähig war, selbst Korrektur zu lesen, mit einem halben Dutzend Druckfehler pro Seite.

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Jan 28 2007

Ulysses

Über diesen Roman ist (wie überhaupt über die grossen Romane zu schreiben ein beinahe kopistisches Verfahren bedeutet) kaum etwas Neues herauszufinden und anzubieten. Das trifft auf den Ulysses, den jeder Literaturinteressierte gelesen hat, noch viel stärker zu als vergleichsweise bei Cortázars Rayuela. Gerade weil der Ulysses eines der Standartwerke der modernen Literatur ist und auch als erstes da war, kann man heute berichten, dass es kein zweites Buch gibt, das ein grösseres Aufsehen erregt hat, obwohl wir heute sagen können: Der Roman schafft sich zwar Neues, hält allerdings daneben auch trotz aller Auflösung noch an entscheidenden überkommenen Aufbauformen des Romans fest, so vor allem an der konstruktiven Erzählhaltung, die erst der Noveau Roman aufgeben wird. Mag diese auch vom Stofflichen überschwemmt werden, sie bleibt doch stets im Grunde gegenwärtig und ist aus jedem beliebigen Satz, nehmen wir die Anakoluthe und die blossen Reihungen, eine wörtliche Rede oder den inneren Monolog davon aus, zu erkennen.

Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass dieser Roman, den Joyce ursprünglich als Erzählung seinen Dubliners beifügen wollte, wie die Wissenschaft jener Zeit, die Macht erlangte, das Weltall zu ordnen, seine Aspekte, seine Widersprüche in einer grandiosen, endgültigen Synthese aufzulösen.
Von 1914 bis 1921 wuchs die Novelle und so sehr Joyce bis dato für sein Werk hatte kämpfen müssen (wie übrigens jeder “wirkliche” Literat), so mühelos fiel ihm nun ein von Skandal gefärbter Ruhm zu. Die New Yorker Post verbrannte, ganz in der Gesinnung weltumspannender Faschisten, zweitausend Exemplare, der Zoll beschlagnahmte, das Prädikat, der Roman sei
“so obszön, unzüchtig, lasziv, nichtswürdig, anstössig und widerlich, dass eine genaue Beschreibung das Gericht beleidigen müsse (Summer, 1920 im Namen einer puritanischen Liga)
machte die Runde und: freilich, die Intelligenza war begeistert: trotzig brachte Sylvia Beach im Februar 1920 die Erstauflage heraus.

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